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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 29
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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25. Betrachtungen.

              »Manchmal dem Mann   von mächtgem Geschlecht
Gewährt er willig   Wunsch und Belieben,
Gönnt ihm zum Erbe   der Erde Wonne
Und herrlich zu halten   die Hortburg der Männer;
5   Seiner Gewalt unterwirft er   der Welt Gebiete,
So weite Reiche,   daß er selber nicht weiß
In seinem Unverstand   ein Ende zu erdenken.
Er lebt im Genuß;   mit Nichten quält ihn
Alter noch Siechthum;   das sorgende Gewißen
10   Beschwert ihm den Sinn nicht,   noch scheint ihm von Waffenhaß
Ein Angriff zu drohen,   da sich all die Welt
Nach seinem Willen wendet.   Er weiß von keinem Uebel
Bis ihm im Innern   der Uebermuth
Wächst und wuchert,   da der Wächter schlummert,
15   Der Seele Hirte;   sein Schlaf ist allzufest
Durch Bannspruch gebunden.   Bald ist der Mörder nah,
Der von der Armbrust   mit Unthaten schießt.
Dann wird er im Herzen   unterm Harnisch getroffen
Mit bitterm Bogenschuß.   Er birgt sich vor Freveln
20   Nicht mehr nach dem Willen   des wüsten Geistes.
Ihm wiegt zu leicht nun   was er lange beseßen;
Gramherzig giert er,   in Großmuth nicht mehr
Spendet er Spangen;   sein spätestes Looß
Vergißt er, missachtend   was Gott ihm verlieh,
25   Der aller Wunder waltet,   der Würden vollen Theil.
Oft dann ereignet sichs   zur Endezeit,
Wenn der Leichnam erliegt   und des Lebens ledig
Athemlos umfällt,   daß ein Andrer zugreift,
Der unbekümmert   die Kleinode schwendet,
30   Des Edlings alte Schätze,   des ersten Eigners spottend.
Birg dich vor solcher Bosheit,   Beowulf, Geliebter,
Erster der Männer,   und das Edlere wähle,
Ewiges Heil!   Uebermuth meide,
Bester der Kämpen!   die Blüthe deiner Kraft
35   Währt eine Weile nun:   es wird ein Tag sein,
Da scheidet dich Schwert   oder Siechthum von Kräften,
Oder Feuersflammen   oder Flutenwallen,
Oder Dolchesgrimm   oder Geeresflug,
Oder übles Alter,   oder der Augen Licht
40   Schwindet und schwärzt sich:   schnell denn ergehts,
Du Trost der Tapfern,   daß der Tod dich bewältigt.
So hab ich der Hringdänen   hundert Halbjahre
In der Welt gewaltet,   und sie wehrlich beschirmt
Vor der Mächte mancher   in diesem Mittelkreiß
45   Mit Schwertern und Schäften,   daß ich schier mir keinen
Widersacher wähnte   unter der Wölbung des Himmels;
Aber Andres viel   in meinem Erbsitz erfuhr ich,
Jammer nach Jubel,   seit Grendel hier,
Der alte Erbfeind,   mein Einwohner ward.
50   Seit seiner Heimsuchung   beschwerte mich Nacht und Tag
Das herbste Herzeleid.   Dem Herrn sag ich Dank,
Dem ewigen Trost,   daß ich den Tag erlebte,
Da ich dieß blutige Haupt   erblicken durfte
Mit eigenen Augen   nach dem alten Leid.

55  

»Geh nun zum Sitze,   genieß des Gastmals Lust
Durch Sieg beseligt.   Uns sei der Kleinode
Menge gemein,   wenn der Morgen kommt.«

Hin gieng der Geate   sogleich mit Freuden
Den Sitz zu suchen   wie der Saalherr gebot.

60   Da ward wie zuvor   von den Fehdeberühmten,
Die im Hause saßen   heiter gesprochen
Mit neuer Stimme.

                                Der Nachthelm dunkelte
Schwarz über der Schar.   Die Schnellsten erhoben sich:

65   Zu Bette wollte   der bleichgelockte
Greise Schilding,   da auch den Geaten sehr,
Den berühmten Recken,   zu ruhn verlangte.
Da wies ein Kämmerling   den kampfmüden,
Fernher gefahrnen   sofort hindann,
70   Der ihm mit Ehrfurcht   Alles besorgte
Nach des Degens Bedürfniss,   was zu dieser Stunde
Ein Heerkampfgänger   erheischen mochte.
Da ruhte sich der weitherzge.   Das gewölbte Gemach
Erglänzte goldbunt,   der Gast schlief darin
75   Bis von des Himmels Heitre   herzfroh der schwarze
Rabe verkündete,   es komme das Licht,
Die Schatten zu scheuchen.

                                              Die Schnellen eilten.
Die Recken rüsteten sich,   zurück alsbald

80   Zu ihrem Volk zu fahren.   Bald dachte fort von da
Der kühnherzge Kämpe   den Kiel zu leiten.
Da hieß der Hehre   den Hrunting bringen
Dem Sohn des Ecglaf,   gab das Schwert ihm zurück,
Das löbliche Eisen,   für das geliehne dankend.
85   Er zähl' es für gut   und zuverläßig,
Im Kampfe kräftig;   mit keinem Worte schalt er
Des Stahles Schneide:   das war ein stolzer Mann!

Da nun reisefertig   in den Rüstungen standen
Die Geaten, da gieng   der Gute dahin,

90   Die Dänen zu ehren,   wo der Andre war,
Der erhabene Held:   von Hrodgar nahm er Urlaub.
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