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Auswahl aus seinen Schriften

Bogumil Goltz: Auswahl aus seinen Schriften - Kapitel 15
Quellenangabe
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typeessay
authorBogumil Goltz
titleAuswahl aus seinen Schriften
publisher
printrunErstes bis fünftes Tausend
editorFritz Lienhard
year
illustratorFranz Stassen
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110519
projectid4251479f
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Buch der Ewigkeit.

Die Sonne.

O Erde! du bist meine Mutter, denn du ernährst mich, deinem Schöße ward ich entnommen, in deinem Schöße entschlummere ich von diesem Leben, und du bist es, die mich verzehrt! Sieh, ich verspüre dich in meinem Fleische und in all meinem Gebein, das mit jeglichem Tage mehr und mehr Erde ansehen muß! Aber du, o Sonne! Erdenleuchte, Quell des irdischen Lichtes, du hochheiliges Abbild eines göttlichen Feuers, das durch alle Erdennacht dringt, und eines himmlischen Widerscheins in Zeit und Ewigkeit: du bist mein Erzeuger und meiner Mutter Mann!

In eurer irdisch-überirdischen, in eurer licht-dunkeln, Äther und Staub gemischten Umarmung bin ich zum Lichte gezeugt, zu einem Tageslicht, dem gleichwohl fort und fort die nächtliche Finsternis folgt, und der kalte Hauch dieser Nacht. Und so bin ich geworden, was ich in Wirklichkeit bin. Die irdische Finsternis zieht ihre Schattenlinien um alle erleuchteten Erdenkörper, denn solchergestalt vermag sie erst das Menschenauge zu sehen; lauter Licht ist ihm wie lauter Finsternis, und wenn sich im Tageslicht das Auge und alle Sinne gebadet, und wenn der Sonnenstrahl, wenn die erwärmten und lichten Luftwellen Leib und Seele durchdrungen, durchleuchtet und durchschwellt, wenn die Sonne mit ihrem Feuergolde und der Himmelsbläue die dunkle Erde grün erleuchtet, wenn sie am Tage allen Erdenstaub in feurigen Äther, und die dunkeln Erdengedanken in lichte Himmelsschauungen verwandelt hat: dann sehnt sich dieses Zwittergeschöpf, der Mensch, dieser Mischling von Erdenstaub und Sonnenlicht, wiederum nach Finsternis und Schlaf, die seiner Mutter Erde verschwistert und allnächtlich gegen das Sonnenlicht verschworen sind.

Und so sind wir Menschenkinder denn irdisch und sonnenhaft gemacht, so haben uns Tag- und Nachtgedanken, Licht und Finsternis, die lichten Geister und finster dräuende Dämonen in ihrer Gewalt.

Aber die Sonne ist im Menschen machtvoller, als sein irdisches Teil, und wenn die Erdennacht zum letzten Male sein Auge umdüstert, so geht ihm in himmlischen Träumen und im Schoße Gottes das Sonnenlicht auf, das nimmer verlischt!

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