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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 27
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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23. Grendels Haupt.

                        Unschwer ward es ihm   wieder aufzustehen:
Da sah er unter Waffen   eine sieghafte Barte
Von tüchtiger Schneide,   ein Schwert der Riesen,
Aber der Kämpen Zier,   eine Krone der Waffen;
5   Nur war es zu wuchtig   als daß jedweder es
Beim Schwerterspiel   zu schwingen vermöchte,
Das gut und gründlich   von Giganten gewirkte.
Schon faßte die Hilze   der Fürst der Schildinge:
Herb und heergrimm   das Heftschwert schwang er
10   Wie am Leben verzweifelnd   mit zornigem Schlag,
Daß er hart sie hier   am Halse verletzte,
Und die Beinringe brach.   Die Barte durchsauste
Der Verfehmten Fleisch:   sie fiel zu Boden.
Die Waffe war blutig,   des Werkes froh der Held.

15  

Die Lohe leuchtete:   licht ward es innen
Eben wie vom heitern   Himmel scheint
Die Leuchte der Lüfte.   Entlang der Halle blickt' er:
Da wandte sich zur Wand,   die Waffe erhebend,
Die harte bei der Hilze,   Hygelaks Degen

20   Wild und verwogen.   Die Waffe deuchte
Den Helden herrlich.   Hastig sollte sie
Nun Grendeln vergelten   die grimmen Thaten,
Die er weiland gewirkt   an den Westdänen
Um Manches öfter   denn zu Einem Male,
25   Wenn er Hrodgars herrliche   Heerdgenoßen
Erschlug im Schlummer;   denn der Schlafenden schlang er
Des Dänenvolkes   oft funfzehen Männer;
Aber auswärts führt'   er noch funfzehn andre
Zu leidvoller Beute.   Das lohnt' ihm jetzt
30   Der stolze Streiter,   als er starr auf dem Ruhbett
Und leblos Grendeln   liegen sah
Des Kampfs nicht mehr kundig,   der des Kampfes Entscheidung
Erhielt in Heorot.   Hin sprang der Leichnam,
Als er schon verendet   noch den Schwang empfieng,
35   Den scharfen Schwerthieb;   er schlug das Haupt ihm ab.

Derweil gewahrten   die weisen Recken,
Die oben mit Hrodgarn   hinsahn auf das Moor,
Daß trüb die Flut   sich färbte vor ihnen,
Die Brandung blutroth ward.   Von dem Biedern sprachen da

40   Untereinander   die altergrauen,
Nun erhofften sie des Helden   Heimkehr nicht mehr,
Daß er dem erfahrnen Fürsten   ein freudiger Sieger
Noch wiederkehre,   denn es wär ein Zeichen,
Daß er erwürgt wäre   von der Wölfin der Brandung.

45  

Die None war gekommen:   die Klippen verließen
Die schnellen Schildinge:   es schied von dannen
Der Goldfreund der Männer.   Die Gäste saßen noch,
Des Muths ermangelnd   auf das Moor zu starren,
Wusten und wähnten nicht,   daß sie noch wiedersähen

50   Den holden Herrn.

                                  Dem Helden begann indes
Das Schwert zu schwinden   von der Erschlagenen Blut,
Das wohlgewetzte.   Ein Wunder war es,
Wie es all zerschmolz   dem Eise gleich,

55   Wenn des Frostes Feßel   Allvater löst
Und die Wogen entbindet,   der da Gewalt besitzt
Der Weiten und Zeiten:   das ist der wahre Schöpfer!

Dem Waßersaal entführte   der Wedergeaten Fürst
Nicht mehr der Kleinode,   wie manche da waren,

60   Als das Haupt allein,   und die Hilze des Schwertes,
Das schatzgeschmückte.   Das Schwert war geschmolzen,
Die Barte verbrannt,   denn das Blut war heiß,
So giftig der Gast,   der den Geist vor ihm aufgab.

Auf schwamm nun stracks,   der im Streit zuvor

65   Der Feinde Fall erharrt.   Die Flut empor giengs.
Gesäubert hatt er   die Seestrecken all
Und die weite Wohnung,   wo der widrige Gast
Nun die Lebenstage ließ,   die geliehne Welt.

Da kam an die Küste   der Kielführer Helm

70   Stolzlich geschwommen,   der Seebeute froh,
Der mächtigen Bürde,   die er mit sich trug.
Entgegen gieng ihm   und dankte Gott für ihn
Die hohe Heldenschar   ihres Herren froh,
Daß sie gesund ihn sehen   sollten aufs Neu.
75   Dem Hurtigen wurde   da Helm und Brünne
Sogleich gelöst:   das Waßer lief herab,
Die blutgefärbte   Flut in Strömen.

Nun fuhren fort von da,   die Füße gebrauchend
Mit erheiterten Herzen   den Heerweg meßend,

80   Die bekannte Straße,   die kühnen Männer.
Von der Waßerklippe trugen sie   des Widrigen Haupt.
Doch ihrer Einem   wär es allzuschwer
Der kräftigen Kämpen.   Es konnten viere
Nur mühsam tragen   auf der Todtenstange
85   Grendels Haupt   zu der Gabenhalle
Bis jetzt auf einmal   hinein den Saal
Die frommen Fahrtschnellen   vierzehn kamen,
Die Geaten, gegangen;   auch gieng ihr Führer
In ihrer Mitte muthig   durch die Methgefilde.

90  

Da kam der Edlinge   Obherr gegangen,
Der werkkühne Recke,   der des Ruhms gewürdigte,
Der kampfgrimme Held,   Hrodgarn zu grüßen.
Beim Haare ward   in die Halle getragen
Grendels Haupt,   wo die Helden tranken,

95   Den Männern furchtbar   und den Frauen noch mehr;
Seltsamen Anblick   ersahn sie Alle.
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