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Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium - Kapitel 18
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authorNikolaus Ludwig von Zinzendorf
titleBekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium
publisherAussaat Verlag GmbH.
editorErich Beyreuther
year1963
correctorJosef Muehlgassner
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Meine Freude

Dieselbige meine Freude ist nun erfüllet.
Johannes 3, 29b

 

16. August 1744

So redet Johannes der Täufer, dessen Amt schon etwas von der Morgenröte, der neuen Sonne hatte, von der neuen Klarheit des Amts, das die Versöhnung prediget, und darum war er der größte unter allen denen, die von Weibern geboren sind. Die Hauptsache, die wir miteinander zu betrachten haben, ist die Freude, von der Johannes gesagt hat: dieselbe meine Freude ist nun erfüllet »was der alten Väter Schar höchster Wunsch und Sehnen war und was sie geprophezeit, das war erfüllt«. Da stand der Mann, der vor Johannes, der vor Abraham gewesen war, der vor allen Zeiten gewesen: Sehet, das ist Gottes Lamm, sagt er, es wird die Sünde der Welt wegtragen. Besinnt euch nun, sagt er, was für eine Freude allemal ist, wenn der Bräutigam kommt. Der Freund freut sich, sagt er. Aber deswegen ist er doch nur ein Gast auf der Hochzeit wie die andern. Die Braut ist nicht seine, der Bräutigam hat die Braut. Aber es ist dem Freunde genug, wenn er nur sieht, wie froh der Bräutigam ist, wenn er nur seine Freude sieht, da ist ihm wohl. Nun, sagt Johannes, das Glück habe ich nun, dieselbe Freude habe ich nun, und sie ist so weit, ich kann nun nichts mehr fordern, ich kann nichts mehr begehren, wie dort Jakob sagt: ich will nun gern sterben, meine Freude ist nun erfüllt. Nun habe ich sie ganz, nun habe ich nichts mehr zu wünschen und nichts mehr zu begehren. Meine Freude ist etwas Besonderes. Da die Jünger zum Heiland kamen und sagten: es sind uns auch die Teufel untertan! O, sagt der Heiland, das ist das geringste, darüber freuet euch nicht, freuet euch, daß eure Namen angeschrieben sind im Himmel, freuet euch, daß ihr die Leute selbst seid, dazu ihr andere machen wollt, daß ihr die Seligkeit selbst habt, die ihr andern geben wollt, du wirst dich selbst selig machen, sagt der Apostel, mit denen, die dich hören. Aber gleichwohl haben sie noch einen Gedanken dabei: nämlich, es ist ihnen nicht genug, daß sie seine Stimme hören, daß er sie kennt und daß sie ihn kennen und daß sie ihm nachfolgen dürfen, wo er hingeht, daß sie niemand aus seiner Hand reißen kann.

Ich will euch also doch von der Freude was sagen, die die Leute haben, die da gebraucht werden an anderen Menschen, die das Amt der Freunde des Bräutigams haben, die der Heilige Geist selbst aussendet, daß sie sichtbar sollen im tausendsten Teil an den Menschen tun, was er in allen Teilen zugleich tut, was er im Ganzen tut. Sie haben eine Freude. Was ist das für eine Freude? Die Freude, daß der Bräutigam da ist. Das ist gar nicht einerlei, ob der Bräutigam selber da ist oder ob nur seine Leute handeln, reden und machen. Es ist uns das gar nicht einerlei, ob wir handeln oder er handelt. Wenn die Seelen sich an die Menschen hängen, wenn die Seelen mit Menschen zufrieden sind, wenn die Seelen den Menschen alles glauben, wie das so in der Welt zugeht, so wird der größte Teil betrogen. So bekehren Lehrer die Schüler zu sich, was sie glauben, das glauben die Anhänger auch, solange sie es glauben. Wenn ein solcher armer Mann dann in Verwirrung gerät, so sind sie alle verwirrt, wenn ein solcher armer Mann vor der Zeit von ihnen genommen wird, so sind sie alle hin. Wenn man in zehn Jahren wieder hinkommt und er hat zweitausend Menschen bekehrt, aber nicht zum Heiland, sondern zu sich, so ist's alles, was man noch erwarten kann, daß von Zweitausend noch zwölf sind, die den Mann loben, die sich seiner noch erinnern, die nicht etwa von dem Heiland und von seinem Gnadenwerke, sondern von der Arbeit des Knechtes Gottes lobend und rühmend sprechen.

Ein jeder, wenn ihrer auch zehntausend sind, muß seine ganz eigene besondere Bekanntschaft mit dem Heiland haben, einem jeden muß der Freund selbst erscheinen in dem Bilde, wie er für ihre Not am Kreuze sich so milde geblutet hat zu Tod, und es muß sich kein Zeuge gegen die andern rühmen, daß er den Heiland gesehen hat und sie nicht, sondern das ist die neutestamentliche Gnade, daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir bin, daß sie alle meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, daß in Ansehung der Liebe und Anhänglichkeit gegen ihr gekreuzigtes Haupt kein Unterschied ist, wer eins sieht, der sieht sie alle. Ist ein Unterschied, so besteht er in Erfahrung, so besteht er in Jahren, so besteht er in Ämtern, so besteht er in allerlei Proben, so besteht er in der mehrern Kindlichkeit oder Ernst der Seelen, aber im Blick auf den Bräutigam, gleiche Liebe, gleiche Gnade, gleiche Erscheinung, gleiche Herzlichkeit. Denn bei ihm sind sie alle gleiche Leute. Die Freude selbst besteht darin, wenn ich weiß, daß alle, mit denen ich bekannt bin, die ich lieb habe, denen ich predige, mit denen ich das Abendmahl halte, die haben den Heiland alle selbst. Es heißt: Sie sollen mich – den Heiland – alle kennen, klein und große, beide, Anführer und Schüler, beide, Erwachsene und Kinder. Das ist meine Freude.

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