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Bauern, Bonzen und Bomben

Hans Fallada: Bauern, Bonzen und Bomben - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorHans Fallada
titleBauern, Bonzen und Bomben
publisherRowohlt
year1970
isbn3499106515
firstpub1931
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150405
projectida9d0209c
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Vorspiel
Ein kleiner Zirkus namens Monte

1

Ein junger Mann stürmt den Burstah entlang. Während des Laufens schießt er wütende, schiefe Blicke nach den Schaufenstern der Läden, die in dieser Hauptstraße von Altholm dicht an dicht liegen.

Der junge Mann, um die 25, verheiratet und nicht häßlich, trägt einen alten schwarzen Rockpaletot, blankgescheuert, einen breitkrempigen schwarzen Filz und schwarz umränderte Brille. Sein Gesicht dazu – und er scheint ein Leichenbitter, würdig jeder »Pietät« und »Ruhe sanft«.

Wenn schon der Burstah der Broadway von Altholm ist, lang ist er nicht. Nach drei Minuten ist der junge Mann am letzten Haus, direkt am Bahnhofsplatz. Er spuckt kräftig aus und verschwindet nach dieser neuen Äußerung seiner Stinkwut im Hause der Pommerschen Chronik für Altholm und Umgebung, Heimatblatt für alle Stände.

Hinter der Barre der Expedition hockt eine gelangweilte Tippeuse, die das Manuskript eines Zeitungsromans wegstecken will. Sie bremst diese Bewegung ab, als sie sieht, es ist nur der Annoncenwerber Tredup.

Er schmeißt einen Papierfetzen auf den Tisch: »Da! Das ist alles. Geben Sie's in die Setzerei. – Sind die andern drinnen?«

»Wo sollen die denn sonst sein?« fragt die Schöne dagegen. »Wird das berechnet?«

»Natürlich wird das nicht berechnet. Haben Sie schon mal gesehen, daß ein Affe uns Anzeigen bezahlt hat?! Neun Mark kostet sie. War der Chef schon unten?«

»Der Chef erfindet schon wieder seit fünf.«

»Gott soll schützen! Und die Chefin? Duhn?«

»Weiß nicht. Denke. Fritz hat ihr um acht eine Pulle Cognac holen müssen.«

»Dann ist ja alles in schönster Ordnung. – O Gott, was mich dieser Stall ankotzt! – Sind die drinnen?«

»Das haben Sie schon mal gefragt.«

»Haben Sie sich nicht, Klara, Klärchen, Klarissa. Ich hab Sie heute nacht um halb eins aus der Grotte kommen sehen.«

»Wenn ich von meinem Gehalt leben sollte ...«

»Weiß ich, weiß ich. Ob der Chef Geld hat?«

»Ausgeschlossen.«

»Und der Wenk, hat der was in der Kasse?«

»Ostseekino hat gestern abend bezahlt.«

»Also hole ich mir Vorschuß. Drinnen ist er doch?«

»Ich glaube, Sie haben ...«

»Das schon einmal gefragt. Mehr als eine Walze, bitte, meine Holde. Vergessen Sie nicht das Inserat.«

»Gott. Und wenn schon.«

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