Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl Simrock >

Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 25
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

21. Hrunting.

        Beowulf entgegnete,   der Geborene Ecgtheows:
»Faße dich, weiser Fürst!   Mehr frommt es Jedem,
Den Freund zu rächen   als ihn viel zu betrauern.
Von Uns muß Jeder   das Ende erwarten
5   Dieses weltlichen Lebens:   wirke, ders vermag,
Großthaten vor dem Tode:   das taugt dem Helden,
Dem ausgelebten   dereinst am Meisten.
Erhebe dich, Reiches Hirt!   Laß uns hurtig fahren,
Daß wir die Gangspur schauen   von Grendels Mutter.
10   Das schwör ich dir, sie soll   nicht Schutz vor mir finden
In der Erde Busen   noch in des Berges Holz,
Noch des Weltmeers Grund,   wo sie ihn suchen mag!
Gedulde dich   nur diesen Tag noch
Wie weh dir werde:   das erwart ich von dir.«

15  

Der Greis erhob sich   und sagte Gott den Dank,
Dem erhabenen Herscher,   für des Helden Gelöbniss.
Da wurde Hrodgarn   der Hengst gezäumt,
Mit der gewundnen Mähne.   Der weise Fürst
Ritt gerüstet heran;   die Reckenschar folgte.

20   Unterm Lindenschild.   Die Laufspur war
In den Waldwegen   weithin sichtbar:
Sie gieng über die Gründe   und grad hinaus
Ueber das düstre Moor:   den Degen hatte sie
Seelenlos mitgeschleppt,   den allerseligsten,
25   Deren die bei Hrodgar   ein Heim besaßen.

Da übereilte   der Edlinge Sproß
Steile Steingehänge   auf schmalen Steigen,
Engen Einpfaden,   unkunden Wegen,
Niedergeneigten Klippen,   von Nichsen bewohnt.

30   Er ritt mit wenigen   der weisen Männer
Allein voraus,   das Erdreich zu erforschen,
Bis er auf einmal   überwachsen sah
Den grauen Stein   von starrenden Bäumen,
Wonnelosem Wald.   Ein blutig Waßer stand
35   Trübe drunter.   Den Dänen allen ward,
Den werthen Schildingen,   wehe zu Muthe,
Als das erdulden sollte   der Degen so mancher
Was Allen unerhört schien,   da sie Aeskhers Haupt
Hier an der Holmklippe   haften sahen.
40   Das Volk sah von Blut   das Fennmoor wallen,
Von heißem Herzsaft.   Ein Horn sang zu Zeiten
Ein schaurig Sterbelied.   All die Schar saß nieder.
Sie sahn im Waßer   Wurmgeschlechter viel,
Seltsame Seedrachen   sich im Sumpfe tummeln
45   Und an der Klippen Nasen   die Nichse lauern,
Die oft zur Underzeit21, 46. Underzeit pflegt sonst die Nachmittagsstunde zu bedeuten; hier zielt es eher auf eine spätere Tageszeit.   sich zur Ausfahrt rüsten,
Zu sorgvoller Reise   auf der Segelstraße.
Hinweg floh Gewürm   und wild Gethier
Erbost und erbittert   als sie das Blasen hörten,
50   Das Heerhorn gellen.   Der Geatenfürst
Schied ihrer Einen   mit der Armbrust vom Leben
Im Wogenwälzen:   in der Weiche stand ihm
Das scharfe Geschoß.   Zum Schwimmen war er
Nun langsamer,   da sein Leben hinschwand.
55   Schnell in der See jetzt   mit Sauspießen,
Mit harschhackigen,   ward er hart bedrängt,
Und wie starr er sich sträubte   an den Strand gezogen,
Der wunderliche Wogner.   Die Wehrmänner beschauten
Den grausigen Gast.

60  

                                    Nun gürtete sich Beowulf
Sein Kriegskleid rasch,   unbekümmert um sein Leben.
Die handgeflochtene   Heerbrünne sollte
Die weite, wunderbunte,   die Wogen erforschen,
Die Brust und Gebein   ihm bergen konnte,

65   Daß kein boshafter Biß   ihm den Busen treffe,
Arglistig verletzend   am Leben schade.
Das Haupt der Helm ihm   der helle wahrte,
Womit er die Moorgründe   durchmeßen sollte,
Das Schaumgewühl suchen   im Schmuck der Kleinode.
70   Ihn umfiengen Fürstenketten,   den in der Vorzeit Tagen
Ein Waffenschmied gewirkt,   ihn mit wunderbarer Zier,
Mit Eberbildern schmückend,   daß seit der Stunde
Ihn Beil noch Barte   mehr beißen konnte.
Auch nicht die mäßigste   Machtstütze war es,
75   Die ihm Hrodgars Herold   herlieh zur Noth.
Hrunting geheißen   war das Heftschwert mit Namen,
Eins der alten   ererbten Kleinode.
Mit Gift befeuchtet   war die glänzende Schneide
Und in Heerschweiß gehärtet.   Es hatte nie im Kampf
80   Den Tapfern getrogen,   der es trug in der Hand,
Wie grausigen Gang   er zu gehen wagte
Im Volk der Feinde;   es förderte jetzt
Kühne Kraftthat   keineswegs zuerst.
Der arbeitkräftige   Ecglafssohn.
85   Gedachte des nicht mehr   was er damals gesprochen
Von Weine trunken,   nun er die Waffe herlieh
Dem stärkern Streiter:   an seiner Statt sein Leben
Wollt er nicht wagen   im Gewühl der Flut,
Sich der Kämpenschaft erkühnen:   so kam er um den Ruhm
90   Hohen Heldenthums;   da behielt ihn der andere,
Der sich zur Reckenthat   gerüstet hatte.
 << Kapitel 24  Kapitel 26 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.