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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 13
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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10. Gelfspruch10. Unter Gelfspruch im weitesten Sinne versteht das Gedicht jede Ruhmrede z. B. 14, 57; hier aber im engern nur eine solche, welche unmittelbar vor der rühmlichen That sich zu ihr erbietet. Die Erbotworte 25, 21 bedeuten ganz dasselbe. Auch im Waltharius begegnet eine Ruhmrede vor dem Kampfe und der christliche Dichter hat das Bewustsein, daß die Sitte heidnisch ist, denn er läßt seinen Helden sogleich zur Erde fallen und Gott die stolzen Worte abbitten. Wahrscheinlich geht der Gebrauch auf die Gelübde zurück, welche die Heiden nach Helgakw. I auf den Juleber ablegten. Allerdings musten diese Verheißungen nicht sogleich, aber doch innerhalb des eben anbrechenden Jahres erfüllt werden. Wie im Norden auf das Eberhaupt, so wird im Hugschapler auf den Pfau ein Gelübde abgelegt, dessen Erfüllung kaum über Nacht hinausgeschoben bleibt. Auch in Gedichten des Kerlingischen Kreises begegnet die Sitte solcher Ruhmreden und das von Kaiser Karl im Morgenlande (Charlemagne, an anglo-norman poem published by Fr. Michel, London 1836) bewegt sich ganz um dieselbe. .

                  Da gieng Hrodgar   in seiner Helden Geleit
Dahin aus der Halle,   der Hort der Schildinge.
Der Weise wollte   Wealchtheow suchen,
Die Bettgenoßin.   Der Beste der Könige
5   Hatte wider Grendeln   in der Helden Gegenwart
Einen Saalwart gesetzt,   der sich im Sonderdienst
Dem Gebieter der Dänen   erboten zur Riesenhut.

Gänzlich vertraute nun   der Trost der Geaten
Der eignen Heldenkraft   und des Ewigen Huld.

10   Da eilt' er abzuthun   die eiserne Brünne,
Nahm den Helm vom Haupte   und gab das herrliche Schwert,
Den köstlichen Stahl   der Krieger Einem
Und hieß ihn hüten   des Heergeräthes.

Da begann und sprach   diese Gelfrede

15   Beowulf der Geate   eh er das Bett bestieg:
»Nicht geringer rechn ich mich   an Reckenkraft,
An grimmer Stärke   denn Grendel ist.
Drum nicht mit dem Schwert   ihn erschlagen will ich,
Und so sein Leben kürzen,   könnt ich es auch.
20   Er weiß nichts von Waffen,   daß er sie wider mich brauchte,
In den Schild mir schlüge,   obschon er berühmt ist
In widrigen Werken.   Wir werden die Nacht doch
Unsern Streit entscheiden,   wenn er suchen will
Wehr ohne Waffen.   Der weise Gott lege,
25   Der erhabene Herr,   in die Hand des Einen
Macht und Ruhm,   wie es gerecht ihn dünkt.«

Da hüllte der Held sich,   sein Haupt empfieng das Kissen,
Des Edeln Antlitz,   und um ihn beugten sich
Viel schnelle Seehelden   im Saale zur Ruh.

30   Die gedachten da wohl kaum,   daß sie von dannen je
Zum lieben Lande   noch gelangen möchten,
Zu Burg oder Volk,   wo sie geboren waren.
Sie erfuhren ja hier,   daß zu Viele der Tod
In der herrlichen Halle   schon dahin gerafft,
35   Der Dänendegen.   Dennoch beschied ihnen Gott
Das Gewebe des Siegs,   den Wedernleuten:
Er schützt' und schirmte sie,   daß sie den Schädiger
Alle besiegten   durch des Einen Kraft
Und sonderliche Stärke.   So sicher ist die Kunde,
40   Daß der mächtige Gott   der Menschen waltet.

Weiten Weges kam   in wüster Nacht
Der Schattengänger geschritten.   Die Schirmer schliefen,
Die das hornreiche Haus   behüten sollten,
Alle bis auf Einen.   Da ward allwärts kund,

45   Der Grause konnte sie,   da Gott nicht wollte,
Der schreckliche Schädiger   nicht unter Schatten schwingen,
Da der Eine wachend   dem Uebeln Haß trug
Und grimmen Herzens   der Begegnung harrte.
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