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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 14
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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11. Nächtlicher Kampf.

                      Da kam vom Sumpfe   im Schleier des Dunstes
Grendel gegangen,   trug Gottes Zorn.
Der Meuchler meinte   der Menschen Einen
Schlau zu beschleichen   im Saale dem hohen.
5   In Wolken watet' er   bis er das Wonnenhaus,
Des Gabengebers   Goldsaal erkannte,
Den kleinodbunten.   Er kam nicht zum Erstenmal
Hrodgars hohes   Haus zu besuchen;
Doch fand er so alt er ward,   früher noch später
10   So harten Helden   als in der Halle diesen.

Vor der Stiege stand   des steinernen Hauses
Der Wonnenverwaiste   und wandte zur Thüre,
Der feuerbandfesten,   die Fäuste sogleich,
Erbrach, der Bösewicht,   so brannt er in Zorn,

15   Des Hauses Eingang;   in Hast dann kam
In die farbige Flur   der Feind geschritten,
Ingrimmig eilend;   von den Augen stand ihm
Der Lohe vergleichbar   ein leidiger Glanz.
In der Halle sah er   der Helden Menge
20   Versammelt schlafen,   der Sippen Friedensbund,
Der Leute Geleit.   Ihm erlachte der Muth:
Zu scheiden wähnt' er   vor scheinendem Tag,
Der üble Unhold,   den Helden allzumal
Leib und Leben;   ihn lockte reichlicher
25   Weide Wahn.   Doch Wurd verlieh ihm nicht,
Daß er mehr als Einen   des Männervolks
Die Nacht genöße.   Der Nothkühne sah,
Hygelaks Verwandter,   daß der Wütherich
Die grimmen Griffe   beginnen wollte.
30   Nicht länger ließ es auch   der Leidstifter anstehn,
Vielmehr erfaßt' er jetzt   zuvörderst Einen
Der Ruhenden und riß ihn   rasch in zwei Stücke,
Zerbiß sein Gebein,   trank das Blut der Adern
Und schlang große Stücke:   schon hatt er ganz
35   Des Leblosen   Leib verschlungen
Mit Füßen und Fäusten.   Und fürder schreitend
Griff er jetzo   nach dem großgeherzten
Recken auf dem Ruhbett;   da reckte die Hand der,
Und faßte mit der Faust den Feind behende,
40   Den arg gesinnten,   auf den Arm gestützt.
Da freilich fühlte   der Frevelstifter,
Daß er mächtigern Mann   in Mittelgart
Noch an allen Enden   der Erde nicht gefunden,
So hart von Handgriff.   Im Herzen wuchs ihm
45   Furcht, er fühlt' es;   doch fort konnt er nicht,
Wie gierig sein Herz   sich zur Hölle sehnte,
In der Teufel Gesellschaft:   sein Tagewerk wollt ihm dießmal
Nicht gelingen   wie immer in alter Zeit.
Denn Hygelaks Heerdgenoß,   der hehre, gedachte
50   Der Abendrede,   eilends erhub er sich
Und faßt' ihm die Fäuste:   die Finger zerbrachen
Dem Riesen, da rückwärts   ihn der Recke stieß.
Da sehnte sich sehr   der sonst Gewaltige,
Das Weite zu gewinnen   und hinweg alsbald
55   In sein Fennmoor zu fliehen:   der Finger Kraft wust er
In des Grimmen Griffen.   Das war ihm ein grauser Gang,
Daß der Harmbringer heute   nach Heorot gekommen war!

Der Degensaal dröhnte;   den Dänen ward,
So viele der Helden   das Haus noch bewohnten,

60   Das Ael verschüttet.   Ingrimmig kämpften
Die herben Hüter:   die Halle schütterte.
Groß Wunder war es,   daß der Wonnesaal
Die Tritte ertrug,   und in Trümmer nicht
Der fürstliche Bau fiel.   Aber fest stand er
65   Innen und außen   mit Eisenklammern
Sorglich umschmiedet.   Doch sank von den Schwellen
Manche Methbank,   wie ich melden hörte,
Mit Gold geziert,   da die Grimmen rangen.
Das wähnten wahrlich nicht   die werthen Schildinge,
70   Daß ein Mann sie möchte,   wie mächtig er wäre,
Wie bös und blutgier,   zum Wanken bringen,
Geschweige zum Falle,   sie schlucke denn Glut,
Flackernde Flamme.   Auffuhr ein Geschrei
So neu und nie erhört,   die Norddänen faßte
75   Schüttelnder Schrecken,   die Scharen der Männer,
Die auf dem Walle   den Wehruf hörten,
Den Gegner Gottes   das Grauslied brüllen,
Den sieglosen Sang,   des Versehrten Jammerlaut.
Er hielt ihn zu fest   in der Haft des Todes,
80   Er aller Männer   machtgestrengster,
Die dieses Lebens   Licht überschien.
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