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Balladen und Bilder

Gustav Schüler: Balladen und Bilder - Kapitel 32
Quellenangabe
typepoem
authorGustav Schüler
titleBalladen und Bilder
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
printrun1. - 3. Tausend
year1914
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20150910
projectid3da450f6
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Das Armband

Im Schlosse brennen die Lampen an,
Ein Zimmer bleibt in Dunkelns Bann.
Nur streifigen Scheins Kaminglut loht,
Und hätte doch der Lampen so not! –
Es klopft und klinkt. Ihr Mann tritt ein! –
»Vergib, wir sitzen noch immer allein.
Bei Reisegeschichten seltsamster Art
Unser lieber Graf seine Lampen spart.«
»»Dank, Gastfreund, den uns das Glück erkor. –
Doch, wo ist dein Armband, Ellinor?
An deinem Arm, Du hobst ihn zum Haar,
Kein Reif mit dem funkelnden Steine war!
Du kennst doch den Zauber im indischen Stein?««
»Mein Armband? Es wird auf dem Tische sein –
Jetzt weiß ich's bestimmt, dort ließ ich's zurück.«
›Auch wieder solch altes Zauberstück?
In Ihren Händen schaut wunderlich aus
Solch kichernd Spieglein voll Narrengraus.
Sie Stern und Leuchte der Wissenschaft!‹
»»Nein, Graf, Sie sind in Zaubers Haft!
Was legen erst Sie für Hexerei
Ihrem großen Rittersaale bei!««
›Das ist doch wohl anders!‹ »Erzählen Sie, Graf!«
›Vor langen Jahren, als es sich traf,
Daß nach stolzgetafeltem Fürstenmahl –
Eh' trunkwüst Tumulten gewittert im Saal –
Die Damen lächelnd zum Abschied gehn,
Da sah es der alte Herzog geschehn,
Daß der Herzogin Auge, sehnsuchtskrank,
Im Blick seines jungen Bruders versank.
Sein Schwert schwirrt heraus in Rächerwut,
Und der Buhle zuckte im heißen Blut. –
Seither blieb's im Saale totenstill,
Weil keiner sein Leben wagen will.
Denn wer es täte und träte herein,
Wird stracks dem Tode verfallen sein!‹ –
»»Wir brechen den Bannspruch! Wollen Sie, Graf?
Wir enden den langen Zauberschlaf!««
›Ich will‹. »Geht nicht!« fleht Ellinor.
Ihre Augen betteln am – Grafen empor.
›Wir gehn.‹ Schon langt er von nebenher
Einen silbernen Leuchter, prunkvoll schwer.
»»Drei Kerzen machen von Hexerei
Den Saal und das Schloß und uns alle frei!«« –
Und sie schreiten. Das rostige Schloß knirscht auf.
Spinnengewebe liegt klumpweis zuhauf.
Gestorbene Luft in die Fenster drückt,
Manch Ritterbild erstaunend blickt.
Und der Graf reckt den Arm und leuchtet empor –
Dran blitzt – ihr – Armband – Ellinor! –
Sie werden beide wie Kalk an der Wand. –
»»Bube und Räuber!«« Auf fliegt seine Hand!
Da saust ihm der Graf den Leuchter ins Hirn
Und streckt ihn zum Grund mit zerspalteter Stirn.
Die Tür schlägt ein. Dann fällt ein Schuß.
Und der Saal hat die zwei, die er haben muß.

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