Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl Simrock >

Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 23
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Grendels Mutter.

19. Neue Fehde.

        Sie sanken in Schlaf.   Aber sauer entgalt
Der Abendruh Einer,   wie es öfter geschehen war,
Seit den Gabensaal   Grendel heimgesucht,
Unthaten übend   bis ihm sein Ende nahte,
5   Der Tod nach den Sünden.   Doch ersichtlich ward nun,
Den Recken weithin ruchbar,   daß ein Rächer noch
Den Leidigen überlebte   nicht unlange Zeit
Nach dem grimmen Kampfe,   da nun Grendels Mutter,
Die üble Unholdin,   ihres Elends gedachte,
10   Sie, die den Waßergraus   bewohnen muste,
Die kalten Ströme,   seit Kains Zeit,
Der den einzigen   Bruder umbrachte,
Seines Vaters Sohn.   Er floh mit Blut befleckt,
Als Mörder gebrandmarkt,   der Menschen Jubel
15   Und wohnte in der Wüste.   Ihm entwuchsen viel
Unselge Geister:   deren war Grendel Einer
Der häßliche Heerwolf.   In Heorot fand er
Einen wachsamen Kämpen   seines Kampfes warten.
Als ihn der Unhold   anzugreifen kam.
20   Stäts gedachte der Starke   seiner Machtgestrenge,
Der großen und grimmen,   die Gott ihm verliehen;
Auf ihn hatt er allein   als Anwalt vertraut,
Als Schützer und Schirmer:   so besiegt' er den Feind,
Und neigte den Höllengeist:   gehöhnt must er weichen
25   Theillos der Lust   in die leide Todesstatt,
Der Menschenfeind.

                                    Seine Mutter sollte
Nun gehn, die gierige   mit giftigem Sinn,
Den sorgenvollen Gang,   ihren Sohn zu rächen.

30   Sie kam nach Heorot,   wo die Hringdänen
Im Saale schliefen.   Da geschah alsbald
Der Edlinge Aufruhr,   als herein jetzt brach
Grendels Mutter.   Der Graus war nicht kleiner,
Nicht minder mächtig,   als ein Mädchenheer
35   Weibisch erschrickt   unter bewaffneten Männern,19, 33. Nach anderer Deutung wäre der Graus durch Grendels Mutter geringer gewesen, als der durch Grendel selbst und zwar um ebenso viel als Mädchenkraft geringer sei als die bewaffneter Männer. Hierbei steht ihnen allerdings der überlieferte Wortlaut zur Seite. Ich bin aber Ettmüllers Vermuthung gefolgt, der statt gryre lässa liest näs se gryre lässa: »die Dänen fürchteten sich vor Grendels Mutter ebenso sehr als sich Mädchen fürchten unter kämpfenden Männern.« Mit jenem Satze hätte sich der Dichter nur selber im Lichte gestanden: er würde den Eindruck der nächtlichen Erscheinung der Riesin damit sehr geschwächt haben. Auch zeigt sich später bei dem Kampfe, den Beowulf in der Meerhalle mit ihr zu bestehen hatte, ihre Kraft eher größer als die ihres Sohnes Grendel, denn was dieser nicht vermocht hatte, Beowulf zu Falle zu bringen, das gelingt der furchtbaren Seewölfin, die zuletzt nur durch das alte Riesenschwert bezwungen wird, während gegen Grendel Beowulf alle Waffen verschmäht hatte. Es wäre bei jener Deutung unserer Stelle schon schwer begreiflich, warum Beowulf gegen Grendels Mutter Hunferds Schwert Hrunting zu gebrauchen sich entschloß, nachdem er Grendeln bloß mit der Kraft seines Arms bezwungen hatte.
Wenn mit drohender Schärfe   das doppelschneidige
Hammergehärtete,   herzbluttriefende
Schwert die Schweinbilder   der Helme schartig macht.
Hastig in der Halle   wurden die hartgewetzten
40   Schwerter geschwungen   und tiefer Schilde viel
Hoch erhoben,   und des Helms nicht gedacht,
Noch der blanken Brünne:   so brach der Schreck herein!
Auch Ihr ward Angst;   hinaus wollte sie
Ihr Leben zu retten,   die sich verrathen sah.
45   Aber Einen schon hatte sie   der Edlinge
Fest erfaßt,   eh sie floh in ihr Moor.
Dem Hrodgar war es   der Helden liebster
Seines Gesindes   zwischen den Seen beiden,
Der rasche Randkämpe,   den sie der Rast entriß,
50   Der biedere Held.

                                Nicht war Beowulf dort:
Ein ander Gemach   war ihm eingeräumt
Nach der Hortspendung,   dem hehren Geaten.

Braus war in Heorot.   Sie hatte die blutige

55   Bekannte Hand entführt.   Der Kummer war erneut
In der weiten Wohnung.   Der Wechsel war nicht gut,
Den sie nach zweien Seiten   bezahlen sollten
Mit der Freunde Leben.   Der erfahrne König,
Der haargraue Held   härmte sich übel,
60   Als er den erlauchten Helden   des Lebens beraubt,
Seiner Tapfern theuersten   getödtet sah.

Alsbald zu dem Burgsaal   ward Beowulf berufen,
Der siegreiche Held.   Vor scheinendem Tag
Eilte mit Etlichen   seines edeln Gefolgs

65   Der Kämpe dahin,   wo der König harrte,
Ob ihm der Allwaltende   noch einmal wolle
Nach dem Wehgeschick   Wonne verleihen.

Ueber die Flur gieng da   der Vielversuchte
Mit seinem Handgesinde   (das Saalholz dröhnte),

70   Den weisen Herscher   mit Worten zu erforschen.
Da fragt' er der Ingwine   Fürsten, ob die Nacht
Ihm nicht nach Wunsche   wohl bekommen sei.
 << Kapitel 22  Kapitel 24 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.