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Babys erstes Geschichtenbuch für die Kleinen von 2-5 Jahren

Else Ury: Babys erstes Geschichtenbuch für die Kleinen von 2-5 Jahren - Kapitel 15
Quellenangabe
typenarrative
authorElse Ury
titleBabys erstes Geschichtenbuch für die Kleinen von 2-5 Jahren
publisherMeidinger's Jugendschriften Verlag GmbH Berlin
illustratorKurt Lange
year1929
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141016
projectiddbcf20f7
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Puppengeburtstag

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Klein-Ilschen hat heute ganz schrecklich viel zu tun. Ihr größtes Kind, Puppe Rosa, feiert heute Geburtstag. Alle Püppchen aus der Kinderstube sind zu Schokolade und Kuchen eingeladen.

Da hat solch ein kleines Puppenmütterchen keine Zeit zum Spielen.

Kaum hat Ilschen ihre Morgenmilch ausgetrunken, so holt sie sich ihren kleinen Besen und die niedliche Müllschippe.

Ganz ordentlich fegt sie ihre Puppenwohnung aus, die sie sich aus der Fußbank und Stühlen gebaut hat. Denn am Geburtstag muß alles blitzblank sein.

Neun Kinder hat Ilschen. Ist das eine Arbeit, bis die Gören alle gewaschen, gekämmt und angezogen sind!

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Die Elli schreit, wenn ihre Puppenmama ihr nur ein bißchen die Flachshaare ziept. Und die Nelli will sich nicht sauber rubbeln lassen. Ännchen, das keinen Kopf mehr hat, strampelt sich immer wieder die Strümpfchen aus. Und das Puppenbaby hat sich schon zweimal die Windelhöschen naß gemacht. Ja, man hat schon seine Not mit so viel Kindern!

Aber endlich sitzen sie alle steif und artig ringsum auf den Stühlen und gucken zu, wie ihre kleine Mama Schokolade kocht.

Ilschen reibt die Schokolade auf dem kleinen Reibeisen, bis die Fingerchen ganz braun sind und der kleine Mund dazu, denn die Puppenmama muß doch kosten, ob es gut schmeckt.

Puppe Rosa hat Angst, daß für sie nichts mehr übrig bleibt. Darum springt sie mit lautem Knall – bumderattata – vom Stuhl. Sie hat sich das Knie aufgeschlagen und schreit jämmerlich: »Papa – Mama«. Ihr Puppenmütterchen ist sehr böse. Sie legt das unartige Kind über und verhaut es tüchtig.

Dann muß Puppe Rosa, trotzdem ihr Geburtstag ist, in die Ecke.

Nun ist die Schokolade endlich auf dem Puppenherd mit dem kleinen Quirl fertig gekocht. Der Aniskuchen, den Ilschen von ihrer Mutti zum Puppengeburtstag erbettelt hat, ist in kleine Stücke geschnitten. Jetzt muß Ilschen noch das Kindertischchen decken. In die Mitte stellt sie ein Blumentöpfchen, weil Geburtstag ist. Sechs kleine Täßchen hat sie nur, aber das schadet nichts.

Ein Kind trinkt aus dem Zuckernapf, eins aus der Waschschüssel, und Baby kriegt sein Fläschchen. Puppe Rosa wird wieder aus ihrer Ecke hervorgeholt. Und nun kann's losgehen.

Ei – schmeckt das den Puppen gut. Sie lecken und schlecken, daß Ilschen immer wieder rufen muß: »Kinder, eßt manierlich! Rosa, du sollst nicht den ganzen Kuchen auf einmal in den Mund stopfen. Pfui, Elli – du kommst ja mit dem abgeschlagenen Bein in die Schokoladentasse.«

Aus Rand und Band sind die Kinder heute. Peter und Jochel, die Puppenjungs, puffen und knuffen sich. Ännchen, das keinen Kopf mehr hat, gießt sich die Schokolade über den Bauch. Und Nelli nascht den andern die Kuchenkrümel weg.

Da wird es der kleinen Mama doch zu bunt. Sie steckt die Gören ins Bett und ißt und trinkt alles allein.

Aber am andern Morgen – o weh – da hat sich die ganze Puppengesellschaft den Magen an der Schokolade verdorben. Alle Kinderchen sind krank. Alle müssen im Bett bleiben. Keins darf aufstehen.

Fips, der Baubau, der im Hause wohnt, kommt als Onkel Doktor. Er hat Vaters Hut auf und Vaters Stock in der Pfote.

»Wau – wau«, sagt er, »zeigt mal eure Zunge, Kinderchen.«

Doktor Fips fühlt den Puppen den Puls und macht ein sehr ernstes Gesicht.

»Wau – wau, geben Sie Ihren Kleinen Wiener Tränkchen«, bellt er das Puppenmütterchen an.

Nein, wie schreien die Kinder da, als ihre kleine Mama mit der Medizinflasche kommt. Und Rosa, das große Puppenmädel, schreit am meisten. Aber das hilft ihr nichts, sie muß das Wiener Tränkchen austrinken – warum hat sie gestern am Geburtstag auch soviel Kuchen gegessen!

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Globushaus G. M. B. H., Abt. Druckerei Berlin W8

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