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Babys erstes Geschichtenbuch für die Kleinen von 2-5 Jahren

Else Ury: Babys erstes Geschichtenbuch für die Kleinen von 2-5 Jahren - Kapitel 6
Quellenangabe
typenarrative
authorElse Ury
titleBabys erstes Geschichtenbuch für die Kleinen von 2-5 Jahren
publisherMeidinger's Jugendschriften Verlag GmbH Berlin
illustratorKurt Lange
year1929
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141016
projectiddbcf20f7
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Bettelhänschen

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Es war einmal ein kleiner Junge, der hieß Hänschen. Der wollte immer, wenn große Leute aßen, auch was davon haben. Dann riß er seinen Mund auf, soweit er konnte und bettelte: »Auch haben, Hänschen auch haben!« Darum hieß er Bettelhänschen. Wenn Mama vormittags Frühstück aß, gleich kam Hänschen angelaufen und bettelte: »Auch haben!« Und er hatte doch eben erst sein Eichen bekommen. Wenn der Papa mittags Wein trank, dann kletterte ihm Hänschen – eins – zwei – drei – auf das Knie, hielt sein kleines Mäulchen hin und bettelte: »Hänschen auch haben!«

»Kinder dürfen nur Milch trinken«, sagte der Papa. »Wenn du so viel ißt und trinkst, Hänschen, dann wirst du dick und immer dicker, und schließlich platzt du, paß nur auf!«

Heute war die Tante zu Besuch gekommen.

Auf dem Tisch stand ein großer Kuchen. Und daneben stand Hänschen und bettelte: »Auch haben, Hänschen auch haben!«

Traurig sah es zu, wie die Tante ein großes Stück Kuchen aß. Denn Hänschen bekam keins.

Aber als die Mama und die Tante aus dem Zimmer gegangen waren, da nahm der ungezogene, kleine Junge schnell ein Stück Kuchen vom Teller.

Ei – schmeckte das fein – rasch noch eins – aber, o weh – Hänschen sah erschreckt auf seinen kleinen Bauch. Der wurde dick und immer dicker. Seine Ärmchen wurden so fett, daß die Ärmel von seinem blauen Matrosenkittel – knacks – auseinandersprangen. Und die Beinchen waren mit einemmal so schwer, daß Hänschen gar nicht mehr laufen konnte.

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Aber als es jetzt noch ein Stück Kuchen in den Mund stopfte, da gab es einen lauten Knall – puff – Hänschen war geplatzt. Das eine Bein flog an den Ofen und das andere auf das Sofa, die Nase sprang gegen den Spiegel, und der dicke, kleine Bauch – hops – mitten auf den Kaffeetisch. Und als die Mama wieder ins Zimmer trat, flog ihr gerade das rechte Ärmchen von Hänschen entgegen. Da war die arme Mama sehr traurig, denn sie hatte doch nun kein Hänschen mehr!

Das Nählieschen, das immer Hänschens zerrissene Höschen wieder ganz machte, mußte kommen. Die setzte ihre große Brille auf die Nase, holte Nadel und Zwirn und nähte Hänschen wieder zusammen.

Au – das tat weh!

Aber, als die Beinchen und Ärmchen, das Näschen und der kleine Bauch wieder angenäht waren, war auch das Hänschen wieder ganz dünn. Da freute sich seine Mama sehr.

Hänschen aber hat jetzt niemals mehr gebettelt: »Auch haben.« Denn er wußte ja nun, wenn man mehr ißt, als die Mama dem Kinde gibt, dann platzt man.

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