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Balladen und Bilder

Gustav Schüler: Balladen und Bilder - Kapitel 29
Quellenangabe
typepoem
authorGustav Schüler
titleBalladen und Bilder
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
printrun1. - 3. Tausend
year1914
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20150910
projectid3da450f6
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Das zweite Gesicht

»De swarte Jörgen allwedder nich slöpt« –
Friert durchs Dorf ein steinernes Stöhnen.
»Mang de Gräwer de swarte Satan löpt –
Wen mag er bloß man meenen?«

Und jeder kriecht tiefer in sein Hemd,
Wird zwei oder drei Zoll kleiner,
Den Nacken ins knotende Halstuch geklemmt –
Denn sterben will doch keiner!

Wen meint sein namenmurmelnder Mund?
Soll die Dört – soll die Hanne gehen?
Er bellt vorm Todestor wie ein Hund,
Hat dem Tod in die Briefe gesehen.

So sag's: Ist's der faltenzerkerbte Johann?
Der stelzenstöckelnde Merten?
Wie flogen die irren Ängste heran,
Die an den Laken der Seele zerrten! –

Zwischen den Gräbern stolpert er spreiteweit
Und ruft zur Kirchhofserden,
Wen sie nach dreier Tage Zeit
Aus Händen geben werden. –

Doch wagt sich keiner zu ihm vor.
Sie alle stehn und lauschen –
Als wenn an ein grausendes Menschenohr
Eines Dammbruchs Wasser rauschen!

Sie können nicht hin – und können nicht fliehn
Vorm zuckenden Verderben –
Sie stehn und frieren und hören ihn
Und wissen's: einer muß sterben!

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