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Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium - Kapitel 19
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authorNikolaus Ludwig von Zinzendorf
titleBekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium
publisherAussaat Verlag GmbH.
editorErich Beyreuther
year1963
correctorJosef Muehlgassner
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Atheismus unter uns

Wer es annimmt, der versiegelt's, daß Gott wahrhaftig sei.
Johannes 3, 33

 

13. März 1746

Es haben sich die gescheiten Leute in unseren Tagen so weit gebracht mit dem Nachweis, daß ein Gott sei, daß es beinahe gefährlich ist, ihnen das zweifelhaft zu machen, und daß man sich selbst verdächtig macht, wenn man sagt: daß der Atheismus der menschlichen Natur und dem Verstande sehr nahe liege.

Es ist aber gleichwohl nicht anders; und bei mir machen sich die Leute schon seit zwanzig, dreißig Jahren verdächtig, daß sie selbst halbe Atheisten sind, wenn sie den Atheismus als eine leichte Sache traktieren, darüber man nur so hingeht. Aber in der Tat läuft es darauf hinaus: man kann die Leute wohl eine Zeitlang dazu bringen, daß ihnen die Idee von einer Gottheit wahrscheinlich wird, aber man kann es nimmermehr dazu bringen, daß es ihnen wahr wird und Amen wird und ewig bleibt und daß sie Brief und Siegel darauf geben können, wie es in unserem Text steht, daß sie Leib und Leben, Kopf und Kragen dransetzen können, daß es Wahrheit ist, daß ein Gott ist, sie haben denn erst ihre Hand in Jesu Seite gelegt und von Herzen zu ihm gesagt: mein Herr und mein Gott!

Wer ein bißchen in der Bibel bewandert ist, der wird finden, daß der Atheismus eine der allerältesten Ideen und beinahe so alt ist als die Welt und gleich angegangen ist, so bald mehr als zwei Menschen auf der Erde gewesen sind. Ich will nicht untersuchen, was den ersten Menschen begegnet ist, da sie dem Versucher mehr glaubten als Gott, und wo das im tiefsten Grunde hergekommen ist. Ich will nur bei der einzigen Sache bleiben, daß das Volk Israel von Abraham oder wenigstens von seinen nächsten Enkeln an in der Erkenntnis Gottes beständig geschwankt hat.

Wenn's zwölf, fünfzehn, laß sein vierzig Jahre, gewähret hat mit dem Glauben, so sind sie immer wieder einmal Atheisten worden. Wenn ihnen die Wunder und Zeichen nicht beständig um den Kopf herum gebrauset, wenn sie nicht immer blitzen sahen und donnern hörten, wenn nicht immer eine Generation nach der andern mit sichtbaren Zeichen des göttlichen Zorns unterging oder gar scharenweise auf einmal dahinfuhr, wenn nicht sich etwa die Erde auftat, oder es war sonst einmal lange kein großes Unglück geschehen, so war ihr nächster Hang immer wieder, alles das, was sie mit ihren eigenen Augen gesehen hatten, zu vergessen und auf andere Grillen zu kommen.

Sie sind im Stande gewesen, zu Moses und Aarons Lebzeiten aus ihren eigenen Ringen und Spangen, aus ihrem eigenen Schmuck, sich ein Rind zu gießen und zu sagen: Israel! das ist dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat. Das hat sich nun so fortgeschleppt von einem Jahr, von einem hundert Jahr, von einem tausend Jahr bis zum andern: so daß der Heiland, als er auf Erden war, das jüdische Volk in zwei Teile geteilt fand, in zwei große Hauptparteien, davon ein Teil, darunter Priester waren, nichts von Engeln, von der Auferstehung und von andern Grundsätzen der Religion hielten. Es kam wohl noch mehr. Paulus, der große Gesetz-Prediger, der große Pharisäer und Held in der Lehre, das Licht seiner Zeit, bekannte und leugnete nicht. Er bekannte: Wir, sagt er, wir waren ohne Christus und ohne Gott in der Welt. Und darum sagt Paulus 2. Korinther 4, 6: Gott selbst hat uns erst aufs Geheimnis gebracht, wie man zur bleibenden Erkenntnis Gottes gelangt, wie man nicht nur dahinter kommt, daß ein Gott ist, sondern es, wie es Johannes ausdrückt, besiegeln lernt, daß ein Gott ist. Man muß den Leuten den Kreuz-Gott vormalen, so entsteht in ihnen eine Erleuchtung von der Erkenntnis der Herrlichkeit der Majestät Gottes. Aber von welcher Ecke her? der Apostel sagt: im Angesichte Christi. »Malt den Leuten den Menschen her, der sich für ihre Not am Kreuze dort so milde geblutet hat zu Tod. Dann ist's richtig, danach haben sie die Erkenntnis von Gott ganz.« Wer ist also und bleibt der einige und unüberwindliche Theologe und Zeuge der Wahrheit? Er selber allein. Da heißt's immer: Er hat's gesagt, Hebräer 1. Er hat selbst deutlich davon geredet, Johannes 1, 8. Wer sein Zeugnis annimmt, wer das Testat seines Vaters annimmt, oder wer ihm auf sein bloßes Wort glauben kann durch des Geistes Antrieb, der hat einen Gott. Wer das nicht kann, der sieht Gott nicht, der kennt ihn nicht, der weiß nichts von ihm, der bleibt Atheist.

Ich leg die Hand in deine Seite und spreche nicht nur, daß, wer weiß wo, ein Gott ist, sondern ich weiß ihn auch zu finden, ich rühre ihn an, im Geist, ich bezeuge, daß er es ist: Du bist's! Du hast die Erde gegründet, die Himmel sind deiner Hände Werk. Deine Hände haben mich zubereitet. Mein Heiland, der sein Leben für mich gelassen hat, der ist Gott, der ist mein Schöpfer, der hat mich gemacht und nicht ich selber.

»Wißt ihr, wer das ist? Er heißt Jesus Christ: der Herr Zebaoth, und ist kein anderer Gott!« Johannes 5, 20.

Das ist nun die große Sache, da ich wollte, daß sie sich alle tief ins Herz einprägten und sonderlich unsre Zeugen. »Geht, Zeugen! Tragt durch aller Erden Breiten das Wort von Jesu Todesgang.« Danach fragt die Heiden nur, ob sie einen Heiland nötig haben und bringt ihnen dann Jesus am Kreuz, so habt ihr sie auf einmal näher, so habt ihr sie ganz, so habt ihr sie so, wie sie ewig bleiben können. Das Argument ist: »Ich brauche ihn, mein Herz fühlt seine Notwendigkeit, da hab ich ihn erfahren, er hat mich gesegnet, er hat mich geheilt, er hat sich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe«.

Wer sich durch das Argument nicht gewinnen läßt, der läßt sich durch die andern nicht anders gewinnen, da ist nichts als Schein, es ist nicht die geringste Realität im Herzen. Und wenn er zwanzig Jahre lang Glaubensbekenntnisse auswendig lernt, und eines immer länger als das andere, eins immer künstlicher als das andere, eines verwirrter als das andere, so glaubt er von einem so viel als vom andern, glaubte er auch eine Zeitlang, in der Zeit der Bewährung, der Versuchung, würde er doch abfallen. Halte was du hast, so wird dir niemand den Kranz nehmen, der auf dich wartet.

 

20. Juni 1751

Es ist unbegreiflich, daß es Christen gibt, die sein Zeugnis nicht annehmen wollen, ja, wie sich der Heiland selbst erklärt, die lieber eines Menschen als sein Zeugnis annehmen, wie wir noch bis zu dieser Stunde sehen. Denn die Leichtgläubigkeit gegenüber einem Menschen ist größer als das Vertrauen zum Heiland, und es lassen sich eher tausend Menschen durch einen falschen Kommentar betrügen, als sich zehn Menschen zu den Herzensgedanken des Heilandes bekehren.

 

1. Juli 1752

Der Heiland hat zwei verschiedene Versiegelungen genannt, und in der Bibel wird noch einer dritten gedacht, mit welcher die Gläubigen versiegelt werden, wovon besonders in der Offenbarung Johannes geredet wird. Der Heiland wird von seinem Vater versiegelt, und wer ihn annimmt, ihn kennenlernt, dem Zeugnis glaubt, das der Vater vom Sohne abgelegt hat, wer die zwei neuen Gesetztafeln: »Glaubet an den Namen des Sohnes und liebet euch untereinander«, annimmt, der wird angesehen als ein Testamentszeuge, als ein Zeuge von dem Grundgesetz der Ewigkeit des Vaters dieses Sohnes; das versiegelt er, das ist eine große Ehre.

Die Dokumente und Urkunden der Kaiser, Könige und Fürsten und alle ihre vornehmsten Handlungen sind allezeit von ihren höchsten Offizieren attestiert und besiegelt worden. In dieser Zeit der Sterblichkeit und Unvollkommenheit hat der Heiland seinen sündigen Kreaturen, nachdem er sie begnadigt, wenige Stufen von Würde gelassen, und sie nur in zwei Teile geteilt, in Glieder der Gemeinde, die bedient werden, und in andere zum Dienste.

Darum wird jeder, der gläubig wird, zu der großen Ehre gelassen, das Dokument des Neuen Testaments, was er an uns gewandt, des Heiligen Geistes Instrument von des Herrn Tod zu attestieren und zu besiegeln. Diese Ehre und Gnade widerfährt allen Gläubigen, wer's annimmt. Wem das nun im Herzen zu einer besiegelten Wahrheit worden, der geht hin zu seinen Brüdern und verkündigt's ihnen. Er beruft sich darauf, daß er ein Zeuge sei, begnadigt und angenommen worden sei und daß er dazu die Hand in die Seite seines Herrn und Gottes gelegt habe. Und so predigt er, was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat, wie teuer er erworben ist aus lebendiger Erfahrung und Gewißheit, macht wieder solche Leute, ist ein Sauerteig, der wieder andere durchsäuert und dieser wieder andere, so daß eine beständige Zirkulation der Freunde und Geschwister des Heilands ist, bis daß er kommt. Die Materie hat unser Herz eingenommen, drum bringen wir unsere Lebenstage und -stunden so gern damit zu, darum ist's uns immer auf der Zunge, ja es drückt, wie es in unsern Liedern einmal hieß, es drückt auf Zung und Lunge, es möchte einem das Herz abdrücken, wenn man's verschweigen müßte und sein nicht gedenken dürfte.

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