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Bauern, Bonzen und Bomben

Hans Fallada: Bauern, Bonzen und Bomben - Kapitel 30
Quellenangabe
typefiction
authorHans Fallada
titleBauern, Bonzen und Bomben
publisherRowohlt
year1970
isbn3499106515
firstpub1931
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150405
projectida9d0209c
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5

»Warum sind Sie eigentlich so mißtrauisch, Herr Stuff?« sagt Manzow. »Wenn es jetzt nicht Abend wäre, ginge ich mit Ihnen zur Sparkasse und zeigte Ihnen die fünfundzwanzigtausend.«

»Ich glaube im Leben nicht, daß die hier das Geld aufgebracht haben. Ich kenne doch die Altholmschen! Sie wollen uns reinlegen. Wissen Sie was, lassen Sie mich mit dem Direktor sprechen oder mit dem Sparkassenrendanten.«

»Können Sie gerne. Wir rufen gleich mal an. Aber ich will Ihnen vorher was beichten ...«

»Na, denn los. Ich wußte doch, daß dieser Käse stinkt.«

»Ich habe den Gebhardt belämmert. Von den fünfundzwanzigtausend hat er allein zehntausend gegeben.«

»Glaube ich nie.«

»Wenn er protzen kann! Ich hab ihm stecken lassen durch den Meisel, Oberbürgermeister Niederdahl hätte gesagt: Der Gebhardt, der gibt doch nichts, der gibt doch höchstens fünfzig Mark. Da zeichnet er tausend. – Und da habe ich die Zahl schief angeguckt und hab gesagt: ›Ich würde noch eine Null hinten dran machen, Herr Gebhardt, Sie haben doch einen Rolls-Royce. Da paßt tausend doch nicht dazu. Tausend wird wohl auch Niederdahl zeichnen.‹ Er hat mich angestöhnt, aber die Null hat er dazugemacht.«

Stuff grinst: »Wenn Sie es so gemacht haben, Manzow, glaub ich's. Was mich nur giftet, ist, der Kerl fährt deswegen doch an die Riviera, nur druckst er jetzt schon, wie er's wieder einsparen kann. Weihnachtsgratifikationen werden seine Leute nicht kriegen.«

»Also wir machen es so: morgens zehn Uhr Sammeln vor dem Tucher. Zug durch die Stadt zur Viehhalle. Übergabe der Fahne durch Medizinalrat Dr. Lienau. Sämtliche Kriegervereine sind aufmarschiert. Rückmarsch mit Fahne und Musik durch die Stadt. Gemeinsames Festessen in sämtlichen Lokalen.«

»Und das Geld?«

»Bekommen Sie auch in der Viehhalle.«

»Warum eigentlich nicht heute oder morgen?«

»Weil wir Ihnen auch nicht ganz trauen, Stuff. Wenn die Bauern nun nicht kommen, wenn die nicht Order parieren ...«

»Die kommen schon.«

»... dann bin ich blamiert. Drei Tage vor den Wahlen. Und dann darf ich das Geld ersetzen.«

»Die Bauern kommen.«

»Seien Sie doch nicht so mißtrauisch. Wenn ich das Geld nicht zahlen kann, bin ich doch der Blamierte. Dann habe ich doch in Altholm ausgespielt. Dann bin ich doch meines Lebens nicht mehr sicher.«

»Recht haben Sie«, sagt entschlossen Stuff. »So dumm sind Sie schließlich auch nicht, Herr Manzow.«

»Und jetzt denke ich, setzen wir uns irgendwo zusammen hin und feiern die Versöhnung im voraus. Im Arcona sind die Rebhühner glänzend. Er macht sie mit Wacholderbeeren und irgendwelchen fabelhaften Kräutersträußchen, eine Wonne, sage ich Ihnen, mit einem schönen schweren Bordeaux ...«

»Nee, danke«, sagt Stuff. »Ich muß erst noch einen Weg machen. Aber so in zwei Stunden schau ich mal rein ...«

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