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Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium - Kapitel 8
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authorNikolaus Ludwig von Zinzendorf
titleBekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium
publisherAussaat Verlag GmbH.
editorErich Beyreuther
year1963
correctorJosef Muehlgassner
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In alle Herzen

Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.
Johannes 1, 29

 

24. Juni 1741

In diesen Worten liegt die klare Idee: ihr habt euch müde geopfert an Lämmern ohne Fehl. Da kommt eines von einer andern Art, das trägt der ganzen Welt Sünde weg. Gott hat's gegeben. Es trägt auf einmal alle Sünden aller Länder. Das hat Johannes in seiner Epistel Kapitel 2, 2, erklärt: Er ist die Versöhnung für unsere Sünde, nicht allein aber für unsere, sondern für die der ganzen Welt.

Bei allem, was man in der Welt weiß oder lernt, kommt's auf das an, das man gleich im Anfang braucht und das man hernach in der ganzen Sache auch nie entbehren kann. Bei Sprachen, Lesen und Schreiben kommt's auf die Buchstaben an, die sind die Hauptsache. So ist's auch mit der Theologie, mit den göttlichen Wahrheiten, mit dem Christentum. Der Heiland heißt der erste und letzte Buchstabe. Er muß dem Kinde solange genannt werden wie dem ältesten Zeugen, dem festesten und vollkommensten Manne. Das ist die große Hauptsache, die die Toren, die Falschklugen, auch die unverständigen Kinder Gottes, die verführten und verrückten Gemüter nicht einsehen können: Das Lamm Jesus, der Christus Gottes, unser Schöpfer, Bürger und Mittler, der ist das A und das Z, oder nach dem griechischen Alphabet das A und O. Man kann in der Theologie nichts Ganzes vorbringen, das Lamm Gottes, der Heiland muß mit hinein. Das muß allen Materien, allen Seufzern, allen Schriften, allen Predigten, allen unsern Gedanken Salz geben, heiligen Zusammenhang, Nachdruck und Leben der Sache geben. Wer das Lamm Gottes und sein Verdienst nicht kennt, dem läßt sichs wohl zuhören, wenn er von andern Sachen redet; wenn er aber auf die Sache kommt, so möchte man die Ohren zuhalten, so kommt alles tot, gezwungen, halb, kalt und abgeschmackt heraus. So wunderlich es würde herauskommen, wenn man reden und doch kein a, e, i, o, u aussprechen wollte, so töricht ist es auch, göttliche Wahrheiten hören und lernen wollen, ohne daß der Heiland der Laut wird. Wo die Wunden des Lammes dabei sind, die machen die Rede ganz und das Wort vom Heiland deutlich.

So ist's mit der Heilslehre, es wird ein verworrenes Werk daraus, wenn der Heiland fehlt. Es gibt kluge, gelehrte, geschickte Leute, von denen man nicht sagen kann, sie reden keine Wahrheit, man kann sie keiner Ketzerei beschuldigen aber das Lamm Gottes fehlt und es fehlt alles. Sie sagen hübsche Sachen, aber sie stehen alle am unrechten Orte und es hängt nichts zusammen.

Die Lehre vom Kreuz ist die tiefe Weisheit, die kein Mensch erreichen kann. Das ist das kündlich große Geheimnis der Gottseligkeit, den Weisen versteckt und den Unmündigen offenbar. Die sich auf ihren Verstand verlassen, die können es nicht kriegen. Wenn sie aber umkehren und werden wie ein Kind und lassen sich vom Heiland in die Schule führen und der Heilige Geist zeigt ihnen die große Sünde des Unglaubens, was kommt da heraus? Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Das wird zum Grundgedanken. Das ist die geheime Weisheit, der Stein der Weisen; Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.

Wer 80 Jahre dem Heiland gedient hätte und gedächte, darum, um meines Dienstes willen, hat mich der Heiland lieb, der wäre ein elender Pharisäer. Wir sind ihm alles schuldig, wir sind seine Kreaturen, wir sind darum da, daß wir seine Knechte sind.

Alle Engel und Erzengel verdienen nichts, so wenig als die Kachel im Ofen etwas verdient, daß sie die Hitze vom Feuer von sich gibt. Ebensowenig verdienen auch die großen Zeugen etwas, die doch einmal leuchten werden wie die Sonnen. Sie verdienen nicht mehr als der Ochse, der auf dem Acker pflügt. Beide sind darum da, daß sie das tun sollen.

Wenn aber der Herr Jesus stirbt, so ist's verdienstlich; der Vater hat ihn darum lieb und der Teufel verliert die Seelen drüber und Jesus wird die Ursache aller Seligkeit. Woher kommt das? Antwort: Weil er, nach einem uralten Bekenntnis, nicht geschaffen, nicht gemacht ist, und weil alles, was sonst von ihm in der Bibel steht, daß er geboren ist, daß er der Erstgeborene unter den Brüdern ist, lauter Erniedrigungen sind, die in diese Zeit gehören. Er ist an und für sich der Vater der Ewigkeiten, ein Kind aber ist er geworden. So weissagte Jesaja schon von ihm: uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, der die ganze Regimentslast auf seinen Schultern hat, der da ist Rat, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens. Und Paulus schreibt: Das ist das große Geheimnis der Religion, Gott ist offenbaret im Fleisch. »Den aller Weltkreis nie beschloß, der liegt in Marien Schoß. Er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein.« Daher ist alles verdienstlicht, was er macht, so daß sein lieber Vater und der Heilige Geist voll Freude über ihn sind, daß sie ihn lieben, daß sie seine Wahrheit preisen, daß sie seine Ehre erzählen: das ist mein lieber Sohn, und: der Heilige Geist verklärt ihn.

Sehet, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! das ist der große Erfinder des Heils.

Im Anfang war das Wort, die Ursach aller Dinge, die Ursach auch unserer Seligkeit. Durch ihn und um seinetwillen ist alles. Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Es ist alles versöhnt durch ihn selbst, mit ihm selbst. Das hätten wir so gern in alle Herzen mit Gottes Griffeln gegraben und mit dem Finger Gottes in die Herzen geschrieben mit funkelnder und flammender Schrift. »Wenn in des Herzens Grunde sein Name und Kreuz allein funkelt alle Zeit und Stunde, so kann man fröhlich sein.« Damit geht man unter die Heiden, unter die Christen, zu seinen Kreaturen und bezeugte Freunden und Feinden.

Das macht die Gemeinde fest. Das ist der Grund, darauf sie steht, daß auch die Pforten der Höllen sie nicht überwältigen können, nämlich, daß Jesus der Sohn des lebendigen Gottes ist.

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