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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 22
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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18. Der Könige Gaben.

        Da gieng sie zu den Bänken,   wo ihre Gebornen saßen,
Hredrik und Hrodmund,   bei der Helden Kindern,
Jugend bei Jugend;   auch der Gute saß dort
Bei den Gebrüdern beiden,   Beowulf der Geate.

5  

Ihm brachte sie den Becher   und bat ihn zu trinken
Mit gütlichen Worten,   gewundenes Gold
Ihm artig anlegend,   der Armzierden zwei;
Dazu Hüllkleid und Ringe,   und der Halsbauge grösten,
Davon ich je erfuhr   bei den Völkern der Erde.

10   Nie hört ich unterm Himmel   von herrlicherm
Horte der Helden,   seit Heime forttrug
Zu der blinkenden Burg   der Breisacher Schatz,
Schmuck und Geschmeide.   Den schnöden Haß erwarb er
König Ermenrichs,   erkor ewiges Heil.

15  

Diesen Halsring sollte   Hygelak der Geate,
Darnach genießen,   der Neffe Schwertings,
Hätt er den Schatz beschützt   unterm Schlachtenbanner,
Und dem Walraub gewehrt!   Aber Wurd nahm ihn hin
Als er übermüthig   sein Unglück zu suchen kam

20   In der Friesen Fehde.   Er führte den Schmuck
Mit den blitzenden Steinen   über den Becher der Flut,
Der erlauchte König;   unterm Lindenschild sank er.
Da fiel in der Franken Hand   des Fürsten Leben,
Die Brustbekleidung   und der Baug zumal.
25   Den Walraub nahmen   unwerthere Kämpen
Nach der Schlachtentscheidung,   als die Scharen der Geaten
Das Leichenfeld bedeckten.

                                                Nach dröhnte laut die Halle;
Da redete Wealchtheow   vor den Recken und sprach:

30   »Dieses Baugs gebrauche,   Beowulf mein Lieber,
Mit Heil, o Held,   und dieser Hülle genießend,
Des wonnigen Schmuckes,   wachs und gedeihe;
Mit Kraft bekunde dich   und diesen Knaben sei
Linde mit Lehren;   zu lohnen denk ichs!
35   Du hasts erfochten,   daß dich so fern als nahe
Alle hochgeherzten   Helden nun ehren,
So weit wahrlich   als die windigen Küsten
Umwallt das Weltmeer.   Sei, weil du lebst,
Edeling, glücklich!   Ich gönne dir wohl
40   Das schöne Geschmeide.   Meinen Söhnen sei
Mit Räthen hold   in der Halle Jubel.
Hier sei ein Edling   dem Andern zugethan,
Mild im Gemüth   und dem Mächtigen hold,
Die Degen einig,   alles Dienstvolk willig.
45   Trinkt, ihr Getreuen,   thut wie ich bitte!«

Sie gieng zum Hochsitz;   auf der Höhe war das Mal.
Wein tranken die Werthen,   von Wurd nichts ahnend,
Dem grimmen Geschick,   das ergehen sollte
An der Edeln Einem,   als der Abend kam

50   Und Hrodgar heim   zu seinem Hause gieng,
Der reiche, zur Ruhe.   Die Räume hüteten
Edlinge in Unzahl,   wie sie oft schon gethan.
Sie entblößten die Bankdielen   und breiteten rings
Betten und Polster.   Da bog sich mancher
55   Der raschen Recken   zur Ruhe methschwer.
Zu Häupten legten sie   die lichten Schilde,
Die blanken Borde.   Auf den Bänken ward
Ueber den Edlingen   augenfällig
Der ragende Helm   und die geringte Brünne,
60   Der gewaltige Geer.   So war ihr Gebrauch:
Zum Streite standen   sie stäts bereit
Daheim wie im Heer,   so hier wie dort;
Zu jeglicher Stunde,   wo ihr Stammkönig nur
Dessen bedurfte,   war ihr Dienst ihm bereit.
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