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Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: Bekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium - Kapitel 13
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authorNikolaus Ludwig von Zinzendorf
titleBekenntnis zu Jesus Christus nach dem Johannes-Evangelium
publisherAussaat Verlag GmbH.
editorErich Beyreuther
year1963
correctorJosef Muehlgassner
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Verborgenheit

Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet halt, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden.
Johannes 3, 14

 

13. März 1750

Eine Hauptsache beruht auf dem Also; also mußte des Menschen Sohn erhöhet werden. Der Heiland mußte sterben und das mußte gerade auf die Art geschehen, wie es im Rat der Wächter ausgemacht und dann geweissaget worden. Diesen Zweck zu erhalten, hat er Maßregeln nehmen und Methoden brauchen müssen. Er hat in seiner Jugend eine Zeitlang in der Fremde leben müssen. Er hat hernach bis ins dreißigste Jahr in seines Vaters Hause aufhalten, ein Zimmermann sein und es so sehr verbergen müssen, daß er eine besondere Person sei, daß sogar seine nächsten Verwandten dafür hielten, das Lehren sei sein Beruf nicht. Er maße sich etwas an, das er nicht ausführen würde. Sie ließen ihn darüber soviel verdrießliche Reden hören und trieben's in dem Unglauben so weit, daß der Heiland kein Zeichen unter den Leuten tat, weil alles nur Wasser auf einen heißen Stein gewesen wäre.

Wenn das nichts Frappantes ist, daß selbst der Schöpfer aller Dinge, zur Ausführung seiner Absichten, dreißig Jahr in Mühseligkeit und Unerkanntheit hinbringen muß, so daß er immer ganz was anders zu sein schien und die Leute selbst daran gewöhnt, daß sie darüber alles vergessen, was in seiner Kindheit mit ihm vorgegangen, wenn das nichts Merkwürdiges ist, so ist's in der Welt nichts.

Das mag ja aller Nachahmung wert sein bei uns armen Kindern, die noch dazu von ihrem Plan so wenig verstehen! Müssen wir uns nicht schämen, wenn wir manchmal kaum einige Wochen auf etwas warten können, da der Heiland dreißig Jahre drauf gewartet, daß er etliche Jahre in Ruhe lehren und dann wieder zu Gott gehen könnte, auf die vorbestimmte Weise, das ist: sterben, und am Kreuze sterben?

Er war in den 2, 3 Jahren seines Lehramtes oft in Gefahr, in einem Tumult hingerichtet zu werden, welches die Pharisäer mehrmals versucht hatten. Es wäre auch wohl geschehen, und er wäre in der Stille auf die Seite gebracht worden, wenn sich nicht einer von seinen Jüngern angeboten hätte, ihn dem Gerichte zu überliefern. Er mußte öffentlich sterben, sein Tod mußte ein Spektakel sein, welches in die Geschichtsbücher kommen, und davon die ganze Welt reden sollte. Es mußte ein Zeichen seines Todes gesetzt und ein Kreuz dazu aufgerichtet werden, dessen Bildnis die Könige und Fürsten der Erden am Halse und auf den Kronen tragen, sich dadurch öffentlich zu dem an das Holz Gehenkten bekennen und vor dem Throne des Kreuzes ihre Kronen niederlegen könnten. Das mußte alles sorgfältig geplant werden, damit es also geschehen möchte, wie droben ausgemacht und drunten prophezeit worden.

»Es dient zu unsern Freuden, bekommt uns herzlich wohl.« Es ist uns wichtig, daß er auch die Art und Weise seines Todes in seiner Hand gehabt. Herodes ließ ihn einmal aushorchen und etliche schlimme Hofleute taten, als wollten sie ihm einen guten Rat geben, daß er sich auf die Seite machen möchte, sonst würde ihn Herodes umbringen. O, sagte der Heiland, sagt dem listigen Manne wieder, er würde mir nichts tun, heute ist mein Tag noch nicht, daß ich sterben soll, morgen auch nicht, ich muß noch ein wenig Zeit haben, und wenn dann meine Stunde kommt, so wird er auch wohl etwas davon erfahren, bis dahin tue ich mein Werk und fürchte mich vor ihm gar nicht.

Von der Art war Luthers Resolution, nach Worms zu gehen, wenn auch so viel Teufel da wären, als Ziegel auf den Dächern. Da ihn der Reichsfiskal aufs Leben verklagte, da verzagten seine Sinne nicht. Wie er aber zurückkam, so mußte er auf die Seite gehen und wie die Augsburgische Konfession übergeben wurde, durfte er auch nicht dabei sein.

Es hat alles seine bestimmten Wege und guten Ursachen und Regeln, wenn wir die zu Herzen nehmen, so werden wir keine vergebliche Arbeit tun. Die Klugheit der Gerechten geht nicht darauf hinaus, uns dem Leiden zu entziehen, oder gelobt, geehrt und reich zu werden, sondern das ist der Punkt, den man immer im Auge zu behalten angewiesen ist, daß man den Zweck erhalte, daß man auf die vorbestimmte Weise leide und im Erliegen siege. Das kann man sich durch vorschnelle und unnütze Unternehmungen ohne Auftrag, durch unzeitige Heldenhaftigkeit, gar sehr verderben. Das müssen wir uns abgewöhnen und lernen Geduld haben, unsere Schmach tragen, einfältig darunter hingehen oder auch über uns weggehen lassen. Das wollen wir vom Heiland lernen und uns sein Exempel vor Augen setzen, nicht nur uns daran zu erfreuen, sondern auch als einen Spiegel, darin wir uns besehen und unsern Wandel danach prüfen und bessern können und sehen, ob wir bei unserer Heimfahrt auch sagen können: Ich habe deinem Willen gedient hier auf Erden, es ist geschehen, was du mir befohlen hast.

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