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Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium - Kapitel 6
Quellenangabe
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authorNikolaus Ludwig von Zinzendorf
titleBekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium
publisherAussaat Verlag GmbH.
editorErich Beyreuther
year1963
correctorJosef Muehlgassner
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Vollmacht

Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.
Johannes 1, 12

 

18. September 1746

Es sind Millionen Leute in Europa, die von ihm hören, die seine Historie haben und die Bücher, darin sie steht. Denen tritt er ans Herz, bald bei diesen, bald bei jenen Umständen.

Aber in was für Gestalt kommt er? Antwort: In seiner Leidensgestalt. Das unzweifelhafte Kennzeichen, da man einen Menschen versichern kann, daß seine Stunde geschlagen hat, selig zu werden, ist, wenn sich die Worte, die er von der Gottesmarter gehört hat, ihm mit Nachdruck ans Herz legen, entweder zur Freude oder zur Traurigkeit über seine Sünden, über seine Untreue und seine Gottlosigkeiten. Denn es ist doch wahr, die Sünde hat Gott so erzürnt, daß sie den Menschgewordenen zerfleischt und bis zum Tode gemartert haben. Aber damit ist auch die Sünde abgetan im Gerichte Gottes; nicht ein Mensch wird mehr verdammt, weil Adam gefallen ist, denn die Sünde ist am Kreuze auf einmal versöhnt, der ganze Fall ausgestrichen und das ganze Urteil über den Fall Adams mit Jesu Nägeln zerrissen, denn wie sie in Adam alle sterben, so sind sie in Christo alle lebendig gemacht, 1. Kor. 15, 22. Am Stamme des Kreuzes ist die Welt auf einmal erlöset worden; was nun verloren geht, geht verloren, weil's den Heiland nicht annehmen will, weil's von neuem fällt und Adams Fall wiederholt, weil's aus einer gewissen Widrigkeit und Feindseligkeit gegen seinen Versöhner die Partei seines Feindes ergreift, der noch lebt, der noch geschäftig ist, der noch eben das an den Seelen versucht, was er am ersten Menschen versucht hat. Und wenn die Menschen auf ihren eigenen Fall acht geben, so werden sie ihre und Adams Umstände ganz gleich finden.

Ich habe von einer Voraussetzung geredet, nach der man selig wird, und dieselbe heißt: Annehmen den Heiland. Das ist in sich gar nichts Gezwungenes, denn beim Seligwerden gibt es gar nichts, dazu ein Mensch ein Körnchen aus eigenem Verstände, Geschicklichkeit oder eigener Kraft bringen muß, sondern die Bedingung unterstellt nur, daß wir uns von allem Widerstände enthalten und uns gern und willig dreingeben, uns Gutes tun lassen, so hat's keine Schwierigkeit, die Seligkeit zu erlangen.

Was ist dann nun die Bedingung? Keine, als an ihn glauben, sein Leiden und Sterben für eine göttliche Wahrheit annehmen, ehren und unser Vertrauen darauf setzen, daß er uns so wahrhaftig der Versöhner unserer Sünde sei, als wenn wir ihn vor unseren Augen hätten kreuzigen sehen und wir bei der Gelegenheit unser leibliches Leben gerettet hätten. Das heißt glauben, darauf kommt's an: Denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben, die setzte er in Besitz einer schon vorhandenen, schon erworbenen, einer ihnen schon gehörigen Sache.

Das Testat, womit die Seelen beweisen können, Kinder Gottes zu sein, ist das freie und runde Zeugnis von ihrem eigenen Herzen: »Ich glaube, daß mein Schöpfer mein Heiland ist, ich glaube, daß mich derselbe mit seinem eigenen Blute, mit seinem wahrhaftigen Tode am Kreuz in das Recht gesetzt hat.«

Anstatt daß man sonst eine Sache kaufen muß, daß man sonst eine Sache teuer und kostbar erwerben muß, daß man 40, 50 Jahre zu Land und See darum dienen und schwitzen muß, daß man hundertmal sein Leben wagen muß und endlich unter Tausenden ein einziger ist, der dieses oder jenes für seine Mühe als seine Beute davon trägt, so wird hingegen zur Seligkeit und dazu, daß man des Heilands Eigentum, daß man seiner ewigen Gnade, seines ewigen Reichs teilhaftig wird, nichts erfordert, als glauben, daß ein anderer, daß Jesus für mich bezahlt hat, daß er für mich gearbeitet, sich bis in den Tod für mich hat martern lassen, für mich ist vom Kreuz abgenommen und sein erblaßter Leichnam ins Grab gelegt worden, daß ich leben kann. Dieses nun glauben und darauf vertrauen, das ist die Sache.

Die eigentliche Ursache aber, warum man die leichte Sache nicht kann, warum man nicht glauben kann, daß ein anderer für uns gelitten hat, daß ein anderer uns die Seligkeit errungen, ist die Feindschaft gegen Jesu Leiden, Tod und Verdienst, der Stolz, der im Herzen liegt, aus welchem man denkt: wenn er mich hieße wohin gehen, es möchte sein wohin es wollte, ich wollte es tun, aber daß ich soll selig werden, ohne daß ich selbst etwas beigetragen haben sollte, ohne daß ich irgend etwas dafür getan oder gegeben, ohne daß ich das geringste Recht dazu haben sollte, aus bloßen Gnaden, als ein Bettler, das ist keine Sache für mich.

Das ist aber die Bedingung. Er wollte dich gern selig machen, er wollte dich gern zum Kinde Gottes machen und sein Vater wollte dich gern zu seinem Kinde annehmen, aber du mußt's halt annehmen als ein Bettler, in voller Armut des Geistes, du mußt nicht das geringste dazu tun können oder gekonnt haben, sondern er muß es allein sein, der dir dazu hilft: zu mir, spricht er, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will helfen. Das eigene Können baut eine Scheidewand zwischen Gott und uns.

Wenn Leute so stehen, daß sie sagen können: Ach, um Gottes willen, ich sollte selig werden, aber ich merke kein rechtes Wollen, ich muß unter einer fremden Macht, unter dem Gesetz der Sünde und des Todes stehen, ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes! Wenn ich auch möchte glauben, ich kann nicht, es ist so ein halber Wille da, aber ich weiß nicht, es widersteht mir etwas, so sagt der Heiland: Ach, ihr armen Leute! ihr werdet nicht fertig, kommt zu mir. Er befiehlt den Lehrern: weiset die Seelen zu mir, sobald mein Name über ihnen genannt wird, so will ich meine unsichtbare Segenshand über sie ausstrecken. Da kommt die Seele zur Freiheit und weiß kaum wie. Sie weiß aber auch kaum, wie sie zu ihrer bisherigen hartnäckigen Widersetzlichkeit gekommen, wider die Art und Weise ihres Seligwerdens zu murren. Sie liest die Texte, sie hört die Predigt, sie singt die Lieder und es ist ihr, als wenn sie es zum ersten Mal in ihrem Leben hörte. »Christi Blut und Gerechtigkeit, das wird ihr Schmuck und Ehrenkleid, darinnen sie vor Gott besteht.«

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