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Babys erstes Geschichtenbuch für die Kleinen von 2-5 Jahren

Else Ury: Babys erstes Geschichtenbuch für die Kleinen von 2-5 Jahren - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarrative
authorElse Ury
titleBabys erstes Geschichtenbuch für die Kleinen von 2-5 Jahren
publisherMeidinger's Jugendschriften Verlag GmbH Berlin
illustratorKurt Lange
year1929
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141016
projectiddbcf20f7
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»Ich kann nicht mehr!«

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»Ich kann nicht mehr! – Ich kann nicht mehr!« – heult Kurtchen und stößt den Teller mit der schönen Suppe unartig fort.

Papa macht ein böses Gesicht. Denn jeden Mittag ist das Kurtchen ungezogen und ruft: »Ich kann nicht mehr!« Ganz dünn ist es schon geworden.

Mama nimmt Kurtchens Löffel und füttert den großen Jungen, der doch schon gut allein essen könnte.

»Jetzt kommt der graue Elefant aus dem Zoo, jetzt der Bär, nun der böse Wolf – da, die Giraffe mit dem langen, langen Hals, das Känguruh und zum Schluß noch das Kamel«, so – das Süppchen ist alle.

»Hurra – fertig«, ruft der Kleine stolz. Nun bringt die Emma den Braten. Mama schneidet Kurtchen sein Fleisch und tut ihm rote Mohrrübchen auf. Kurtchen sitzt vor seinem Teller und verzieht das Gesicht. Es piekt mit seinem kleinen Gäbelchen in dem Gemüse umher. Sein hübsches Schieberchen hat es noch kein einziges Mal gebraucht.

.

»Schön essen, Kurtchen«, sagt die Mama.

Aber das unartige Kurtchen wirft sein Gäbelchen hin und weint: »Ich kann nicht mehr! – Ich kann nicht mehr!«

Da füllt Mama ein Tellerchen mit süßen Erdbeeren auf. »Das ist für Kurtchen, wenn es seine Mohrrübchen schön aufgegessen hat.«

.

Kurtchen greift mit beiden Händen nach den Erdbeeren. Aber Papa stellt sie fort.

»Erst die Mohrrübchen aufessen, sonst gibt es keine Erdbeeren.«

»Eine Geschichte erzählen, Mama, eine Geschichte erzählen«, verlangt der Kleine.

»Nein, Geschichten werden jetzt beim Essen nicht erzählt. Du wirst so essen«, sagt Papa und sieht seinen kleinen Jungen gar nicht so freundlich an wie sonst.

Aber das Kurtchen ißt sein Gemüse nicht und bekommt zur Strafe auch keine Erdbeeren.

Ganz dünn ist der unartige, kleine Junge geworden, weil er nicht gegessen hat. Seine Beinchen sind so dünn wie Streichhölzer und seine Arme wie Nähnadeln.

Durch das Fenster kommt der Wind ins Kinderzimmer hineinspaziert. Er nimmt ein Stück Papier und weht es zum Fenster hinaus. Und weil auch das Kurtchen so dünn und leicht geworden ist wie Papier, packt es der Wind und hui – weht er es fort, hinaus aufs Dach.

Da sitzt nun das kleine Kurtchen ganz allein auf dem großen Dach neben dem schwarzen Schornstein.

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Die Emma kommt mit der Nachmittagsmilch, aber kein Kurtchen ist da. In allen Ecken, hinter dem Schrank und unter dem Bettchen suchen die Emma und die Mama. Keiner weiß, wo Kurtchen hingekommen ist. Nur die Spatzen draußen auf dem Dache wissen es. Die rufen, so laut sie nur können: »Piep – piep!« Aber Mama versteht sie nicht.

Dunkel wird's, ganz dunkel, und immer noch sitzt Kurtchen auf dem Dache und weint bitterlich. Da kommt ein Miesekätzchen angelaufen.

»Miau,« sagt das Miesekätzchen, »warum weinst du, kleiner Junge?«

»Ich will nach Hause zu meiner Mama und zu meiner Emma«, schluchzt Kurtchen. »Ich will jetzt auch schön Mittagbrot essen und auch immer meine Milch austrinken, ich habe ja solchen Hunger.« »Siehst du,« sagte das Miesekätzchen, »warum hast du heute mittag nicht deine Mohrrübchen gegessen? Aber wenn du mir etwas von deiner Abendmilch abgeben willst, bringe ich dich zurück zu deiner Mama.«

»Ach, du bekommst ein ganz großes Schüsselchen Milch, liebes Miesekätzchen«, verspricht Kurtchen. Die Miesekatze setzt Kurtchen auf ihren Lücken und – hops – springt sie mit ihm vom Dach durch das Fenster in die Kinderstube.

Da ist Kurtchens Mama sehr froh, daß sie ihren kleinen Jungen wieder hat. Das Miesekätzchen bekommt zum Dank süße Milch zu trinken. Kurtchen aber ruft jetzt nie mehr: »Ich kann nicht mehr! – Ich kann nicht mehr!«, sondern ißt immer alles schön auf. Und der böse Wind hat Kurtchen nie wieder fortgeweht.

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