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Benkal, der Frauentröster

René Schickele: Benkal, der Frauentröster - Kapitel 21
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authorRené Schickele
titleBenkal, der Frauentröster
publisherBuchverlag Der Morgen
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XXI

Das Auto machte lange Sätze im Flug, die Baumlinie des Kanals wuchs aus der Ferne heran.

»Die Welt«, jubelte Gugu, »ist schön, ist schön, ist schön!«

Sie sang das auf die Melodie geläufiger Gassenhauer, bald übermütig, bald gefühlvoll.

Benkal fuhr mit seinem Modell zum Angelfischen. Es war Sonntag, und beim Erwachen hatte Gugu mit gefalteten Händen um eine Landpartie gefleht. Ihre brave Seele vergaß nie, daß sie das Modellstehen an endlosen grauen Wochentagen hinter dem Ladentisch gelernt hatte, bevor sie an einem Sonntag entdeckt und in Freiheit gesetzt wurde. Der Sonntag auf dem Land war für Gugu die vollkommenste Form des Daseins.

Neben dem Chauffeur saß Bra, die Hände um ein Paket Angelruten gekrampft, er pflügte mit der Nase in den Wind und lächelte. Umständlich malte er sich die Mißhandlungen aus, die er sich von seinem Herrn gefallenließe, wenn er nur dafür zweimal im Jahr unter frischen Bäumen im Gras sitzen und eine Angel ins Wasser hängen durfte.

Es kam vor, daß Gugu nicht das geringste mehr zu erzählen wußte. Dann trat eine Pause ein, während der Benkais Gedanken sich unwillig, aber notgedrungen von Gugu in eine ernsthaftere, leidenschaftlichere Welt zurückzogen, wo er kämpfte und litt, wo ein Schicksal ihn seines Weges peitschte, das Gugu in ihren guten Tagen mit einem kleinen Raffen ihres Kleides unter ihre Füße werfen und verschwinden lassen konnte.

Gugu wußte nichts von ihrer Macht. Sie wußte, daß Ij, die große Tänzerin, die anerkannte Geliebte Benkals war. Darum beneidete Gugu sie weniger als um ihren Ruhm und ihre schönen Kleider ... Was die Schönheit betraf, so hatte sie, Gugu, ihre eigene Art Schönheit, die keine andre Frau ihr nachmachen konnte. Sie war die Schönste in ihrer Art ... Sie hätte nichts anders sein wollen. Dagegen wünschte sie sich, Kleider zu tragen, die in den Zeitungen abgebildet wurden und von denen alle reichen und schönen Frauen der Stadt mit bewunderndem Neid sprachen. Sie wußte, daß sie in keiner Weise an Ij heranreichte, sie war mit dem zufrieden, was sie besaß, und hoffte auf eine fabelhafte Zukunft. Zum Beten hatte sie einen Götzen, der hieß das Glück, worunter sie das große Los einer Lotterie verstand oder einen gemütvollen Millionär, der sie heiraten würde, und zum Leben zwei Talente, denen sie ihre besten Erfolge und auch Benkais Zuneigung verdankte, einen gepflegten Leichtsinn und unverdorbene Dummheit.

Jetzt hielt Bra die Bambusstöcke in die Luft und stieß einen Kriegsruf aus. Das Auto hob sich weich über die Brücke. Rechts und links an den Ufern, so weit man sah, hatten sich Angler mit ihren Familien niedergelassen. Die Kinder spielten hinter den Bäumen auf den Feldern. Dort saßen auch die Mütter, die Köpfe zusammengesteckt, und unterhielten sich ... möglichst leise.

Über dem Wasser schwebte feierliche Stille. Bra fühlte mit Schauern der Wonne, wie sie auch ihn erfaßte.

Gugu lustwandelte an Benkals Arm, wie ein Fräulein aus dem Städtchen dort, das zum erstenmal mit ihrem Verlobten allein über die Felder geht. Sie schlenderten durch hohe Wiesen roten Dächern zu.

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