Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Hans Fallada >

Bauern, Bonzen und Bomben

Hans Fallada: Bauern, Bonzen und Bomben - Kapitel 33
Quellenangabe
typefiction
authorHans Fallada
titleBauern, Bonzen und Bomben
publisherRowohlt
year1970
isbn3499106515
firstpub1931
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150405
projectida9d0209c
Schließen

Navigation:

8

Am nächsten Morgen weiß er, daß er noch nicht geplatzt ist. Hoffnungsvoll sieht er auf die kommenden Wahlen. Er braucht keine Rede zu halten, er wird die beste Propaganda von der Welt haben: Die Versöhnung mit den Bauern hat er gemacht. Am 17. soll der große Versöhnungstag sein.

Am 16. morgens übergibt Manzow der Presse das Material: Programm und Schmus, alles ist fertig. Und er gar nicht mal übermäßig rausgestrichen.

Am 16. mittags geht Manzow zum Stadtrat Röstel. Röstel hat das Polizeidezernat vom Bürgermeister Gareis übernommen.

Manzow begrüßt ihn freundschaftlichst.

»Na, Sie wissen ja schon, warum ich komme?«

»Nee, keinen Schimmer.«

»Nun, morgen die Bauerndemonstration. Der Umzug durch die Straßen. Ich will's doch wenigstens offiziell anmelden.«

»Keine Ahnung. Was ist das?!«

»Sie haben doch unsern Aufruf in den Zeitungen gelesen ...«

Manzow berichtet.

Stadtrat Röstels Stirn verfinstert sich: »Jetzt? Direkt vor den Wahlen? Ich bitte Sie, Herr Manzow! Das ist doch gänzlich ausgeschlossen!«

»Wieso ausgeschlossen?« Manzow strahlt.

»Daß es wieder zu Zusammenstößen kommt! Wie denken Sie sich das? Die Bauern mit der Fahne durch die Stadt? Ganz unmöglich.«

»Das Gericht hat festgestellt, daß die Fahne zulässig und von der Polizei zu schützen ist.«

»Wenn schon. – Außerdem hat die Staatsanwaltschaft die Fahne wieder beschlagnahmt.«

»Das macht nichts. Ich habe ein Duplikat machen lassen. Sie haben nicht die geringste gesetzliche Handhabe zum Verbot.«

Röstel wird immer aufgeregter: »Sie wollen ein Politiker sein? Das ist Wahnsinn, was Sie sich da ausgedacht haben!«

»Wieso Wahnsinn? Morgen ziehen die Kommunisten durch die Straße und das Reichsbanner und wir Demokraten. Und die Partei der Gastwirte, die Reichswirtschaftspartei macht auch einen Umzug. Und die Nazis. Und ausgerechnet die Bauern dürfen nicht? Das gibt es doch gar nicht!«

»Sie wissen ganz genau, was da für ein Unterschied ist. Was sollen wir darüber noch groß reden.«

»Ich habe die Bauern bestellt. Die Bauern kommen um zehn. Und die Bauern demonstrieren, das sage ich Ihnen, Herr Stadtrat«

»Und die Bauern demonstrieren nicht, das sage ich Ihnen, Herr Stadtverordnetenvorsteher.«

Manzow kommt noch grade rechtzeitig auf die Redaktion, um eine zündende Notiz zu inspirieren, daß die Stadtverwaltung Altholm nach so viel Opfern der Bürger den Wirtschaftsfrieden nicht zu wollen scheine. Der stellvertretende Polizeiverwalter Röstel usw. usw. Der verdienstvolle Stadtverordnetenvorsteher Manzow ...

 << Kapitel 32  Kapitel 34 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.