Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Hans Fallada >

Bauern, Bonzen und Bomben

Hans Fallada: Bauern, Bonzen und Bomben - Kapitel 34
Quellenangabe
typefiction
authorHans Fallada
titleBauern, Bonzen und Bomben
publisherRowohlt
year1970
isbn3499106515
firstpub1931
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150405
projectida9d0209c
Schließen

Navigation:

9

Am 16. abends erhält Manzow den Bescheid, daß der Regierungspräsident die Bauerndemonstration verboten hat.

Es geht alles glänzend.

Manzow rafft seine Leute zusammen und fährt am nächsten Morgen um 6 Uhr mit dem gesamten Versöhnungsausschuß nach Stolpe.

Die Herren sind wild: »Wenn die Demonstration nicht erlaubt wird, dann läuft der Boykott bis in die Ewigkeit, noch mal kommen die Bauern uns nicht.«

»Und wenn sie nicht erlaubt wird, was machen wir da mit dem Geld?«

»Dann kriegt jeder das zurück, was er gezahlt hat«, erklärt Manzow. »Natürlich nach Abzug unserer Unkosten.«

Um 7 hält das Auto vor der Villa des Präsidenten.

Die Wirtschafterin Klara Gehl erklärt es für unmöglich, den Herrn Präsidenten jetzt zu stören. Aber die Herren haben es eilig. Um 10 Uhr sind die Bauern schon in Altholm.

Immerhin müssen sie eine halbe Stunde auf dem Vorplatz warten. Dann erscheint schwitzend, noch unrasiert, Herr Assessor Meier. Aus dem Bett herbeitelefoniert, damit Herr Temborius einen Zeugen hat.

Die Unterhaltung zwischen den Herren ist kurz:

Manzow: »Zu unserer grenzenlosen Überraschung haben wir, Herr Präsident, gehört, daß Sie die geplante Versöhnung mit den Bauern verboten haben.«

Temborius scharf: »Ja. Ich habe sie verboten. Ich denke nicht daran, solchen Wahnsinn zuzugeben. Staatsverbrecher.«

Manzow: »Aber sämtliche anderen Demonstrationen sind für heute erlaubt. Stehen die Bauern unter Ausnahmerecht?«

Temborius: »Die öffentliche Ruhe und Sicherheit ist durch diese Demonstration gefährdet.«

Manzow: »Ich übernehme als Vertreter der Stadt Altholm die Gewähr, daß kein Altholmer Bürger oder Arbeiter daran denkt, die Demonstration zu stören.«

Temborius: »Und wenn auswärtiger Zuzug Unbesonnenheiten begeht? Nein. Nein. Nichts. Gar nichts.«

Manzow: »Auswärtiger Zuzug? Die Polizei hat es ja in der Hand, die Zuzugsstraßen abzusperren.«

Temborius: »Ich kann doch keine öffentlichen Straßen sperren.«

Manzow: »Dann ist der Wirtschaftsfriede wieder in die Brüche gegangen und Altholm vor dem Ruin.«

Temborius: »Staatsbelange gehen vor.«

Manzow: »Aber die Bauern sind bereits unterwegs.«

Temborius: »Schupo empfängt sie auf dem Bahnhof und sorgt für sofortigen Rücktransport.«

Manzow: »Die Haltung der Regierung ist gesetzwidrig.«

Temborius, giftig: »Das überlassen Sie bitte mir.«

Manzow: »Guten Morgen.«

Temborius schweigt.

Draußen sagt Dr. Hüppchen erstaunt: »Sie waren ja mächtig scharf, Herr Manzow. Der Präsident hätte vielleicht mit sich reden lassen.«

»Der? I wo! Nur keine Schwäche. Nun kommt alles darauf an, daß wir sofort einen glänzenden Bericht an die Zeitungen geben, der unsere Arbeit rausstreicht. Noch eine Niederlage kann die Versöhnungskommission nicht ertragen.«

»Das macht sich leicht.«

»Ja, darin werden wir morgen alle gut abschneiden.«

»Wieso grade morgen?«

»Nun, soweit wir auf den Wahllisten stehen. Ich, Lienau und Meisel.«

»Ach so, selbstverständlich. Gehen Sie nun eigentlich noch zum Bauernempfang auf den Bahnhof?«

»Hat es Zweck? Vielleicht verlangen die dann nur das Geld? Und das kriegen sie jetzt nicht.«

Dr. Hüppchen fragt: »Und wird der Boykott weiterlaufen?«

»Glaube ich nicht Wo die Bauern uns nun einmal gekommen sind. Ich habe mein Ziel erreicht«

 << Kapitel 33  Kapitel 35 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.