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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 28
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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24. Heremod.

                Beowulf sprach,   der Geborne Ecgtheows:
»Diese Seegaben bringen wir,   o Sohn Healfdens,
Der Schildinge Fürst,   dir fröhlich hieher,
Unsres Ruhmes Zeichen   und Zeugen, schau!
5   Ich setzte unsanft   daran das Leben:
Unterm Waßer wagt' ich   gewaltigen Streit
Nicht sonder Beschwer;   mir wäre schier der Kampf
Zum Unglück ergangen,   wenn Gott mich nicht schirmte.
Mit Hrunting vermocht ich   in dem Handgemenge
10   Nur wenig zu wirken,   wie gut die Waffe war;
Doch würdigte mich   der Welten Berather,
Daß ich schimmernd sah   an der Saalwand hangen
Ein altedel Schwert   (wohl öfter wies Er
Unberathne zurecht):   ich riß herab das Waffen.
15   Da erschlug ich im Streit,   denn so schien es mir Noth,
Die Hirten des Hauses.   Bis ans Heft war das Schwert
Das ich brauchte, verbrannt,   wie das Blut hervorsprang,
Der heißeste Heerschweiß.   Die Hilze hab ich
Den Feinden entführt,   und die Frevel gerächt
20   Wie es ziemte, der Dänen   tödtliche Qual.
So verheiß ich dir denn,   daß du in Heorot magst
Nun sorglos schlafen   mit der Schar des Geleits
Und ein Jeder der Degen   deines Gefolges,
Der Jugend und Tugend;   du hast jetzt nicht zu fürchten,
25   Schutzherr der Schildinge,   von solcher Gefahr
Der Gefährten Fall,   wie du früher mustest.«

Da ward die goldne Hilze   dem greisen Helden,
Dem haargrauen Heerfürsten   in die Hand gegeben,
Der Enzen Altwerk:   zum Eigenthum ward es

30   Nach der Teufel Fall   dem Dänenkönig,
Das Werk der Wunderschmiede,   da diese Welt verließ
Der Gegner Gottes,   der grimm geherzte,
Nach so manchem Mord,   und seine Mutter auch.
Gewaltig ward sein   der Weltkönige
35   Allerseligster   zwischen den Seen beiden,
Die je Schätze vertheilten   in den Scheidelanden.

Da hub Hrodgar an,   als er die Hilze schaute,
Das alte Erbstück,   an dem der Ursprung geschrieben stand
Der frühsten Feindschaft;   die Flut verschlang hernach,

40   Die Gott ergoß,   der Giganten Geschlecht,
Dem es furchtbar ergieng.   Es war ein fremdes Volk
Dem ewigen Herscher:   den Endelohn gab ihm
Durch des Waßers Wallen   der Waltende drum.
So war auf der Leiste   in lichtem Golde
45   Mit Runstäben   richtig verzeichnet,
Gesetzt und gesagt,   wem das Schwert zu Lieb,
Der Eisen edelstes,   zuerst gewirkt ward,
Das wurmbunte mit gewundner Hilze.   Der Weise sprach,
Der Sohn Healfdens, es schwiegen alle:

50  

»Wohl mag das rühmen,   der immer Recht und Wahrheit
Im Volke förderte,   und der Vorzeit gedenkt,
Ein alter Erbwart,   daß dieser Edeling
Ein Beßrer geboren ward.   Beowulf, mein Freund,
Ueber weite Wege   ist dein Werth erhöht,

55   Ueber alle Völker.   Du vereinst verträglich
Gewalt und Weisheit.   Meine Liebe widm ich dir
Treulich, wie wir sprachen.   Der Trost sollst du sein
Noch lange Zeit   deinen Leuten all,
Deiner Helden Hülfe.   Nicht war Heremod so
60   Der Schildinge Beistand,   der Gebornen Ecgwelas:
Nicht zur Lust erwuchs er,   zum Leichenfall nur
Und zur Todesqual   den Dänenleuten.
In Tollmuth vertilgt' er   die Tischgenoßen,
Die Achselgestalden,   bis er einsam scheiden muste,
65   Der erhabene Herscher   dem Heldenjubel fern,
Obschon ihn durch Machtwonne   der milde Gott
Ueber alle Helden   einzig erhoben
Und weithin gefördert.   Da wuchs ihm aber
Nur Blutgier im Busen.   Bange gab er nie
70   Den Dänen nach Verdienst,   ein traurig Leben führt' er
Bis er seines Wüthens   Wirkung erfuhr,
Daß ihn die Leute ließen.   Das nimm zur Lehre dir,
Und gedenke der Milde.   Dieser Märe hab ich dir
Erwähnt, durch Winter klug.   Ein Wunder ist es,
75   Wie der mächtige Gott   dem Menschengeschlecht
Weisheit spendet   mit weitspähndem Blick,
Habe und Herschaft,   denn das hat er Alles.
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