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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 24
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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20. Das Moor.

        Hrodgar versetzte,   der Schildinge Helm:
»Laß Mein Ergehen:   der Gram ist erneut
Den Dänenleuten.   Todt ist Aeskher,
Irmenlafs   älterer Bruder,
5   Mein Redegeselle   und Rathgeber,
Mein Achselschirm,   so oft wir im Kampf
Die Häupter hüteten,   wenn im Heldenstreit
Die Eber ächzten.   So edelgut
Wie Aeskher war,   sollten immer Helden sein.
10   Ihn hat in Heorot   hingewürgt
Ein irrer Unholdgeist,   mir ahnt nicht welcher!
Seiner Aesung stolz   ist er umgekehrt
Durch Todtschlag getröstet.   Die That wollt er rächen,
Daß du gestern Nacht   Grendeln niederrangst,
15   Ihn heftig haltend   in harter Umklammerung,
Der zu lange schon   meiner Leute Zahl
Mordend minderte.   Jetzt must er erliegen,
Des Todes schuldig.   Aber schau, ein Andrer kam,
Ein gewaltiger Wütherich,   den Verwandten zu rächen
20   Der führt die Fehde   nun fort, die alte,
Wie dieser Degen   Manchen bedünken mag,
Der seinem Gabengeber   gerne beweinen hilft
Dieß herbe Herzeleid.   Diese Hand ward schwach,
Die jeglichen Wunsch   euch gewähren möchte.
25   Verlauten ließen sich   Landleute wohl,
Diesen Saal berathend   sagten sie mir,
Sie hätten gesehen,   wie solche zwei
Mächtige Markgänger   die Moore hüteten,
Unkunde Gäste:   Der Eine war,
30   Wie sie gewiss   zu wißen vermeinten,
Einem Weibe gleich;   doch ganz wie ein Mann trat
Das andere Ungethüm   die einsamen Wege,
Nur daß er menschlich Maß   mächtig überragte.
Grendel nannten ihn   die Gaubewohner
35   Seit vielen Jahren.   Seinen Vater weiß man nicht,
Noch ob ihnen irgend   Einer verwandt sei
Der dunkeln Geister.   In Düsterniss
Bewohnen sie Wolfsschluchten,   windige Klippen,
Das fahrvolle Fennmoor,   wo in Felsenströmen
40   Unter nächtlichen Klüften   niederstürzt die Flut,
Den Werder unterwühlend.   Nicht weit ists von hier
Nach der Meilen Maß,   wo der Moorgrund steht;
Unheimlich hängt   ein Hain darüber
Mit gewaltigen Wurzeln   das Waßer überhelmend.
45   Ein schauerlich Wunder   schaut man allnächtlich da:
In der Flut ist Feuer.   Doch so erfahren lebt
Der Menschen Keiner,   der das Moor ergründet hat.
Wenn von Hunden gehetzt   auch der Haidestapfer,
Der hornstarke Hirsch   den Holzwald sucht,
50   Das Leben läßt er,   wie lange verfolgt,
Doch eher am Ufer,   als er darinne
Sein Haupt behütete:   so ungeheuer ist es dort,
Wo wider die Wolken   der Wogen Gemenge
Starr emporsteigt   und der Sturm sich austobt
55   In leiden Gewittern,   daß die Luft sich verhüllt
Und die Himmel weinen.

                                          »Nun ist Hülfe wieder
Allein bei dir.   Den Ort noch kennst du nicht,
Die furchtbare Stätte,   wo du finden magst

60   Den sündvollen Wicht.   Such ihn, wenn du's wagst.
Ich will dir den Kampf   mit Kleinoden lohnen,
Mit altem Erbgut,   wie ichs ehe that,
Mit gewundenem Golde,   wenn du wiederkehrst.«
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