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Balladen und Bilder

Gustav Schüler: Balladen und Bilder - Kapitel 50
Quellenangabe
typepoem
authorGustav Schüler
titleBalladen und Bilder
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
printrun1. - 3. Tausend
year1914
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20150910
projectid3da450f6
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Im Jugendgerichtshof

Ein Dutzend Jüngelchen war mit Verweis
Und gütig ernster Mahnung fortgekommen.
Nun noch die letzte. – Langsam tritt sie ein.
Ein überschlankes blondes Dingelchen.
Die sechzehn Jahre fallen ihr wie Perlen aus den Haaren.
Die Augen kehrt sie ein, die schmalen Hände
Zucken und würgen an dem Taschentuch,
Das sie wie Stricke windet und entwirrt.
Die schwarzen Halbhandschuhe leiden Not –
Der eine ist beim Strickedrehn zerrissen!
Was reißt, das reißt – sie dreht und wickelt weiter. –
Der Richter redet freundlich auf sie ein,
Ob sie nicht von dem Wege lassen wolle.
Ein klanglos: »Ja«. – »So sehn Sie mich doch an!«
Ihr graues Auge schlägt sich ruckweis auf.
Sie sieht den Richter an wie – einen Mann!
Sie kann nicht anders sehn!
Dann faltet sie die Augen wieder zu,
Um keinen Funken Feuers zu vergeuden.
Sie wird es brauchen. – Und so geht sie hin.

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