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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 3
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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Grendel.

Schild der Schefing.Schild der Schefing. Wenn dieser erste ungezählt gebliebene Abschnitt ein späterer Zusatz wäre, so müsten auch Z. 1–11 des folgenden ersten gleichen Ursprung haben und erst mit der 12. das alte Gedicht beginnen. Auch Ettmüller findet den Mythus von Skild an der Spitze des Beowulfsliedes befremdend, da Beowulf, der Held des Liedes, ein Geate, kein Schilding war, obgleich Z. 12–25 (s. u.) ihn dafür ausgeben möchten. Liest man mit der Handschrift 1, 1 Beowulf statt Beow, so hat man neben dem Geaten Beowulf noch einen Schilding gleichen Namens, ohne daß zwischen beiden irgend eine Verbindung oder Beziehung denkbar wäre. Möglich, daß der Verfaßer des Zusatzes auch dieß zu verantworten hat, indem er den Beow seiner Stammtafeln in Beowulf wandelte, weil der Held des Liedes, dem er diese Einleitung dichtete, Beowulf hieß. Daß er dänischer Herkunft war und der Ruhm der Dänen ihm am Herzen lag, verrathen die Eingangszeilen.

            Wie Großes hören wir   von den GeerdänenZ. 1. Geerdänen. Die Waffe der Geer (Sper) giebt hier dem Volk den Namen, wie es 2, 2 auch Hringdänen heißt, nach den aus Ringen geflochtenen Harnischen. Wenn wir es auch nach den Himmelsgegenden Ostdänen, West-, Nord- und Süddänen genannt finden, so geschieht dieß der Alliteration zu lieb; gemeint ist stäts das ganze Volk; so wohl auch, wenn sie Seedänen heißen. ,
Den Volksfürsten   aus der Vorzeit Tagen,
Wie diese Edlinge   sich eifrig erprobten!
So hat Schild der Schefing   mit schädlichen Rotten
5   Mancher Sippschaft   die Methbänk entrißen,
Der gefürchtete Fürst,   der in frühster Jugend
Entblößt herbeitrieb;   doch bald ward ihm Ersatz:
Er wuchs unter Wolken   an Würde gedeihend
Bis ihm die Umsitzenden   allzumal
10   Zu Willen wurden   über der Wallfische Bahn
Und Gülte gaben:   das war ein guter König!

Dem ward ein Sprößling   später geboren,Z. 12–25 ist nicht auf einen frühern Beowulf zu beziehen, sondern auf den Helden unseres Gedichts, der den Dänen zum Trost ausgesendet wird. Darnach wäre hier der Grund angegeben, warum die Sage von Skeaf, von dem unser Held abstammen soll, dem Liede von ihm vorausgeschickt wird. Von einer solchen Abstammung weiß freilich sonst unser Gedicht in Bezug auf Beowulf, Ecgtheows Sohn, nichts; aber der Verfaßer dieser Einleitung erlaubt sich wie wir sahen noch Anderes. Auf nähere Begründung der behaupteten Abstammung läßt er sich aber nicht ein. Die unmittelbaren Nachkommen Schilds werden erst 1, 1–10 aufgezählt. Sein Sohn Beow ward noch bei Lebzeiten des Vaters geboren, und da gilt Ettmüllers Bemerkung S. 66, von seinem Volke könne nicht gesagt werden, daß es seines Königs beraubt (oder wie ich mit Bezug auf Hrodgar übersetzt habe, ohne seines Königs Hülfe), lange Zeit Trübsal erlitten habe. Diese Trübsal beziehe ich auf Grendels Unthaten, welchen Beowulf ein Ziel setzte.
Im Gadem jung,   den Gott aussendete
Einem Volk zum Troste.   Er sah die furchtbare Noth,

15   Die es lange gelitten,   denn leider konnt ihm
Sein König nicht helfen:   da gab der Herr des Lebens
Der aller Wunder waltet,   ihm weltliche Ehre.
Berühmt ward Beowulf:   der Ruf drang weithin
Des Nachkommen Schilds   in den ScheidelandenZ. 19. Scheidelande = Skedeland = Skandinavien. Vgl. Bouterweck a. a. O. 67. Man wird an die vagina gentium des Jornandes erinnert. .
20   So soll ein Kriegsfürst   die Kleinode brauchen
Zu vollen Festgaben   an des Vaters Busen schon,
Daß ihm im Alter   dereinst verbleiben
Frohe Gefährten,   und wenn Fehde sich hebt,
Ihn Leute geleiten.   Mit Lobthaten mag
25   Ein Jüngling gedeihen   in jeder Sippe.

Schild aber schied   zur Schicksalstunde:
Viel versucht fuhr er   in den Frieden Gottes.
Da brachten alsbald ihn   ans brandende Ufer
Die süßen Gesinden   wie er selber gebeten,

30   Als des Worts noch waltete   der Wirth der Schildinge,
Der liebe Landesfürst;   lange besaß ers.
Da ruhte bereit   der geringte Steven
Zu eiliger Ausfahrt,   des Edlings Fahrzeug.
Die Leute legten   den geliebten König,
35   Den Schatzspender   in des Schiffes Busen,
An den Mast den Mächtigen.

                                                Da war Menge der Schätze
Viel fernen Küsten  entführter Schmuck.
Nie sah man schöner   ein Schiff gerüstet

40   Mit kampflichen Waffen   und Kriegsgewanden,
Borten und Brünnen.   Ihm am Busen lagen
Viel köstliche Kleinode,   die den König sollten
In der Wogen Gewalt   weithin begleiten.
Sie rüsteten den Recken   nicht mit geringerm Gut,
45   Mit schlechterm Geschmeid,   als er geschmückt war einst,
Da er zu Anfang   ausgesendet worden
Allein über Meer,   der ungeborene.
Ein golden Banner   banden sie ihm
Hoch zu Häupten,   und hießen die Woge,
50   Das Meer ihn tragen.   Ihr Gemüth war traurig,
Ihr Sinn voll Sorgen.   Nicht sicher mögen
Nun Menschen melden,   Männer des Raths,
Helden unterm Himmel,   wer die Hab empfieng.
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