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Benjamin Noldmann's Geschichte der Aufklärung in Abyssinien

Adolph Freiherr Knigge: Benjamin Noldmann's Geschichte der Aufklärung in Abyssinien - Kapitel 47
Quellenangabe
typefiction
booktitleAusgewählte Werke in zehn Bänden, Band 9
authorAdolph Freiherr Knigge
firstpub1790
year1995
publisherFackelträger Verlag
addressHannover
isbn3-7716-1539-9
titleBenjamin Noldmann's Geschichte der Aufklärung in Abyssinien
pages3-338
created20041113
sendergerd.bouillon
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Fünfundzwanzigstes Kapitel

Des Verfassers Gespräch mit dem Prinzen.

Bevor der edle Prinz diesen Entwurf den versammelten vierundzwanzig Deputierten der Nation vorlegte, war er so gütig, ihn meinem Herrn Vetter und mir zum Durchlesen zu geben. Ich war so entzückt über den Inhalt – er war so ganz aus meiner Seele hingeschrieben – daß ich mich in dem Drange meiner Empfindungen dem Prinzen zu Füßen warf und ausrief: »Erhabenster Monarch! Wie ist es möglich, daß ein Fürstensohn so den heiligen Natur-Gesetzen und Menschenrechten das Wort reden kann? Du allein bist würdig, als König und Kaiser über Abyssinien, ja! über die ganze Welt zu herrschen. O! erlaube mir, daß ich diesen Entwurf in Deutschland drucken lasse, damit meine Landsleute gewahr werden, daß noch ein Platz auf dem Erdboden ist, wo die gesunde Vernunft nicht ganz durch die conventionellen, erkünstelten Begriffe ist verdrängt worden! Erlaube, großer Monarch! daß ich zugleich die Geschichte dieses Reichs und die Erzählung dessen, was ich selbst nebst meinen deutschen Gefährten hier erlebt habe, der Welt mittheile! Erlaube endlich, daß ich mein Buch unter Deinem Schütze, mit Deinem Privilegio versehen, herausgebe! Vielleicht respectieren die räuberischen Nachdrucker mehr diesen abyssinischen Schutzbrief als die Privilegien, welche unsre Fürsten ertheilen, gegen die sie so wenig Achtung bezeugen. Ich will dies Werk in einem Lande herausgeben, das von einem edeldenkenden, großen Könige regiert wird, der Menschenwürde ehrt, in dessen Staaten die Rechte des Eigenthums heiliggehalten werden, wo persönliche Sicherheit unangetastet bleibt, wo auch der geringste Unterthan, geschützt vor jeder Gewaltthätigkeit, selbst gegen die Landes-Regierung frey seine Rechte verfechten darf; wo Gesetze, nicht Willkür, das Schicksal der Unterthanen bestimmen, wo man der Wahrheit, die mit Bescheidenheit vorgetragen wird, kein Stillschweigen auflegt – dort will ich mein Werk drucken lassen, und es wird gewiß Beyfall finden.«

Prinz: Stehe auf, Noldmann! Ich sehe wohl, daß Du den Europäer nicht ganz vergessen kannst, soviel Sinn Du auch für Wahrheit und Freyheit zu haben scheinst. Du glaubst mich zu ehren, indem Du mich zum Monarchen von Abyssinien erheben willst, und überlegst nicht, daß mir dein Lob tausendmal willkommner seyn würde, wenn Du mir sagest, daß Du mich würdig hieltest, ein Privatmann in einem freyen Staate zu seyn. Du glaubst mit der Bekanntmachung meines Entwurfs in Deutschland große Ehre einzulegen und bedenkst in dem Augenblicke nicht, daß Eure schiefköpfigen Rechtsgelehrten ihn um so alberner und phantastischer finden werden, je mehr gesunde Vernunft darin herrscht. – Doch führe immerhin Deinen Plan aus; aber laß uns jetzt von Deiner und Deiner Landesleute künftigen Bestimmung reden! Ihr könnt nicht in Abyssinien bleiben; ich sehe voraus, daß von allen meinen Vorschlägen der, keine Ausländer unter uns zu dulden, den allgemeinsten Beyfall finden wird. Und wollten wir auch zu Eurem Vortheile eine Ausnahme machen, so weiß ich doch gewiß, daß Ihr bald anfangen würdet, Euch unbehaglich zu fühlen. Reiset also, begleitet von meinen besten Wünschen, in Euer Vaterland zurück! Noch habe ich, aber wie ich hoffe, nicht lange mehr, unumschränkte Gewalt in diesem Reiche; ich glaube es verantworten zu können, daß ich Euch nicht mit leerer Hand von hier ziehen lasse. Ich will Euch soviel Gold und Edelgesteine mitgeben, daß Ihr den Rest Eures Lebens bequem und ruhig in Deutschland sollt hinbringen können. Rüstet Euch also zur Reise! Für Eure Sicherheit und Bequemlichkeit bis an den Hafen von Kairo in Ägypten soll gesorgt werden; dort werdet Ihr leicht ein europäisches Schiff finden, das Euch aufnehmen kann. Es thut mir leid, mich von Euch trennen zu müssen; aber unser Verhängnis will es so; Ihr könnt vielleicht Eurem Vaterlande noch sehr nützlich werden; es scheint, als wenn bald Zeiten kommen würden, wo man auch dort des Raths und der Hilfe verständiger, vorurtheilsfreyer und vorsichtiger Männer bedürfen wird. Dann habt Ihr einen großen und würdigen Gesichtskreis vor Euch. Lebet also wohl! – Doch wir sprechen uns noch vor Eurer Abreise.

Mit diesen Worten verließ uns der gute Prinz, ohne unsre Antwort zu erwarten.

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