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Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium - Kapitel 29
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authorNikolaus Ludwig von Zinzendorf
titleBekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium
publisherAussaat Verlag GmbH.
editorErich Beyreuther
year1963
correctorJosef Muehlgassner
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Das Geheimnis des neuen Lebens

Es kommt die Stunde, und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes hören, und die sie hören werden, die werden leben.
Johannes 5, 25

 

19. Februar 1738

Der Heiland, der treue Zeuge und Bestätiger alles dessen, was im Alten Testament gesagt worden, ist auch mit diesen Worten ein Zeuge von der Wahrheit der Worte des Herrn im Paradiese: Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben. 1. Mose 2. Denn Adam ist nicht gleich nach dem Tage gestorben, sondern hat noch unzählige Jahre gelebt. Er muß also, ob er gleich nach Seele und Leib gelebt hat, doch nach dem Geiste gestorben sein, nach welchem Gott in ihm gewohnt und er mit Gott den natürlichsten Umgang gehabt hatte.

Und so ist es auch: daß der Mensch, nach Gottes Bilde erschaffen, aus Leib, Seele und Geist besteht. Und wie der Leib ohne die Seele tot ist, so ist auch der ganze Mensch tot in Gottes und der Engel Augen ohne den Geist aus Gott.

Diesen Tod nun haben wir in Adam angeerbt bekommen, wie es auch heißt: Daß wir von Natur tot und zu allem Guten erstorben sind, zum Bösen zwar geneigt, aber zum Guten untüchtig.

Aber die Menschen haben davon keinen Begriff, sie wissen nur vom leiblichen Leben und Tode zu reden, sie halten sich bei dem auf, was sie sehen, hören und fühlen können. Sie sehen nur auf die Erde, die sie mit leiblichen Füßen betreten und was ins äußerliche Leben gehört, aber vom geistlichen Leben und Ewigkeitssachen wissen sie nichts und denken, fragen und bekümmern sich darum nicht. Dazu sind sie auch ungeschickt, daß sie es mit ihren bloßen Sinnen und Vernunft nicht fassen.

Darum ist eine Wiedergeburt von oben nötig, dergleichen der Herr dem Nikodemus empfohlen hat und muß der Mensch nun einen neuen Geist aus Gott haben, wo er nur will geschickt sein, mit geistlichen Dingen umzugehen, sonst kann er das Himmelreich gar nicht sehen. Johannes 3. Es ist zu verwundern, daß es Leute in der Kirche gibt, denen es nicht nur unbekannt, sondern gar ein Gespött ist, wenn sie vom Geiste hören, ja die bei ihrer Vernunft und Weisheit nicht glauben, daß es nötig sei, noch einen Geist aus Gott zu suchen oder zu haben, da es doch eine der Grundwahrheiten der Heiligen Schrift und allenthalben anzutreffen ist.

Psalm 52 bittet David um einen neuen Geist, darauf er sich verlassen könne. Die Verheißungen in dem neuen Bunde gehen dahin, daß Gott will das steinerne Herz wegnehmen. Ezech. 36, 26-27, sein Gesetz uns ins Herz schreiben. Jerem. 31. Ob es dann endlich bekannt genug ist, daß die Menschen ohne Christi Geist tot sind, so kann man ihnen doch schwer begreiflich machen, daß sie es sind, sonderlich in der christlichen Religion, da die Leute heilig zu leben scheinen und sind oft von dem Leben, das aus Gott ist, am entferntesten. Epheser 4; Offenbarung 3, 1.

Es können Leute den geschicktesten Verstand und die lebhafteste Phantasie haben, so daß man sie für besonders erfahrene und einsichtige Personen, ja für Wunder der Gelehrsamkeit halten muß, die aber bei allen Sachen Gottes, die sie zusammenzufassen wissen, dennoch ohne geistliches Licht und Verständnis sind. Solche Leute muß man an ihrem Teil stehen lassen und ehren und ihnen nicht sofort alles Gute absprechen, womit man ihnen oft Unrecht tut. Es hat Leute, die gut reden können und zwar mit großer Bewegung ihres oder des Zuhörers Gemüt, die doch noch natürlich, ohne Gnade und tot sind. Es gibt Leute, die gute Gaben und Geschicklichkeit, eine so gute Aufführung und Lebensart, von der guten Erziehung her und sonst haben, daß sie tugendhaft leben, wichtige Sachen ausrichten, und also in einer Republik unentbehrlich sind, die sind aber darum doch keine Kinder Gottes.

Denn man muß wissen, daß das nicht eben allemal Kinder Gottes sind oder sein müssen, die vieles im Reiche Christi ausrichten oder von Gott zu Werkzeugen großer Dinge gebraucht werden, sondern es dürfen nur Werkzeuge Gottes sein und die sind oft dazu klüger und geschickter als die Kinder des Lichts, denn diese sind vielmehr albern und ungeschickt. Man muß bekennen, daß feine, vernünftige, brauchbare und oft in der Sache Gottes nicht wenig bewanderte Personen oft im Grunde des Herzens die größten Toren, Feinde Gottes und Atheisten sind, und die Heilige Schrift beschreibet sie als Menschen nicht aus Gott. Johannes 1.

Auch sind die Menschen schwer zu bereden, daß sie kein Leben und Geist aus Gott haben, wenn sie Gutes tun, beten, singen und lesen, sie können nicht glauben, daß sie auch dabei tot sind, und solches weder Gnade beweist noch ihnen zur Gnade hilft. Man muß sogar stehen lassen, daß sie in gewissen Fällen können erhörlich beten und solches eben noch kein Zeichen der wahren Gnade ist. Weil wir im Gegenteil in Heiliger Schrift viele Exempel haben von dem erhörten Gebet der Unbekehrten, z. E. des Ismaels, Ahabs, der Niniviten usw., von deren rechter Bekehrung man doch nichts weiß. Solches ist alsdann nicht ihnen oder ihrem Gebet, sondern der allgemeinen Liebe Gottes zuzuschreiben, die sich aller ihrer Werke erbarmt und nach welcher Gott seinen Regen und Sonnenschein sowohl den Undankbaren als seinen Kindern zustatten kommen lässet, ja ihnen aus freier Gnade gern mehr Gutes erzeigen wollte, wenn sie es nur könnten fassen, wie er denn auch den jungen Raben ihr Futter gibt, die ihn anrufen. Die Menschen berufen sich auch auf ihre Leiden und die Errettung aus Not und Gefahr als auf Gnadenzeichen. Sie nennen es das Kreuz, aber das ist nur natürliches Elend und weder das Kreuz Christi noch ein Grund, sich für begnadigt zu halten. Aber wer in Christo steht als ein Zweig und Rebe, dessen Leiden ist Christi Leiden und alles, auch das geringste, was man dem tut und was er leidet, das ist wichtig bei Gott. Da nun der Selbstbetrug so gar groß ist, so müssen doch wohl Kennzeichen sein, wobei man an sich und andern untrüglich wissen kann und wonach man sich prüfen könne, woran man ist. Die Heilige Schrift gibt sie zur Genüge, aber, wer versteht ihre klarsten Worte? Wer läßt sie gelten in der Christenheit? Eines der gewissesten Kennzeichen des Lebens aus Gott ist die Bruderliebe. Das ist offenbar. 1. Johannes 3, 14. Damit wir uns aber in keinen Beweis einlassen, dazu die notwendigsten Sätze fehlen, so wollen wir uns nach andern Kennzeichen umsehen, nach solchen Merkmalen, die jedermann gleich sehen und gelten lassen muß. Das ist also kein wahrer Christ, der den Heiland nicht hat.

1. Johannes 5, 12 heißt es: Wer den Sohn nicht hat, der hat das Leben nicht. Das bestätigt er Johannes 6, 11, 5. Johannes sagte: Ein jeglicher Geist, der da nicht bekennet, daß Jesus Christus ist in das Fleisch kommen, der ist nicht von Gott, 1. Johannes 4, 3. »Wer Jesus nicht im Herzen hat, der ist gewiß lebendig tot.« Was heißt aber den Heiland haben? Das heißt nicht bloß, an ihn denken oder was von ihm wissen und reden, sondern den Heiland haben heißt: wenn man ihn wahrhaftig als seinen Heiland erfährt und mit Wahrheit sagen kann: Christus ist auch für mich gestorben und hat mir meine Sünden vergeben. Er lebet in mir und ich in ihm. Galater 2, wenn man das Geheimnis von Christo versteht und weiß, was das auf sich hat: Gott ist offenbart im Fleisch, Christus ist für uns dahingegeben und gestorben und kann dabei im Glauben sagen (Jes. 9): Mir ist ein Kind geboren, der Sohn ist mir gegeben. Das muß man nicht bloß wissen und nachsagen, sondern göttlich glauben und auf sich deuten können mit Freudigkeit und Gewißheit, daß der Heiland auch uns zu gut gekommen ist und dabei muß man einen solchen Eindruck erfahren haben, den man nimmer vergessen kann und dadurch der ganze äußerliche und inwendige Mensch verändert, alle seine Kräfte erschüttert und bewegt, ja, sein Gemüt in eine solche heilige Freude gesetzt wird, wie dort die Emmaus-Jünger und alle die drei- bis fünftausend Seelen, die zur Apostelzeit durch das Evangelium, darin lauter Leben war, erweckt und bekehrt sind, welches auch noch durch eben den Geist und göttliches Wort geschehen kann und geschiehet. Alle nun, die auf solche Art den Heiland nicht haben, noch je also erfahren haben, sind nach Heiliger Schrift im Tode, den Toten gleich. Sie sind eine abscheuliche Figur vor Gott und seinen Engeln, können vor seinem Angesichte nicht bleiben, sondern liegen lebendig im Grabe. Diese Erkenntnis kann einen rechten Eindruck vom Elend und der Gefahr der Sünde geben. Es ist wahr, die leiblich Toten liegen unterschiedlich. Einer in einem prächtigen Gewölbe, der andere im Staube, wenn sie aber erwachten, so würde keiner bleiben wollen, wo er ist, und die prächtigen Grabmäler würden ihren Einwohnern zu keiner Beruhigung dienen. Also ist's auch mit dem geistlichen Tode. Einer liegt freilich in den sichtbarsten Sünden, der andere in einer wohl nur übertünchten und geschmückten Gruft von mancherlei natürlichen Vorzügen.

Aber sie sind beide Tote. Dazu kommt der Unterschied der äußerlichen Beschaffenheiten des menschlichen Lebens, die einem Reichen und Vornehmen die Anschaulichkeit seines Elends viel länger verbergen können als einem Armen und Geringen. Sie sind aber doch beide tot, der's eher weiß und der's später weiß. Überhaupt müssen wir uns nach Gottes Wort richten, und Gottes Wort richtet sich nicht nach uns, sondern wir gehen verloren und können nicht ins Himmelreich kommen, wo nicht ein Geist aus Gott durch Christus in uns kommt. Wenn einer fühlt, daß er tot sei und keinen rechten Geist, Leben und Wesen habe und bittet um den Geist des Lebens und gibt bei seiner toten Untüchtigkeit Gott die Ehre, so ist ihm schon so gut als geholfen. Er ist schon von oben gezeugt und erweckt, sonst würde er so nicht bitten. Gewiß, wenn der Heilige Geist ein Verlangen nach der Gnade wirket, so ist sie da. Johannes 5. Solche Zeiten sind nun im Neuen Testament, daß die geistlich Toten sollen lebendig werden und aufstehen mit Christo, Epheser 2, wie die leiblich Toten bei Christi leiblicher Auferstehung und zwar durch die Stimme des Sohnes Gottes. Das ist nicht die Stimme des Gesetzes, sondern die evangelische Botschaft von Christo, von der Gnade, von der Vergebung, Johannes 3, Ezech. 16. Wer nun die Stimme höret, der soll das Gnadenleben haben. Nun haben nicht alle Menschen Ohren zu hören, sondern Jesus ruft: Hat jemand Ohren zu hören, der höre. Der Glaube ist nicht jedermanns Ding, er ist eine Gnadengabe Gottes. Epheser 2, 8. Darum muß Gott sowohl Augen zu sehen als Ohren zu hören geben, wie es von der Lydia heißt, Apostelgeschichte 16, daß der Herr ihr das Herz aufgetan hat. Dabei ist der Glaube die einzige und nötige Pflicht, welche der Mensch erbitten, suchen und begehren muß. Das ist, was er auf seiner Seite dabei zu tun hat, das andere ist Gottes Werk, daß er uns zum Vertrauen und Gewißheit bringet, ja daß man nach der Angst zur Gnade und Frieden kommt. So muß der Tod mit seinem Recht aufhören und man kommt zum Leben und Freiheit durch Christum. Apostelgeschichte 26, 3. Diese Verheißung macht uns so gewiß, daß wir bei dem elendesten Zustande der Seelen noch hoffen können, man werde sie doch einmal lebendig und mit den Einwohnern im Lande der Lebendigen wohnen sehen. Das Zeugnis der Vergebung der Sünden verursachet ein Jubelfest in der Seele. Der Herr gibt uns eine Mahlzeit in seinem Hause. Da freuen sich alle Hausgenossen Gottes. Da kriegt man ein neues Kleid (2. Kor. 8), einen neuen Geist, der von Christi Fleisch und Blute immer genährt wird. Man bekommt solche Dinge zu sehen und zu hören, die sich keine Phantasie vorstellen kann (1. Kor. 2), noch sie begreifen mag. O, daß sich der Heilige Geist, der göttliche Lebenswind, regt, bewegt, die Seelen auftut. O, daß Jesus, der sich seines Lebens am Kreuze begeben hat, daß unser Tod aufhören und wir ein neues Recht zum Leben haben möchten, bald unser Leben und Auferstehung würde! Wegen der Unwürdigkeit hält er keine Seele zurück. Mit unserem unbegreiflichen Leichtsinn hat er Geduld. Die Falschheit aber kann er nicht leiden. Wer in einer andern Gestalt sich vor ihn hinstellt, als er hat, der redet sich selbst ums Leben. 1. Könige 2, 23.

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