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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 31
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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27. Hygd und Offa.

                Da kamen zum Meere   der Muthigen viel
Des Reckenvolkes.   Ringnetze trugen sie,
Gestrickte Streitgewande.   Der Strandwart erfuhr
Der Edlinge Heimkehr,   wie die Ankunft vordem.
5   Und nicht mit Unglimpf   von des Ufers Vorsprung
Grüßt' er den Gast:   entgegen ritt er ihm
Und hieß willkommen   die Wederleute,
Als zu Schiffe stiegen   die schön gepanzerten.
Da sah man am Gestade   den seestarken Nachen,
10   Den geringten Steven   mit Rüstungen beladen,
Mit Mähren und Schätzen.   Der Mast überragte
Hrodgars herrliche   Hortkleinode.
Dem Bootwart gab Beowulf   ein goldgebundenes
Schwert zum Geschenk,   so schön, daß er künftig
15   Werther damit   auf der Methbank schien
Durch das alte Erbstück.   Er stieß ab mit dem Schiff
Das Tiefwaßer trübend   und ließ der Dänen Land.

Da ward der Meermantel   bei dem Maste dort,
Ihr Segel seilfest;   der Seebaum dröhnte.

20   Da konnte Wind und Welle   des Wogenfurchers
Schnellfahrt nicht hemmen.   Der Seegänger fuhr,
Durchschwamm den Sund   mit beschäumtem Hals,
Der gebundne Steven   über die Brandungsströme
Bis sie der Geaten Klippen   erkennen mochten,
25   Die bekannten Küsten.   Der Kiel schoß empor
Und lag am Lande   von der Luft geschaukelt.
Gleich stand am Gestad   der Strandwart bereit,
Der schon lange Zeit   der geliebten Männer
Fahrt aus der Ferne   mit Fleiß betrachtet.
30   Da seilt' er am Strande   das starkbusge Schiff
Mit Ankerbanden,   daß die brandende Flut
Das freudenreiche Fahrzeug   nicht entführen möchte;
Hieß dann aufwärts tragen   der Edlinge Gut,
Schmuck und gediegnes Gold.

35  

                                                  Von da nicht ferne
Hatten sie zu suchen   nach dem Schatzvertheiler,
Dem Hredling Hygelak:   ein Haus bewohnt' er
Mit seinem Gesinde   dem Seewalle nah.
Das Haus war herrlich,   hochberühmt der König

40   Und hoch die Halle;   auch Hygd noch jung,
Und weis und wohlgestrenge,   ob sie der Winter gleich
Nicht viel noch erblickt'   unterm Burgverschluß.
Zu vertraut nicht that   die Tochter Häreds,
Noch kargte sie zu sehr   mit Kleinodgaben
45   Gegen die Geatenleute;   aber grimmiger Stolz
Verführte die Volksfrau   zu frevelnder That.
Das getraute sich   der Theuerste nicht
Der nächsten Genoßen   neben dem Eheherrn,
Sie mit Augen anzuschaun   einmal des Tages,
50   Denn handgeflochtene   Feßeln des Todes
Wust er sich winken:   da ward ohne Säumen
Von hastiger Hand   mit dem Heftschwert geworben,
Daß es schlimmen Schaden   bescheiden muste
Und Mordübel künden.   Das ist nicht magdlicher Brauch
55   Noch des Weibes würdig,   wie waidlich sie sei,
Daß die Friedeweberin   mit entflammtem Zorn
Einem lieben Mann   nach dem Leben stelle.
Auch warf ihr das vor   der Verwandte Hemings27, 58. 75. Hemings Verwandter wäre nach Bachlechner Germ. I., 297 und 455 Eomär, Hygds Sohn mit Offa. Dabei ist an eine geistige Verwandtschaft gedacht. Er identificiert nämlich den Heming mit dem Amleth der nordischen Sage, wobei man sich erinnere, daß dieser (Hamlet) seiner Mutter den Tod seines Vaters zum Vorwurf macht. Diesen Inhalt scheint indes in unserm Gedicht der Vorwurf nicht zu haben, welchen Eomär der Hygd macht. Ob Offa oder Hygelak als ihr zweiter Gemahl zu denken sei, bleibt zweifelhaft. Jene Offasage weiß nicht, daß sie nach Offas Tod noch einem Andern vermählt worden wäre. Im Beowulf erscheinen zwei ganz verschiedene Auffaßungen der Sage neben einander. Die erste nimmt an, nach Hygelaks Tode sei Hygd dem Offa vermählt worden, und dort habe sie sich derselben Unweiblichkeiten schuldig gemacht wie bei Hygelak, ja ihr eigener mit Offa erzeugter Sohn habe ihr das vorgeworfen. Nach der andern hatte sie mit Hygelak nichts zu schaffen, da schon ihr Vater sie als Jungfrau dem Offa vermählt hatte, mit dem sie auch das Leben in Liebe beschloß. So verstanden könnte aber diese zweite Gestalt nur durch eine spätere Glosse in unser Gedicht gekommen sein. Uebrigens erinnern die Worte Z. 63 sf.:
                        als sie Offas Wohnung
Ueber die falbe Flut   nach ihres Vaters Rath
Zu Schiffe suchte

sehr stark an jene zweite Offasage bei Matthäus Paris, wonach Offas Gemahlin in einem steuerlosen Kahn an die englische (ursprünglich anglische) Küste getrieben ward, was eine Verdoppelung der oben besprochenen anglischen Skeafsage scheint. Nehmen wir die erste Offasage bei M. Paris hinzu, so war es ihr Vater, dessen unnatürlichen Bewerbungen sie ausgewichen war, was den Worten des Originals be fäder láre einen andern Sinn geben würde als »auf ihres Vaters Rath.« Uebrigens bin ich bei Z. 66 Leo S. 45 gefolgt, dessen allerdings kühne Deutung sich mir durch den Sinn empfahl.


Beim Aeltrinken.   Doch Andere sagen
60   Sie habe der Mordübel   minder gestiftet,
Der argen Anschläge,   seit zuerst sie ward
Goldgeschmückt gegeben   dem jungen Kämpen,
Die adeltheure,   als sie Offas Wohnung
Ueber die falbe Flut   nach ihres Vaters Rath
65   Im Schiffe suchte.   Dort saß sie nun
Mit gutem Ruf   auf dem Gabenstuhl
So lang ihr des Lebens   Looße währten
Hochliebe hegend   zu dem Heldenfürsten,
Der aller Männer,   wie ich melden hörte,
70   Der Biederste war   zwischen beiden Seen,
Unterm Erdenvolke.   Denn Offa ward
Durch Mannheit und Milde,   der muthvolle Held,
Weithin gewürdigt;   durch Weisheit behielt er
Der Ahnen Erbe.   Eomär entsprang ihm
75   Den Helden zur Hülfe,   Hemings Verwandter,
Garmunds Neffe,   der nie im Kampf verzagte.
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