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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 26
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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22. Der Meersaal.

            Beowulf sprach,   der Geborene Ecgtheows:
»Gedenke nun, Healfdens   erhabner Sohn,
Erfahrner Fürst,   da ich zur Fahrt bereit bin,
Goldfreund der Männer,   was wir gestern sprachen:
5   Wenn ich in deiner   Bedrängniss sollte
Das Leben verlieren,   du wolltest lebenslang
Mir Heimgefahrenen   an Vaters Stelle sein.
Sei nun Schutz und Schirm   der Schar meiner Degen,
Meiner Kriegsgefährten,   wenn der Kampf mich hinnimmt.
10   Die Schätze sende,   die ich geschenkt erhielt,
Dem Hygelak hin,   Hrodgar, Geliebter,
Daß an dem Gold erkenne   der Geaten Obherr,
Hredels Sohn schaue,   wenn er den Schatz bewundert,
Welch einen guten   und gabenmilden
15   Hortspender auch hier   ich hatte, weil ich lebte.
Aber Hunferd habe,   der hochberühmte,
Zum Ersatz das Schwert   mit scharfer Klinge,
Das alte Erbstück,   da Ich mit Hrunting
Mir Ruhm erringe,   mich raffe denn der Tod.«

20  

Mit Eifer beeilte sich,   da er also geredet,
Der Wedergeaten Fürst,   er wollte nicht erst
Die Antwort abwarten.   Den Edling empfieng
Das Brandungswallen.   Es braucht' einen Tag,
Da konnt er den Grund   erst erkennen des Meers.

25   Sofort erfuhr es   die der Fluten Reich
Seit hundert Halbjahren   haßvoll bewohnte,
Die grimmgierige,   daß gern der Männer Einer
Das Erbe der Unholde   ausgeforscht hätte.
Sie griff ihm entgegen,   in greuligen Klauen
30   Faßte sie den Fürsten;   doch verfieng das nicht,
Seinen Leib zu verletzen:   ihr ließ es nicht zu,
Daß sie das Kriegskleid   durchkrallen mochte
Mit feindlichen Fingern,   die geflochtene Brünne.
Die Seewölfin brachte,   als sie den Boden fand,
35   Zu ihrer Halle hin   den Helden im Kriegsgewand,
Daß er nicht mochte,   wie muthig er war,
Seiner Waffen walten.   Viel Wundergeschöpfe
Setzten im Sund ihm zu;   der Seethiere Manches
Hatte mit Hauzähnen   seinen Harnisch zerbrochen,
40   Den Armen geängstet.

                                        Der Edling sah sich jetzt
Er wuste nicht in welcher   Wohnung des Abgrunds.
Hier mochte das Meerwaßer   nicht mehr ihm schaden:
Ein Dach überdeckt' ihn,   daß er unbedrängt verblieb

45   Von der Flut Gefahren.   Ein Feuer sah er auch
Mit bleichem Lichte   leuchten und scheinen.
Dabei erblickt er   die Brandungswölfin,
Das mächtige Meerweib.   Muthig erhub er
Kampf mit dem Kriegsschwert,   und barg die Klinge nicht.
50   Die geschwungene Schneide   sang ihr ums Haupt
Ein grausig Kampflied.   Da erkannte bald der Gast,
Daß seine blinkende Waffe   nicht beißen wollte,
Ihr Leben verletzen:   es verließ die Schärfe
In der Gefahr den Fürsten,   die zuvor doch manches
55   Handgemenge ausgehalten,   oft Helm und Kampfkleid
Getrennt dem Todgeweihten;   dem theuern Kleinod
Geschah es zum erstenmal,   daß seine Macht erlag.

Doch verblieb starkmüthig,   zum Streit nicht läßig,
Des Heldenruhms gedenk,   Hygelaks Neffe.

60   Er warf das Waffen hin,   das schmuck gewundene,
Der unmuthge Edling:   an der Erde lag es
Mit der stählernen Klinge.   Seiner Stärke vertraut er nur,
Dem harten Handgriff.   So soll der Held thun,
Wenn er im Wehrkampf   zu gewinnen denkt
65   Langwährend Lob,   nicht ums Leben sorgen.
Bei der Achsel erfaßte,   Gefahr nicht scheuend
Der Geaten Gönner   Grendels Mutter.
Der Kampfkühne schwenkte,   ihm kam nun der Zorn,
Die furchtbare Feindin:   sie fiel zu Boden.
70   Doch hatte sie hurtig   ihm Handlohn gereicht
Mit grimmen Griffen   ihm entgegen drängend.
Streitmüde strauchelte   der Streiter Gestrengster
Im Fußkampfe,   daß er zu Falle kam.
Da saß sie auf den Saalgast,   zog ihr Schwert hervor,
75   Das breite braunschneidige,   den Gebornen zu rächen,
Den einzigen Absproß.   Doch auf der Achsel lag ihm
Das geflochtene Brustnetz:   das barg sein Leben,
Und wehrte der gewetzten   Waffe den Eingang.
Gesunken wäre da   der Sohn Ecgtheows
80   Unter den großen Grund,   der Geatenkämpe,
Hätte nicht die Brünne   den Biedern geschirmt,
Das harte Heernetz,   und der heilige Gott,
Der des Waffensiegs waltet,   der weise König,
Der Himmel Berather,   der nach dem Recht entschied.
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