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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 35
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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Der Drachenkampf.

31. Der Drache.31. In diesem Theile des Gedichtes (und am stärksten in diesem Abschnitt) hat das Manuscript sehr gelitten. Doch ist der Verlust noch zu verschmerzen, da uns nichts ganz Wesentliches fehlt. Daneben tritt hier auch die Ueberarbeitung stärker zu Tage. Die Art, wie das Gold durch den alten Edling in den Berg gekommen und erst später von dem Drachen gefunden sein soll, deutet auf eine Zeit, wo man schon vergeßen hatte, daß Hort und Drache im Mythus zusammen gehört, jener also keiner besondern Motivierung bedarf: der alte Zusammenhang war gewiss der, daß der alte Häuptling sich wie der Riese Fafnir in den Drachen gewandelt hatte, wovon an einer spätern Stelle 37, 25 ff., wie schon Ettmüller 177 bemerkt hat, noch eine Spur stehen geblieben ist.

                  Es fügte sich nun   in folgenden Tagen,
Daß im Heergetümmel   Hygelak sank,
Und die scharfen Schwerter   seinem Sohne Heardred
Unterm Lindenrand   das Leben razbten.
5   Mit siegreichen Scharen   suchten ihn heim
Die herben heerkühnen   Headoschilfinge
Und würgten nieder   den Neffen Hererichs.
Da ward dem Beowulf   das breite Reich
Zu Händen gegeben:   er hielt es wohl
10   Funfzig Winter.

                            Er war ein weiser König,
Ein alter Erbwart,   als Einer begann
Als Drache zu toben   in düstern Nächten,
Welcher des Hortes   Haufen bewachte

15   Im starren Steinberg.   Ein Steig lief einwärts
Allen unkund.   Dahinein gieng ein Mann,
Ich weiß nicht welcher.

Nicht freiwillig sucht' er   die Fülle des Wurmhorts,
Nach eigenem Antrieb,   der ihm übel bekam:

20   Er floh genöthigt,   ich erfuhr nicht vor welchem
Der Heldensöhne,   der ihm Haß erbot.

                                                Deren war da viel
In der Erdhöhle,   der alten Schätze,
Die vor manchen Jahren   der Männer Einer

25   Als altes Erbe   eines edeln Geschlechts
In bangen Gedanken   da verborgen hatte,
Die theuern Kleinode.   Der Tod nahm ihm Alle
In alten Tagen   und Er, der letzte,
Der am längsten lebte   des erlauchten Geschlechts,
30   Beweinte die Freunde.   Zu fristen wünscht' ers,
Daß er eine kurze Zeit noch   die Kleinode
Gebrauchen dürfte.   Den Berg dazu bereit
Fand er auf den Fluren,   den Flutwellen nah,
Kräftig gestützt   auf Klippengestein.
35   Da trug hinunter   die Edlingsschätze
Des Hortes Hüter   in schweren Haufen
Des gelben Goldes   und begann zu sprechen:

»Halte nun, Erde,   da es die Helden nicht dürfen,
Der Edlinge Eigenthum:   habens einst auf dir

40   Doch die Werthen gewonnen!   Waffentod nahm,
Grimmer Geerkampf hin   die Guten alle.
Das Leben ließen   meine lieben Sippen,
Sie sahen des himmlischen   Saales Lust.
Wer schwänge nun das Schwert,   die Schale wer leerte sie,
45   Das theure Trinkgefäß?   Die Tapfern sind kraftsiech!
Diesem harten Helme,   dem hellvergoldeten,
Entsinke der Schmuck:   sie schlafen todwund,
Die in diesen Halsberg   sich hüllen sollten:
So mag auch das Kriegskleid,   das im Kampf ertrug
50   Der Schwerter Biß   nach dem Bruch des Schildes,
Mit dem Recken rasten.   Der Ringbrünne kann
Nach der Weigande Fall   nicht weit mehr fahren
Den Helden zu Hülfe.   Der Harfe Wonne schweigt
Und des Sängers Sang;   nicht schwingt sich der gute
55   Habicht um die Halle,   das hurtige Ross stampft
Den Burghof nicht mehr.   Ein böser Tod hat
Der Befreundeten viel   uns früh geraubt!«

So jammermüthig   ergieng sich in Klagen
Der Eine nach Allen.   Unfroh verbracht er

60   Tag und Nacht,   bis des Todes Hand
Das Herz ihm rührte.

                                      Die Hortwonne fand dann
Der alte Uchträuber   offen stehen,
Er der da brennend   die Berge heimsucht,

65   Der nackte Neiddrache,   der in Nächten umfliegt
Von Feuer umfangen.

Dreihundert Winter   hatte so der Wütherich
Das Horthaus inne   in des Hügels Grund,
Allen überstark,   bis einst ihm ergrimmte

70   Jener Mann das Gemüth.   Dem Mächtigern trug der
Die gediegne Schale   und ersucht' um Frieden
Den abholden Herrn.   Da ward der Hort bestohlen,
Mancher Ring geraubt   und Ruhe gewährt
Dem friedlosen Manne.   Der Fürst erschaute
75   So altes Menschenwerk   zum ersten Male.
Als der Wurm erwachte,   seine Wuth brach aus:
Er beroch den Stein,   mit starken Sinnen
Fand er des Feindes Spur,   der auch fernerhin noch drang
Dicht in Dunkel gehüllt   bis zu des Drachen Haupt.
80   So mag ein Glücklicher   leichtlich vollenden
Ein gewagtes Werk,   wenn ihm des Waltenden
Huld sich erhält.

                              Der Hortwart durchsuchte
Begierig den Grund.   Er fände gern den Mann,

85   Der ihm im Schlafe   den Schaden gewirkt.
Hitzig mit herbem Muth   den Hügel umkreißt' er
Von außen all:   nicht Ein Mann war
Auf der weiten Haide.   Doch heischt' er Rache
Und wilde Verwüstung.   Wieder im Berge jetzt
90   Nach dem Schatze sucht' er.   Nun sah er deutlich:
Gepfändet hatt ihn   ein Frecher des Goldes,
Der hehren Kleinode.   Der Hortwart verweilte
In Ungeduld   bis der Abend kam.
Da schwoll in Bosheit   des Berges Hirte:
95   Viel Leuten gedacht er   mit Lohe zu vergelten
Das theure Trinkgefäß.   Nun war der Tag entflohn,
Nach des Wurmes Wunsch:   da wollt er nicht länger
Im Berge bleiben:   brennend fuhr er aus
Vom Feuer geflüchtigt.   Furchtbar war der Anfang
100   Den Leuten im Lande;   wies im Verlaufe dann
An ihrem Schatzspender   schmerzlich geendet ward.
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