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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 18
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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15. Gabenspende.

                      Da hieß man Heorot   hurtig von innen
Säubern und schmücken.   Man sah viel Frauen
Und Männer unmüßig,   die Methhalle
Den Gästen zu zieren.   Goldbunt schimmerten
5   An den Wänden Gewebe,   ein Wunderanblick
Den Leuten, die Solches   zu schauen liebten.
Der blickende Bau   war brüchig geworden,
Ob mit Eisenbanden   innen gefestigt:
Die Angeln zerrißen;   einzig das Dach
10   Noch unversehrt,   weil der Ungeheure,
Der Frevelfrohe,   zeitig die Flucht ergriff,
Am Leben verzweifelnd.   Nicht leicht ist es dem
Zu entsagen gewiss;   versuch es wer will!
Doch sicher wird Jeder   der Seelebegabten,
15   Der Menschensöhne,   ihn müßigt die Noth,
Einst auf Erden suchen   die enge Stube,
Wo sein geliehner Leib   auf dem Lagerbette
Nach dem Zechgelage schläft.

Da war Zeit und Stunde,

20   Daß Healfdens Sohn   zu der Halle gieng,
Wo zum Male möchte   der Mächtige sitzen.
Nie hört ich so häufige   Scharen der Helden
Um den Schatzspender   schöner gebahren.
Da bogen zur Bank sich   die Biedern wohlgemuth
25   Und freuten sich der Fülle.   Freudig empfiengen15, 28 [richtig: 25]. Nach der Erklärung, welche Prof. Dietrich Zeitschr. XI. 413 von fägare giebt, wäre statt freudig empfiengen zu lesen: Es empfiengen geziemend. Daselbst 15, 47 ist auch eine neue Erklärung von faet und faeted gegeben, und jenes mit bractea, Metallplatte, dieses mit bracteatus Goldblechverziert, erklärt, während man letzteres bisher als fett oder feißt verstand. Erst in den folgenden Abschnitten konnte ich hier und da hievon Gebrauch machen. Doch wird der Uebersetzer immer Mühe finden, diesen Sinn in den kurzen Halbzeilen auszudrücken. An dieser Stelle müste man am Kopfgeschirre der Rosse Goldbleche zum Schmuck angebracht denken.
Auch manchen Methkrug   der Männer Gebieter,
Die hochgeherzten,   in dem hohen Saale,
Hrodgar und Hrodulf.   Heorot war innen
Mit Freunden erfüllt.   Auf Falschheit sannen
30   Der hehren Schildinge   Sippen da nicht.

Da bot dem Beowulf   der Geborne Healfdens
Ein gülden Banner   zur Vergeltung des Siegs,
Ein herrlich Heerzeichen,   dazu Helm und Brünne;
Auch ein Kampfschwert, ein köstliches   Kleinod, sah man

35   Dem Biedern bringen.   Beowulf empfieng da
Mit dem gefüllten Becher   die fürstlichen Gaben;
Ihrer durft er sich nicht schämen   vor der Schießenden Volk.
Nicht erfuhr ich, daß freundlicher   vier solche Kleinode
Aus Gold gebildet   ein Biedermann oft
40   Auf der Aelbank   dem Andern schenkte.
Das Helmdach hütete   das Haupt zu schirmen
Ein Eber mit feinen   Fäden bewunden,
Daß nimmer der Feilen   Nachlaß, die Schwerter,
Ihn verschrotend schädigten,   wenn der Schildkühne
45   Entgegengienge   den grimmen Feinden.
Dann ließ ein Achtgespann   der Edlinge Schirm
Feißtwangiger Rosse   in den Vorsaal ziehen,
In die Außenzäune; auf dem Einen lag
Ein schatzbunter Sattel   von schöner Bildung.
50   Der Heerseßel war es   des erhabenen Königs,
Wenn der Schwerter Spiel   zu schlichten gedachte
Healfdens Sproß,   denn an der Spitze ruhte
Des Weitkunden Kampf nicht,   wenn die Krieger fielen.
Dem Beowulf bot da   beider Gewalt
55   Der Ingwine Schutzherr   zu eigenem Frommen,
Der Waffen und Rosse,   daß er sie wohl gebrauche.
So mannlich lohnte da   der mächtige Fürst,
Der Hortwart der Helden,   den heißen Kampf
Mit Schätzen und Schlachtrossen,   wie sie nicht schelten mochte
60   Wer redlich die Wahrheit   zu reden gedachte.
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