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Felix Salten: Bambi - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Salten
titleBambi
publisherFischer Bücherei
year1956
firstpub1923
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20140913
modified20161027
projectid154624be
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Eines Tages erschien Marena wieder.

Sie war damals, als Gobo verschwand, fast schon erwachsen gewesen, aber man hatte sie seither fast nie gesehen, denn sie hielt sich immer abseits und ging einsame Wege.

Sie war schmächtig geblieben und sah ganz jung aus. Doch sie war ernst und still und übertraf alle anderen an Sanftmut. Nun hatte sie vom Eichhörnchen, von Häher und Elster, Drossel und Fasan gehört, daß Gobo heimgekommen sei und wunderbare Dinge erlebt habe. Da erschien sie, um ihn zu sehen. Gobos Mutter war sehr stolz und glücklich über den Besuch. Gobos Mutter war überhaupt sehr stolz geworden in ihrem Glück. Sie freute sich, daß der ganze Wald von ihrem Sohne sprach, sie schwelgte in seiner Berühmtheit und sie verlangte, ein jeder solle anerkennen, daß ihr Gobo der Klügste, der Fähigste und der Beste sei.

»Was sagst du, Marena?« rief sie. »Was sagst du zu Gobo?« Sie wartete keine Antwort ab und fuhr fort: »Erinnerst du dich noch, wie Frau Nettla gemeint hat, er sei nicht viel wert, weil er in der Kälte ein wenig gezittert hat . . . erinnerst du dich noch, wie sie mir prophezeit hat, ich werde nicht viel Freude an ihm erleben?«

»Nun, Sie haben ja wohl Kummer genug gehabt um Gobo«, antwortete Marena.

»Das ist doch vorbei!« rief die Mutter und war verwundert darüber, daß jemand noch an diese Dinge denken könne. »Ach, mir ist es so leid um die arme Frau Nettla. Wie schade, daß sie nicht mehr lebt und nicht mehr sehen kann, was aus meinem Gobo geworden ist!«

»Ja, die arme Frau Nettla«, sagte Marena leise, »es ist schade um sie.«

Gobo hörte es gerne, wenn seine Mutter ihn so lobte. Es gefiel ihm. Er stand dabei und fühlte sich unter diesen Anpreisungen so wohlig wie im warmen Sonnenschein.

Die Mutter erzählte Marena: »Sogar der alte Fürst ist gekommen, um Gobo zu sehen . . .« Sie sagte das geheimnisvoll, flüsternd und feierlich. »Noch nie hat er sich unter uns blicken lassen . . . aber wegen Gobo ist er gekommen!«

»Warum hat er ›Unglücklicher‹ zu mir gesagt?« fiel Gobo unzufriedenen Tones ein. »Ich möchte wissen, was das für einen Sinn haben soll!« »Laß doch«, tröstete die Mutter, »er ist eben alt und wunderlich.«

Doch Gobo machte sich endlich Luft: »Die ganzen Tage her geht mir das immer wieder durch den Kopf. Unglücklicher! Ich bin gar nicht unglücklich! Ich bin sehr glücklich! Ich habe mehr gesehen, mehr erlebt als alle anderen! Ich weiß mehr von der Welt und ich kenne das Leben besser als irgendeiner hier im Walde! Was meinst du, Marena?«

»Ja«, sagte sie, »das kann gewiß niemand leugnen.«

Von diesem Tage an gingen Marena und Gobo immer zusammen.

 

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