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Bauern, Bonzen und Bomben

Hans Fallada: Bauern, Bonzen und Bomben - Kapitel 32
Quellenangabe
typefiction
authorHans Fallada
titleBauern, Bonzen und Bomben
publisherRowohlt
year1970
isbn3499106515
firstpub1931
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150405
projectida9d0209c
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7

Stuff macht die Gattertür auf. Stolper Straße 72.

Als er über den Hof geht, sieht er, daß die Fenster dunkel sind, und es ist noch nicht neun. In der Tasche sucht er nach Streichhölzern.

Die Tür ist unverschlossen, er tritt ein.

Eine Stimme fragt: »Wer ist denn da? Bleiben Sie doch draußen. Ich will niemanden sehen.«

»Mich doch«, sagt Stuff und brennt ein Streichholz an. Dann entzündet er die Lampe.

Das Zimmer sieht wüst aus. Seit vielen Tagen ist hier nichts gemacht. Wirr, mit verzottelten Haaren, hockt die Frau am Fenster. Die Kinder schlafen, halb nur ausgezogen. Die Bettwäsche ist schwarz.

»Eigentlich schade um die Kinder«, sagt Stuff und schmeißt einen Haufen Gelumpe aus einer Sofaecke, um sich Platz zu machen.

»Daß sie auch solche werden wie ihr Vater«, sagt die Frau.

Stuff ist geduldig. Nach einer Weile fragt er: »Haben Sie eigentlich noch Geld?«

»Weiß nicht. Doch ja. Geld ist noch da. Über hundert Mark.«

»Und was soll werden, wenn die alle sind?«

»Weiß ich's. Es wird sich schon was finden.«

Wieder Pause.

Dann: »Geschrieben hat er also nicht?«

Und sie: »Der schreibt nicht.«

»Er will vielleicht erst was haben, daß er Geld schicken kann.«

»Der schickt kein Geld. Der holt sich lieber was.«

Lange Stille. Dann sagt Stuff energisch: »Also hören Sie zu, Frau Tredup. Ich habe mir in Stolpe eine Dreizimmerwohnung gemietet mit Gas, Elektrisch, Bad und allem. Zwei Zimmer sind schon eingerichtet. Ihre Sachen holt morgen der Möbelmensch.«

»Ich geh nicht fort von hier.«

Stuff fährt ungerührt fort: »Die Kinder nehm ich jetzt gleich mit. In der Schule hab ich sie heute nachmittag schon abgemeldet. Wenn Sie wollen, führen Sie mir den Haushalt, wenn Sie nicht wollen, bleiben Sie hier. Aber die Sachen kommen weg.«

»Ich bleib hier.«

»Aufstehen, Hans, Grete!« sagt Stuff. »Wir fahren nach Stolpe. Wir gehen fort von hier.«

Die Kinder sind gleich wach und begeistert. Ungeschickt hilft ihnen Stuff beim Anziehen und Sachenpacken.

Die Frau sitzt am Fenster.

Plötzlich schlägt Stuff wütend auf den Tisch: »So ein gottverfluchtes Schwein! Meinen Sie denn, daß er das wert ist?« Die Frau rührt sich nicht.

Stuff seufzt schwer: »Na, denn kommt man, Kinder. Sagt der Mutter Adieu.« Und plötzlich ist er ganz Energie: »Also los, Frau Tredup. Mantel an und Hut auf. Ich denke gar nicht daran, Sie hier zu lassen. Das bißchen Zeug packen die Möbelleute auch allein. Abmarsch!«

Unterdessen sitzt Manzow im Hotel Arcona.

»Der Schuft, der Stuff, kommt doch nicht! Ob er noch zum Sparkassenrendanten gegangen ist? Dann bin ich geplatzt.«

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