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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 21
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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17. Hengest.

                    »Da wandten sich die Weigande,   die Weiler zu besuchen,
Das freundeberaubte   Friesland zu schauen
Mit Heimen und Hochburg.   Hengest blieb noch
Den leichenfarbnen Winter   mit Finn da wohnen
5   Ohne Verlangen   seines Landes gedenkend,
Obwohl er noch ins Meer   hätte mögen treiben
Den geringten Steven.   Bald stürmte die See
Mit widrigen Winden:   der Winter schloß das Meer
Mit Eisgebinde   bis ein ander Jahr
10   Die Völker erfreute,   wie es noch fürder geschieht,
Wer nur warten will   der Wonnezeit
Und wunderklaren Wetters.   Der Winter war dahin,
Lieblich der Erde Busen:   das lockte den Gast,
Den Fremdling zu fahren;   aber viel genehmer
15   Schien ihm die Rache   als die Seereise.
Zorn und Zwietracht   erzielt hätt er gern,
Daß die Jüten zuerst   den Angriff erführen.
Damit entwich er nicht   der Weltbestimmung,
Als sich ihm Hunlafing17, 19. Hunlafing hatte auch Thorpe für den Namen eines Schwertes genommen. ,   das herrliche Kriegsschwert,
20   Der Barten beste,   in den Busen senkte.
Doch lernten auch andere   der Jüten kennen
So furchtbare Schwerter.   Den Finn erreichte
Das Schwertübel endlich   im eigenen Hause,
Als den grimmen Griff Gudlaf und Oslaf
25   Nach der Flucht über Meer   ihm zum Vorwurf machten,
Als hätt er Antheil daran.   Den eifrigen Muth
Hehlt' er im Herzen nicht.   Da erfüllte die Halle sich
Mit feindlichen Scharen:   erschlagen ward Finn
In seinem Volke, der Fürst,   und die Frau geraubt.
30   Auf Schiffen entführten   der Schildinge Krieger
Alle Eigengüter   des Edelkönigs
Soviel sie fanden   in Finnesburg
Der Münzen und Gemmen.   Auf Meerpfaden brachten sie
Das herrliche Weib   heim zu den Dänen,
35   Zu Land und Leuten.«

                                      Das Lied verhallte,
Des Frohmanns Gesang;   entfeßelt stieg die Lust,
Bankjubel schallte;   die Schenken boten
Wein aus Wunderkrügen.   Da kam Wealchtheow

40   Unter goldnem Reif gegangen,   wo die guten beiden
Bruderssöhne saßen.   Noch war die Sippe ganz,
Einer dem Andern hold.   Auch Hunferd der Sänger
Saß dem Fürsten zu Füßen   und fest vertrauten sie,
Daß er Muth besäße,   ob er schon den Verwandten
45   Im Schwertspiel nicht treu war.   Da sprach der Schildinge Fürstin:
»Empfang den vollen Becher,   mein Fürst und Herr,
Und sei du selig,   Schatzvertheiler,
Goldfreund der Männer.   Zu den Geaten sprich
Mit milden Worten   wie dem Mann geziemt.
50   Sei den Guten gerne   der Gaben gedenk;
Du hast nun Frieden   so fern als nahe.
Man sagte mir, du wollest   wie einen Sohn
Den Recken halten.   Gereinigt ist Heorot,
Der glänzende Gabensaal:   gieb so lang du darfst
55   Deinen Leuten Lohn   und laß deinen Söhnen
Volk und Herschaft,   wenn du von hinnen must
Den Schöpfer zu schauen.   Dem Schutze vertrau ich sie
Meines heitern Hrodulf:   er halt in Ehren
Die freundlose Jugend,   wenn du früher als Er,
60   Du Schirm der Schildinge,   scheidest aus der Welt.
Mir ahnt, daß er einst auch   unsern Söhnen
Mit Güte vergelten wird,   wenn er des Guten gedenkt,
Das wir ihm zu Frommen   und fürstlichen Ehren
Dem Ungebornen   ehmals erwiesen.«
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