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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 12
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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9. Wealchtheow.

              »So haben mich vielfach   die verhaßten Feinde
Bedräut und bedrängt;   doch dient' ich ihnen
Mit dem scharfen Schwerte,   wie es schicklich war.
Sie erfreuten sich nicht   der Fülle der Beute,
5   Die schnöden Verderber,   daß sie mich schmausen durften
Und das Mal umsitzen   im Meeresgrunde,
Sondern am Morgen,   vom Mordstahl getroffen,
Sah man sie rottweis   auf dem Rücklaß der See
Leblos liegen:   die Leidigen wehrten
10   Den Seeseglern   durch die schäumende Flut
Die Reise nicht länger.

                                        »Da kam Licht von Osten,
Gottes blinkendes Zeichen.   Die Brandung legte sich,
Daß ich die Seeküsten   erkennen mochte,

15   Die windreichen Wälle.

                                          »So bewahrt das Schicksal
Den kühnen Kämpen wohl,   wenn seine Kraft nur langt.
Mir war beschieden,   mit dem Schwert zu fällen
Der Nichse neun.   Nie zur Nacht erfuhr ich

20   Unter des Himmels Hälfte   von härterm Gefecht,
Noch mühreichern Männern   in des Meeres Strömen;
Doch entgieng ich den grimmen   Griffen der Feinde
Wie wegemüd ich war,   da die Wogen mich
Fern hin führten   zu der Finnen Landen,
25   Die wallenden Waßer.

                                        »Kein Wort von dir
Wegen solcher Schrecken   hab ich sagen hören,
So bitterm Schwertkampf.   Auch hat Breka nie,
Von euch beiden Keiner   im Kampfspiel je

30   So theuerliche   Thaten vollbracht
Mit des Schwertes Schneide   – ich sag es zum Ruhme nicht –
Obgleich du deiner Brüder   Blut vergoßen hast,
Deiner nächsten Freunde,   wofür du in der Hölle
Verdammniss dulden wirst,   wie doch du witzig seist.
35   Ich sage dir für sicher,   du Sohn des Ecglaf:
Nie hätte Grendel   soviel Graus hier verübt,
Der arge Unhold,   wider euern Gebieter,
Solchen Hohn in Heorot,   wenn das Herz dir wäre,
Der Sinn so schwertgrimm,   wie du selber glaubst.
40   Doch befand er wohl frühe,   daß er die Fehde nicht,
Die üble Schwertkraft   eurer Leute,
Der Siegschildinge,   eben zu scheuen braucht.
Er nimmt sich Nothpfänder,   Niemand scheut er
Der Dänenleute;   nach Lust bekriegt er sie,
45   Würgt und schändet,   keinen Widerstand
Von den Geerdänen fürchtend.   Doch ein Geate soll ihm nun
Kraft und Kühnheit   im Kampfe bewähren
Ganz unerwartet.   Dann eile muthig
Wer mag zum Methe,   wenn das Morgenlicht
50   Ueber die Erdenvölker   andern Tages scheint,
Und die Sonne von Süden,   der schöne Himmelswart.«

Das hörte hochgemuth   der haargraue Schatzspender,
Der erlauchte Kampfheld:   es glaubte der Verheißung
Der Glanzdänen Gebieter:   an Beowulf vernahm

55   So festen Vorsatz   des Volkes Hirte.
Da war Lust und Lachen   und lauter Wiederhall
Wonnesamer Worte.   Wealchtheow gieng umher,
Hrodgars Gemahlin,   des Hofbrauchs gedenk
Und grüßte goldgeschmückt   die Gäste im Saal.
60   Die fröhliche Frau   gab den vollen Becher
Zuerst der Ostdänen   Erbsitzwart,
Und hieß ihn heiter   in der Halle zechen,
Der Leute Liebling.   Mit Lust empfieng beim Schmaus
Den gebotnen Becher   der biedre Siegsfürst.

65  

Weiter durch die Halle   gieng der Helminge Sproß,
Einem nach dem Andern,   Alt und Jung
Goldgaben bietend,   bis jetzt ihr gelang
Daß zu Beowulf   die baugengeschmückte,
Mutherhabene,   den Methbecher trug.

70   Sie grüßte den Geatenfürsten,   Gott Dank sagend
Mit weislichen Worten,   daß ihr die Wonne ward,
Von der Helden Einem   nun hoffen zu dürfen
Der Frevel Entfernung.   Da empfieng den Becher
Der gewaltige Waffenheld   aus Wealchtheows Hand
75   Und redete darauf,   schon bereit zum Kampf.

Beowulf sprach,   der Geborene Ecgtheows:
»Das hab ich verheißen   als ich die Hochflut bestieg,
Ins Seeboot saß   mit der Schar meiner Helden,
Daß ich alleine   all eurer Leute Sehnsucht

80   Erfüllen wollte   oder auf der Walstatt fallen
In des Feindes Griffen.   Vollführen will ich
Also die Edelthat   oder den Endetag
In dieser Methhalle   morgen erwarten.«

Der fürstlichen Frau   gefielen die Worte,

85   Des Geaten Gelfspruch.   Die Goldziere gieng,
Die herrliche Volksfrau,   zu dem Fürsten sitzen.

Da war wie ehe   innen der Halle
Freies Gespräch   der freudigen Kämpen,
Der Siegvölker Jubel,   bis der Sohn des Healfdene

90   Mit einmal aufbrach,   seine Abendruhe
Zu suchen gesonnen.   Der Sorghaften, wust er,
Harrte in der hohen   Halle der Kampf,
Wenn sie der Sonne Licht   nicht mehr sehen möchten,
Die nebelnde Nacht   hernieder sänke,
95   Und Schattengeschöpfe   schaurig verhüllt
Unter Wolken wandelten.   Das Wehrvolk erhob sich.
Einer grüßte   den Andern da,
Hrodgar den Beowulf,   ihm Heil entbietend
Und Macht über den Methsaal   zumal mit dem Wort:
100   »Niemals hab ich   noch einem Helden,
Seit ich Hand und Rand   zu heben vermochte,
Der Dänen Degensaal   außer dir vertraut.
Habe nun und hüte   der Häuser Bestes,
Sei der Ehre eingedenk,   offenbare die Kraft,
105   Wache gegen den Wüthrich!   Kein Wunsch bleibt dir versagt,
Wenn du dieß Heldenwerk   heil vollbringen magst.«
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