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Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium - Kapitel 39
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authorNikolaus Ludwig von Zinzendorf
titleBekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium
publisherAussaat Verlag GmbH.
editorErich Beyreuther
year1963
correctorJosef Muehlgassner
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Bruderschaft und Sünderschaft

Es wird eine Herde und ein Hirte werden
Johannes 10, 16

Warum? weil niemand gut kann sein,
niemand, als Jesus Christus,
der wahre Gott allein.

 

11. Oktober 1743

Ich bin der gute Hirte, hat er gesagt, ich bin allein euer guter Hirte, ihr müßt alle zu mir kommen. Meine Schafe hören meine Stimme und sie folgen mir und einem andern folgen sie nicht nach. Darum ist keine andere Möglichkeit, es muß nur ein Schafstall in der Welt sein, es muß nur eine Versammlung in der Welt sein, und diese Versammlung ist die Versammlung auf Jesus, die Versammlung um Jesus Christus herum. »Außer der Kirche wird kein Mensch selig«, singen die alten Böhmischen Brüder. Daher ist's freilich eine ausgemachte Sache, daß, wer die Brüder nicht lieb hat, der ist noch im Tode, 1. Johannes 3, 14. Wer dasselbe Gefühl, das die Brüderschaft und Sünderschaft mit sich bringt, gegen die nicht hat, die wahre Brüder und Sünder sind, der ist kein begnadigter Sünder und ist kein Bruder, der ist kein Glied am Leibe Jesu Christi, sondern er ist noch nicht eingesetzt in den Leib Jesu Christi, der ist noch fremd von der Bürgerschaft Israels und von den Testamenten der Verheißung, und da mag er im übrigen sein so gut er will und so viel schöne Qualitäten an sich haben, als er will. So sagt's Johannes.

Es kommt aber eigentlich daher, weil's nicht anders sein kann, als die Glieder eines Leibes müssen einander fühlen, wenn sie einander gleich nicht kennen. Wenn ich gleich nicht an meinem Finger oder an meinen Fußzehen gedacht habe, so weiß ich, wenn mir jemand darauf tritt, daß er mein ist, oder wenn mir an meinem Finger was begegnet, so weiß ich, daß es mein Finger ist, wenn ich in zwanzig Jahren nicht daran gedacht habe, und so ist es mit allen Muskeln und Gelenken. Und wenn ich mich in achtzig Jahren nicht darauf besonnen habe, aber sobald an den Muskeln und Gelenken was vorgeht, so fühle ich, daß sie meine sind.

Es kann sein, daß wir manche Glieder des Leibes Jesu Christi in unserem Leben nicht sehen, daß sie sterben und wir wissen's nicht, daß sie in der Welt gewesen. Aber sobald die geringste Kundschaft voneinander vorkommt, sobald wir ihnen nahe kommen oder sie uns, sobald ihnen was sehr Gutes oder was sehr Böses begegnet, so müssen wir uns entweder mit freuen oder mit leiden, und so müssen sie wieder gegen uns sich verhalten. Wer bei unserm Leiden gleichgültig ist und bei unsern Freuden gleichgültig ist, der ist kein Glied am Leibe Jesu Christi, der versteht die Harmonie nicht, der weiß nichts von der inneren Übereinstimmung, die in einem ordentlichen Leibe notwendig sein muß. Es ist sehr wichtig, es geht durch die ganze Welt, es kommt auf kein Wissen, auf kein Erkennen, auf kein Studieren, sondern auf die Empfindung des Herzens gegeneinander an. Es gibt manchmal einen Schwärmer in der Welt, der macht sich einen Anhang, es werden ihrer fünfzig, auch wohl hundert, und sie bilden sich ein, mit Ausschließung aller der andern, sie seien allein die Kirche. Aber eben das ist die Sache: Sobald die Kirche in äußerliche Formen gesetzt wird, und man in seinem Herzen denkt: das macht die Kirche aus, daß ein Mensch so und so erzogen, daß er in die und die Form eingegossen ist, so ist man irre mit der ganzen Gemeinsache. Aber, wenn man sagt: Man mag in was für eine Form in der Welt gegossen sein als man will, sobald man zu einer Gemeinde Jesu Christi kommt, so muß man ein Gefühl von ihr, wie sie von uns haben, so hat man's recht, das ist wahr.

Nun unser Heiland hat uns gezeiget in seinem Wort, daran man sich kennen kann und unser Schiboleth ist bekannt: Die Gewißheit vom Verdienst und Blute Christi und die Überzeugung im Herzen, daß er unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe unter seiner Hand sind. Wer ihn lieb hat, wer ihn so lieb hat, daß man's ihm anmerken kann, der gehört zu seiner Gemeinde, er mag in der Welt sein, wo er will, er mag unsern Namen sein Lebetage nicht gehört haben, wenn er aber unsere Namen hört, wenn er Glieder des Leibes sieht, da ist die Harmonie gleich klar und bedarf weiter gar keiner Überlegung.

In der Welt habt ihr Angst
Johannes 16, 23

 

23. November 1744

Es sind dreierlei Leute, die zur Welt gehören und die mit den Kindern Gottes zu tun haben. Die eine Sorte sind die guten Freunde der Kinder Gottes, die sie erstaunlich ehren und lieben und die plagen die Kinder Gottes oft mit Projekten, mit Vorschlägen, die, wenn man sie nicht annimmt, so verdrießt sie es, und wenn es sonderlich in Verfolgungen und allerhand Übungen nicht recht nach ihrem Herzen gemacht wird, so betrüben sie sich und halten sie für eigensinnige Leute und gehen gar nicht den Ursachen nach, warum sie so handeln, zuweilen wollen sie eben das sein, was sie sind, und haben doch das Herz nicht, das sie haben und haben's immer an der unrechten Ecke, und man ist also auf allen Seiten mit ihnen geplagt.

Die andere Sorte ist die, die keine Feinde der Kinder Gottes sind, die mögen auch gern was von ihnen hören oder lesen, es gefällt ihnen manches, und solange es gut geht, solange sich kein Mächtigerer als sie sind, erhebt und solange sie nicht, um ihre Absichten nicht zu verlieren, den Kindern Gottes Schaden tun müssen, so werden sie ihnen nie was in den Weg legen. Daher verläßt man sich manchmal auf ihren Schutz und weil sie keine Feinde sind, so ist es um so viel gefährlicher, und sie gehen einem gewiß durch die Hand, sobald man sich auf sie lehnt und der Schade ist um so viel größer, je tiefer sie einen hineingeführt haben.

Die dritte Sorte sind die Feinde. Feind der Kinder Gottes zu sein, ist noch ganz was anderes, als was der Heiland sagt: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir auch nicht getan. Feinde sind Leute, die vom Teufel beherrscht sind, die mit eben der Wut gegen des Heilandes Volk toben, wie ihr Herr und Meister, der Satan, und die keine Verantwortung übernehmen, keinen Beweis brauchen, nach der Unschuld so wenig als nach der Schuld fragen, sondern wo sie nur können, da drücken sie. Daß die Leute die Kinder Gottes plagen, ihnen Verfolgungen ohne alle Ursache zuziehen, das ist gewiß, so daß wenn man bei einer kleinen Verfolgung solchen Personen in die Hand kommt, so machen sie sehr was Großes daraus. Darum sind auch die Verfolgungen der ersten Christen entstanden, die öfters viel weiter gingen als der Kaiser ihr Sinn war, weil sie unter einem Proconsul oder Konsul wohnten, der ein erklärter Feind war. So haben sie auch unter den kaiserlichen Personen solche Feinde gehabt, z. B. Julian. Sie haben es aber nie lange getrieben. Solche Leute folgen bloß der Wut ihres Herzens, aber weil sie sehr unklug handeln, ohne Grund handeln, so geschieht's vielmal, daß sie gerade das Gegenteil herausbringen von dem, was ihr Sinn gewesen. Nun, das ist die Angst, die man in der Welt hat. Aber dabei ist eine wichtige Sache, wenn einem die Angst wirklich ums Heilands willen begegnet, die einem die Freunde, die trägen und kaltsinnigen Leute, und die einem Feinde machen, so ist man immer selig, befiehlt dem treuen Schöpfer seine Seele und macht immer fort, aber wenn bei der Angst die geringste Unlauterkeit und Unrichtigkeit von unserer Seite zum Grunde liegt, daß der Heiland nicht mit uns zufrieden ist, daß der Heiland uns zu verstehen gibt: »Ich habe euch die Verfolgung zugeschickt«, da geht's schwer, da stockt's, da läßt man Hände und Füße sinken und weiß keinen Rat, bis es wiedergutgemacht, bis die Hand wieder geküßt ist und dann geht die Arbeit wieder im Segen fort. Laßt uns also um seine Gegenwart uns bekümmern, daß wir die bei allen unsern Handlungen haben.

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