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Benjamin Noldmann's Geschichte der Aufklärung in Abyssinien

Adolph Freiherr Knigge: Benjamin Noldmann's Geschichte der Aufklärung in Abyssinien - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleAusgewählte Werke in zehn Bänden, Band 9
authorAdolph Freiherr Knigge
firstpub1790
year1995
publisherFackelträger Verlag
addressHannover
isbn3-7716-1539-9
titleBenjamin Noldmann's Geschichte der Aufklärung in Abyssinien
pages3-338
created20041113
sendergerd.bouillon
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Erster Theil

Vorbericht

Ich überreiche hier dem hochgeneigten Leser – doch sage ich das nicht etwa, um mich zu rühmen – ein äußerst interessantes Werk. Ohne die Wahrheit und Bescheidenheit zu verleugnen, von welchen die ältern und neuern Reisebeschreiber und alle statistischen und politischen Schriftsteller sich so ungern zu entfernen pflegen, kann ich mit Recht behaupten, es werde Ihnen ein solches Buch noch gar nicht vorgekommen seyn. Sie finden darin nicht etwa Beschreibungen von längst und oft beschriebnen Städten und Gegenden; nicht etwa unterwegens in Wirthshäusern und andern unbedeutenden Gesellschaften aufgesammelte Anecdoten; nicht etwa ärgerliche Nachrichten und falsche Schilderungen von der sittlichen und politischen Verfassung gewisser Städte und Länder, in dem Umgange mit unzufriednen, unruhigen Köpfen aufgeschnappt und ohne weitre Untersuchung nacherzählt; nicht etwa einseitige Urtheile über Menschen und Welt-Begebenheiten, nach gewissen Lieblings-Ideen und herrschenden Vorurtheilen gemodelt oder mit den freyen Mahlzeiten in Verhältnis gesetzt, die dem Reisebeschreiber in besagten Städten sind gereicht worden; noch verliebte Abentheuer, kleine bunte Bilderchen von empfindsamen Scenen und was dergleichen Materialien mehr sind, woraus unsre lieben Landsleute und Nachbarn ihre Reisebeschreibungen zusammensetzen: – nein! ich liefre Ihnen die Beschreibung eines großen, wichtigen, bis jetzt fast gänzlich unbekannt gewesenen Reichs in Afrika, von welchem diejenigen, die bis auf den heutigen Tag darüber geschrieben (wie Sie aus meiner so glaubwürdigen Erzählung sehen werden), ganz falsche Nachrichten gegeben haben; zugleich aber auch enthält mein Buch die Erzählung einer höchst merkwürdigen Revolution, welche in diesem Reiche durch mich und meinen Herrn Vetter, den jetzigen Herrn Notarius Wurmbrand in Bopfingen, ist bewirkt worden.

Es wird manchen Leser befremden, daß von allen diesen Dingen, so wie von dem großen Zuge, den wir, mein Herr Vetter und ich, mit dem ältern Prinzen des großen Negus an den deutschen Höfen umher unternommen haben und von welchem ich in diesem Werke gleichfalls Nachricht gebe, noch gar nichts in Zeitungen und Journalen ist bekanntgemacht worden; allein diese Verwundrung wird aufhören, wenn man erstlich bedenkt, daß wir die Reise im strengsten Incognito vorgenommen, und dann am Ende des zweyten Theils die Beschreibung des traurigen Unfalls lieset, durch welchen alle mit uns in Abyssinien gewesenen Europäer ihren Tod in den Wellen gefunden haben.

Ich zweifle nicht, daß mein Buch reißend abgehen wird und daß die Herren Nachdrucker sich die Mühe nicht werden verdrießen lassen, den Debit desselben zu befördern. Es war Anfangs meine Absicht, es diesen redlichen Männern zu widmen; denn da ich in demselben zugleich eine kurze Erzählung von meinem Aufenthalte in Fes und Marokko liefre, so dachte ich, es würde ihnen nicht uninteressant seyn, die Nachrichten, welche ich von ihren dortigen Mitbrüdern gebe, sich von mir zueignen zu lassen. Allein mein Herr Vetter redete mir die Dedications-Gedanken aus. Er berichtete mir, man sey jetzt im Begriff, der edeln Nachdrucker-Zunft im Heiligen Römischen Reiche das Handwerk zu legen, und da meinte er, es könne meinem Rufe schaden, wenn ich mich öffentlich als ein Anhänger derselben zeigte. Da es nun einmal Sitte in der Welt ist, seine Freunde, wenn sie im Gedränge sind, aus Politik zu verlassen, so gab ich denn auch den Vorstellungen des Herrn Wurmbrand nach. Um jedoch in der Stille etwas zum Besten der gelehrten Corsaren zu thun, bat ich meinen Herrn Verleger, sich mit keinem andern Privilegio versehen zu lassen als mit einem abyssinischen. Sollte also der gegen den Nachdruck auszuwirkende Reichsschluß so bald noch nicht zu Stande kommen, so behalten meine verehrten Freunde in Karlsruhe, Reutlingen, Wien, Frankenthal etc. noch immer freye Hände, dies Werk, insofern sie glauben, daß dabey etwas zu gewinnen seyn möchte, auf ihre Weise umgearbeitet, das heißt mit den gewöhnlichen Castrationen, auf weichem Lösch-Papiere erscheinen zu lassen. Mein Honorarium habe ich richtig erhalten, und mein Herr Verleger mag sehen, wie er zurechtkommt!

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