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Balladen und Bilder

Gustav Schüler: Balladen und Bilder - Kapitel 20
Quellenangabe
typepoem
authorGustav Schüler
titleBalladen und Bilder
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
printrun1. - 3. Tausend
year1914
correctorAlfred Wey
senderwww.gaga.net
created20150910
projectid3da450f6
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Die Roggenmuhme

Dem Barthel sein Kind geht im Roggen rund,
So schrickt's im Dorfe von Mund zu Mund. –
Es geht schon am zweiten Tage
Im großen Roggenschlage.

Die Notglocke läutet die Dörfler heran,
Und sie heben alle zu suchen an.
Und sie suchen mit Mannen und Hunden
Und haben ihn nicht gefunden.

Sie suchen schon den dritten Tag.
Da war kein Fleck im Roggenschlag
Im Breiten und im Langen,
Den sie nicht abgegangen. –

Da lag in Mohn und Raden tief
Das Kind so süß, als wenn es schlief –
Trägt einen Kranz von Mohne
Wie eine helle Krone.

Das süße Mündchen war wie rot
Und sagte nichts von Todesnot.
Die Händchen waren beide
Gesträhnte weiße Seide.

Auf seiner Brust ein Blümlein lag,
Das wuchs nicht auf dem Roggenschlag –
Die fremde weiße Blume
War von der Roggenmuhme.

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