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Balladen und Bilder

Gustav Schüler: Balladen und Bilder - Kapitel 48
Quellenangabe
typepoem
authorGustav Schüler
titleBalladen und Bilder
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
printrun1. - 3. Tausend
year1914
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20150910
projectid3da450f6
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Die Liebesmühle

Mühle mit dem Narrenwappen
Auf den Flügeln eingeätzt.
Hei des Winds! Die Flügel klappen!
Und es kreist das Narrenwappen,
Wie die Liebesmühle schwätzt.

Don Quichotes auf wüsten Gäulen
Kommen klappernd angetrabt.
Hei, wie da die Flügel keilen!
Bis sie von den Herrn und Gäulen
Manchen Fetzen abgeschabt.

Einen kirschenroten Lappen
Hängt der Müller aus dem Guck.
Und er lacht zu seinem Wappen,
Zu dem kirschenroten Lappen,
Frech im Winde, frech und schmuck!

Mit Bockssprüngen plärren Greise
Eine zähe Litanei.
Wie die Mühle mahlt im Kreise,
Kommen steckendürre Greise
Immer mehr und mehr herbei.

Manchmal faßt ein Mühlenflügel
Solchen steifen Hampelmann.
Und er schollert wie ein Igel
Plumpepack vorm Mühlenflügel,
Der ihn nicht mehr fassen kann.

Manchmal rennen Bursch und Mädel –
Atemlos herzugeeilt –
In die Mühle mit dem Schädel.
Krach und knack! und Bursch und Mädel
Werden säuberlich zerkeilt! –

Der uralte Müller plappert:
»Mahle schon seit Anbeginn,
Aber immer hat's geklappert« –
Noch viel mehr der Müller plappert,
Wie die Mühle, ohne Sinn.

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