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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 17
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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14. Danksagung.

            Hrodgar sprach,   als er zur Halle kam,
An der Schwelle stehend   den stolzen Bau ersah,
Den mit Gold gezierten   und mit Grendels Hand:
»Dieses Anblicks sei   dem Allwaltenden
5   Zuvor Dank gesagt.   Viel Leid erduldet' ich,
Grimmes, von Grendeln!   Aber Gott wirkt immer
Wunder über Wunder,   der Walter aller Herrlichkeit.
Noch unlang ist es,   daß ich mir alle dieses
Wehs nicht wähnte   noch in weiten Zeiten
10   Buße noch Beßerung,   wenn ich blutig stehen sah
Das herrlichste der Häuser   nach der Helden Mord.
Weh überwältigte   die Weisen alle,
Die keine Hoffnung hegten,   daß der Beherzteste selbst
Der Leute Landburg   den Leidigen wehren möchte,
15   Vor Scheusalen schützen.   Schauet, hier wirkte nun
Ein Held ein Heldenwerk   durch des Herren Macht.
Wir alle lebenslang   ließen uns solche
That nicht träumen.   Traun, sie mag sagen,
Welche Maid auch immer   unterm Menschenvolke
20   Diesen Helden gebar,   wenn sie heute noch lebt,
Daß ihr Gott der Gute   sich gnädig erwies
In des Kindes Geburt!   Nun Beowulf, will ich dich,
Hehrster der Helden,   von Herzen lieben
Wie den eigenen Sohn!   Halt in Ehren hinfort
25   Die neue Sippe!   Nichts gebreche dir mehr
Weltlicher Wunschgüter,   deren ich Gewalt habe.

»Oft lohnt' ich reichlich   geringere That
Mit Schatzgeschenken   viel schwächerm Helden,
Der säumiger stritt.   Dir selber hat nun

30   Tapfere That erwirkt,   daß deine Tugend lebt
Immer und ewig.   Der Allwalter möge dir
Mit Güte vergelten   wie bis jetzt er that.«

Da versetzte Beowulf,   der Geborene Ecgtheows:
»Dieß Heldenwerk   hab ich williglich

35   Vollführt im Gefecht,   mich freudig wagend
An des Unkunden Kraft.   Ich kann ihn nicht beschreiben;
Hättest du ihn selber   doch sehen mögen,
In dem schrecklichen Schmuck,   den Schwerzufällenden!
Gern hätt ich ihn hurtig   mit harten Stricken
40   Festgebunden   an sein Todesbette,
Daß er unter den grimmen   Griffen meiner Hände
Sich windend läge und   sein Leben nicht rettete;
Doch vergönnt war mir nicht,   da Gott nicht wollte,
Ihm die Flucht zu wehren.   Zwar faßt' ich nicht leise
45   Den mordlichen Gegner:   aber zu mächtig war
Auf den Füßen der Feind.   Die Faust jedoch hat er
Als Lebenslösung   hier laßen müßen
Mit Arm und Achsel.   Aber einigen Trost
Hat der Wonnelose   nicht gewonnen damit.
50   Nicht länger lebt darum   der Leidanstifter,
Der Schuldbeschwerte:   die schmerzhafte Wunde
Nimmt ihn nun mit scharfer   Nöthigung gefangen
In bittern Banden.   So soll der Bösewicht
Dem großen Gerichte   entgegenharren,
55   Welch Looß ihm verleihe   der erlauchte Schöpfer.«

Stille schwieg nun   der Sohn des Ecglaf,
Ließ den Gelfspruch ruhn   seiner rühmlichen That,
Da die Edlinge selber   des Eorles Kraft
Und die Hand am hohen   Hause ersahen.

60   Vorn war von des Feindes   Fingern ein jeder
An der Nägel Statt   wie von Stahl gebildet,
Des Heiden Handspornen,   die unheimlichen Krallen
Des starken Streiters.   Sie gestanden alle,
Da habe das Härteste   nicht haften mögen,
65   Das edelste Eisen   des Ungethüms
Blutige Kampffaust   nicht brechen können.
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