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Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium - Kapitel 32
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authorNikolaus Ludwig von Zinzendorf
titleBekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium
publisherAussaat Verlag GmbH.
editorErich Beyreuther
year1963
correctorJosef Muehlgassner
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Nicht alle haben es vernommen

Ein anderer ist, der von mir zeuget, und ich weiß, daß das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeuget.
Johannes 5, 32

 

3. Februar 1746

Er sprach: »Das ist mein lieber Sohn, an dem ich hatt' Gefallen, den will ich euch befohlen han, daß ihr ihn höret alle.«

Die Stimme haben nicht alle Leute gehört, es ist aber genug, daß etliche sie gehört haben. Denn es ist mit denselben göttlichen Zeugnissen so, die haben nicht alle eine Zeit, auch nicht einen Plan, sie sind auch nicht für alle Leute. Was einem heute zu wissen nötig ist, das erfährt ein anderer erst in einem halb Jahre drauf. Und so haben die Apostel die Erscheinung und Offenbarung des Heillands beschrieben, wie es damit gegangen ist, erstlich dem, danach dem, dann dem, endlich fünfhundert Brüdern, zuletzt sagt Paulus, mir. Und wieder an einem andern Orte heißt's: nicht allem Volke, sondern uns den vorerwählten Zeugen.

Es ist noch ein Umstand dabei. Wenn auch gleich Leute zugehört haben und sind mit dabei gewesen, so haben die Menschen die Worte nicht alle verstanden. Nicht nur ist das dem Apostel Paulus begegnet, wie er bekehrt worden ist, da haben alle das Licht gesehen, sie haben alle die Worte oder vielmehr den Schall der Worte gehört, aber es nicht verstanden. Es ist dem Heiland selbst begegnet, da die Stimme vom Himmel kam, da hörten es etliche, andere aber sagten: es donnert.

Unterdessen ist es gewiß, daß etliche dergleichen Akte, dergleichen feierlichen Akte sind vorgegangen, da der himmlische Vater von seinem Sohne gezeugt hat. Insonderheit ist das der Fall gewesen, da der Heiland ist getauft worden, denn sein Vater sagte: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich all mein Wohlgefallen habe (Matth. 3, 17). Das ist ein herrliches Testat, und wenn man einen solchen Zeugen hat, so braucht man keinen mehr.

Es ist uns auch versprochen: Ich will mich zu dir bekennen, und das ist eine von unsern herzlichsten Bitten zu unserm treuen Haupte: O, du Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt, bekenne du dich zu uns!

 

8. Juni 1752

Wir sind nicht dazu da, daß wir den theologischen und philosophischen Disput der Leute, wie sie die göttlichen Geheimnisse auf ihre Art vortragen und ihre metaphysischen Voraussetzungen bei Beschreibung des höchsten Wesens, mit den biblischen Ausdrücken zusammenreimen. Unsere Pfarrer sind nicht dazu berufen worden, daß sie die metaphysischen Definitionen von Gott machen, und also haben wir sie weder zu bestreiten noch zu behaupten. Aber dafür müssen wir sorgen, wenn die anderen Menschen, die alles mit ihrer Vernunft reimen und zu allen Gottesgeheimnissen zureichenden Grund müssen finden können, konfus werden, daß doch wenigstens die Gemeinde ihnen in das Verderben nicht nachfolge. Nun haben wir einen zuverlässigen Weg, dazu der Heiland die Anleitung uns selbst gegeben. Man hält sich an die klaren Stellen der Heiligen Schrift. Die Person Jesu Christi ist das Objekt aller Anbetung für die ganze Welt, und der Text aller Predigt, und wenn man hernach mehr wissen und halten soll, das muß man vom Heiland selbst lernen. Niemand kommt zum Vater als durch ihn, und er will uns (nach den heutigen Texten) noch einen Lehrer schaffen, der uns niemals verlassen solle. Bei der Lehre vom Heiligen Geiste kommt es lediglich auf das an, was uns davon der Heiland gesagt hat. Der Heilige Geist nimmt alles von den Seinen, und wirkt im Gefolge der großen Gottestheologie, da Jesus Christus der Mittler aller Kreatur, Gott, ist, der die Schöpfung und Erlösung und durch seines eigenen Leibes Opfer die Heiligung vermittelt hat, daß der Leib ein Tempel des Heiligen Geistes wird.

Nun sind sie alle drei verhüllt vor unseren Augen, und ob wir gleich vom Heiland historisch wissen, daß er einen menschlichen Leib gehabt hat und kein bloßer Geist ist, so sehen wir ihn doch nicht. In dem Stück ist er, mit dem Vater und Heiligen Geiste für unsere Sinnen einerlei, unsere Sinnen sehen ihn nicht. Darum drücken wir uns den Menschen, wie er gewesen, ins Gedächtnis. Fasset Jesum Christum ins Gedächtnis. Da habt ihr meinen Leib (sagt er), da gebe ich euch mein Blut zu trinken, damit ihr es euer Lebetage nicht vergeßt. Darum sagt Paulus 1. Korinther 11, sollt ihr, sooft ihr von diesem Brote esset, und von dem. Kelche des Herrn trinket, euch besinnen auf den Tod, den er für euch ausgestanden. Das ist der Sinn der Worte: Zu meinem Gedächtnis, gerade zu dem Zweck, daß ihr ja seine Person nicht vergeßt und euch nicht aus dem Gemüt komme, daß euer Herr und Mittler, eur' Schöpfer, Heiland und Heiligmacher, euer alles in allem, nicht nur ein Geist mit Gott, einer aus dem unausdenklichen Wesen, sondern einer aus uns ist und bleibt!

Wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt, 1. Johannes 4, 17. Ich bin nicht in der Welt, sie aber sind in der Welt (Joh. 17, 11) an meiner Stelle, sie repräsentieren mich unter den Menschen. Nun er hat's gesagt: Weil ich von euch abwesend bin oder vielmehr ihr von mir abwesend seid: so will ich euch versprechen, daß ihr einen gnädigen Vater haben sollt, der mit euch väterlich und ihr mit ihm kindlich umgehen könnt, und daß ihr einen Tröster kriegen sollt, den Heiligen Geist, der soll euch niemals verlassen, wenn ihr euch von dem leiten und führen laßt, so sollt ihr niemals vergeblich denken, reden und beten und er soll euch in eurem Herzen so stellen, daß euch eine Sache, mit der ihr euch nicht einzulassen habt, gleichgültig und unwichtig bleiben oder das Gegenteil wichtig werden soll. In solcher Pflege sollt ihr stehen und wenn ihr euch dieselbe nicht verscherzt, so sollt ihr euch bei allen Unvollkommenheiten und Schwachheiten, in dieser Zeit der Unvollkommenheit, mehr als andere Kreaturen, ja mehr als die Engel, in die Wege und Absichten der tiefsten Gedanken einpassen, die kein Mensch und Engel weder weiß noch auseinanderfindet. Wir glauben also, daß der himmlische Vater sich uns zum Vater gegeben hat, daß wir seine Kinder werden, daß ein Heiliger Geist, den uns der Heiland zum Tröster und Beistand gegeben, der ewig bei uns bleibt, wenn wir uns ihm dazu hingeben, sowohl die Gedanken ordnet als die Worte macht, der die ganze Kirche in ihren Ämtern leitet und mit Wundern und Gaben zieret, der dem Lamme die Priester weiht, der uns zu seinem Tempel weiht, bis er uns einmal den zeigen kann, den wir nicht gesehen und doch lieb haben und die ganze Zeit an ihn glauben. Aus dem Grunde glauben wir, daß, was wir tun und handeln, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes geschehe. Wie sich das mit den metaphysischen Ideen von Gott reimt, wie das Wort Dreieinigkeit, das nicht in der Bibel steht, zu behaupten ist und wie man eine Sprache erfinden soll, die göttlichen Dinge menschlich auszusprechen, das müssen und können wir, ohne Gefahr unserer Seligkeit, mit vielen anderen Sachen abwarten.

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