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Friedrich Gerstäcker: Australien - Kapitel 5
Quellenangabe
typereport
authorFriedrich Gerstäcker
titleAustralien
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
seriesReisen
volumeVierter Band
year1853
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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4. Marsch durch das Murraythal.

Der Murray verfolgt im Ganzen eine Strömung von Osten nach Westen, vielleicht West-Nord-West-Cours, bis zu dem großen sogenannten »Nord-West-Bend« oder nordwestlichen Biegung, wo er sich plötzlich in einem ganz kurzen Ellbogen nach Süden hinunter dreht. Von der »Woolshed« aus läuft er sich aber eine weite Strecke nach Süden hinunter, aus dem Weg, erst ungefähr in der Gegend, wo er den Murrumbidgee aufnimmt, seinen alten Cours wieder, bis eben zum Nordwestbend verfolgend.

Diese südliche Abneigung geht durch weites Sumpfland, das durch tausend, jetzt trockene Lagunen durchschnitten, mit Theebüschen, Lignum und den verschiedenen Arten von Gum und Borholz bewachsen ist, und besonders in solcher Dürre die traurigste Einöde bildet, die sich in einer bewaldeten Gegend nur überhaupt denken läßt.

Hier nun läuft eine Art Nothkanal, die sich der größere Strom, der weiten Biegung wegen, bei hohem Wasser gebrochen, ziemlich gerade nach Westen ab, und trifft gar nicht sehr weit von der Ausmündung des Murrumbidgee in den Murray, wieder mit diesem zusammen. Dieser Kanal ist der Eduardsriver genannt, unterhält aber kein fließendes Wasser – ausgenommen, wenn der Hume hoch genug gestiegen ist ihn zu füllen, und wird im Sommer, wie alle übrigen Wasser Australiens, durch eine Kette von Lachen bezeichnet, so daß die Lagunen oder auch Billibongs, wie sie sehr häufig von den Ansiedlern genannt werden, nur hie und da an ihren tiefsten Stellen noch stehengebliebenes grünes übelriechendes Wasser von der letzten Fluth hielten. Entsetzlich war aber die Einfassung derselben, die ich gewöhnlich, selbst bis zum letzten Augenblick mit nicht zu überwindendem Schauder betrachten mußte. Das arme unglückliche Vieh, besonders die Rinder, die den Boden von Allem entblößt fanden, was ihnen nur die geringste Nahrung bieten konnte, zu schwach, selbst nach dem Murray hinunter zu gehen, wo ihnen die steilen gefährlichen Uferbänke ebenfalls nur selten einen sicheren Trinkplatz gestatteten, suchten ihren Durst da zu löschen, wo ihnen ganz in der Nähe anscheinend die Gelegenheit leicht dazu geboten wurde – und furchtbar mußten sie dafür büßen. – Der breite schlammige Rand gab unter ihren Füßen nach, und die Mäuler bis dicht am Wasserrand, die Zunge am Gaumen klebend – sie wollten doch nicht zurücktreten, bis sie wenigstens einen Schluck gethan – sanken sie tiefer ein dabei, tiefer und tiefer, und abgemattet, Monate lang ohne ein einziges ordentliches Maul voll Futter, halb verschmachtet und elend, waren sie nicht mehr im Stande, sich wieder herauszureißen aus ihrer gefährlichen Lage, noch selbst ihren brennenden genügenden Durst zu löschen. Mit der Kraft der Verzweiflung arbeiten sie wohl noch kurze Zeit, aber nur sich tiefer und tiefer in den Schlamm hineinzusinken und mit allen vier Beinen fest, die lechzende Zunge vielleicht wenige Zoll nur vom Rande des Pfuhls entfernt, an dem die Unglücklichen Linderung ihrer Qual erwarteten, lagen sie ruhig da, zu verschmachten. – Ruhig? – ihnen wäre wohl, wenn sie dort nur verhungert und verdurstet wären, Mattigkeit brachte sie in dem Fall zuletzt in einen Zustand bewußtloser Erschöpfung, aus dem das thierische Leben leichter in den Tod überzugehen scheint, als wir sonst glauben möchten; aber nein, Krähen und Elstern, die in Masse dort in den Bäumen mit ihrem fetten glänzenden Gefieder herumsaßen, waren verwöhnt worden durch die reiche und leichte Beute dieses Jahres – Aas? – es fiel ihnen nicht mehr ein, Aas anzurühren, nach dem sie sonst manche lange Meile geflogen waren, sie wußten ein leckereres Mahl, und auf das sterbende Vieh flogen sie hinab und hackten den vergebens nach Hülfe blökenden, an den eigenen Hörnern der halb Versunkenen die gierigen scharfen Schnäbel noch wetzend, erbarmungslos die schon glasigen brechenden Augen aus.

Und kein größeres Mitleiden hatte der wilde Hund, dem es nicht mehr in den Sinn kam, an schon starren kalten Leibern seine Fänge zu verderben, die noch lebenden warmen waren seine sichere und bequeme Beute. – Was kümmerte ihn ihr angstvolles Blöken – es war Musik zu seinem Mahl, und die Leiber riß er den auf der Seite Liegenden auf, oder fraß sich in ihre Weichen.

Doch hinweg, hinweg mit den Schreckensbildern, mir wandte es das Herz im Leibe um, den Jammer mit ansehen zu müssen, und trotz dem, daß ich nur noch wenige Ladungen Pulver in meinem Horn hatte, konnte ich einige Male dem Drange diese Unglücklichen von ihren Leiden zu befreien, nicht widerstehen, und schoß ihnen eine Kugel durch das Hirn – ich hätte einen Wagen mit Munition mithaben müssen, hätte ich ihnen allen helfen wollen.

Hier am Eduard wurde das Land einigermaßen besser, denn hier zum ersten Mal begann die eigenthümliche Vegetation des Murray, die diesen Fluß auch deßhalb so ausgezeichnet für den Schafzüchter macht, der Salzbusch, und wenn auch der Name nicht gerade sehr einladend klingt, ist er doch ein Segen des Landes und besonders des Viehes geworden.

Der australische Schäfer und Ansiedler begreift übrigens unter dem Namen »Salzbusch« eine ganze Quantität der verschiedenen Pflanzen; der Hauptsalzbusch übrigens hat ein nicht sehr großes, herzförmiges, hellgrünes und wie mit Mehl bestreutes, ziemlich saftiges Blatt, mit einem bald mehr bald weniger salzigen Geschmack; dann hat noch eine andere Gattung von Eisgewächsen, mit dicken kurzen fleischigen, wässrigen Blättern, und ebenfalls salzigem Geschmack den nämlichen Namen. Einige von diesen sehen wirklich ganz hübsch und frisch aus, und ich begreife gar nicht, wie sie in dem entsetzlich dürren Boden im Stande sind, solch eine Masse von Feuchtigkeit anzuziehen und zu halten.

Das Hauptnahrungsmittel der Schafe hier ist übrigens das sogenannte pigs face (Schweinsgesicht), ein jedenfalls höchst unpoetischer Name; es ist dieß eine Cactusart, die im Herbst, nach rother Blüthe, eine kleine ebenfalls rothe, höchst wohlschmeckende Beere tragen soll. Das pigs face selber kommt in dreieckigen dicken fleischigen Blättern oder Stangen aus der Erde heraus, und die Schafe fressen es sehr gern; es gibt übrigens verschiedene Arten davon, die sich im Aeußern allerdings gleichen, im Geschmack aber einen genauen Unterschied zulassen. Eine Art schmeckt sehr salzig, eine andere bloß wässrig mit leisem Bitter, etwa wie rohe Gurken, und eine dritte, von der ich selbst mehrmals bedeutende Mahlzeiten gehalten, hat einen Nachgeschmack fast wie reife Herzkirschen.

Die Blacks verzehren dieß pigs face in großen Quantitäten, aber auch von den Schafen wird es sehr viel gefressen, und ich glaube, daß es einen vorzüglichen Salat geben würde. Mancher Verirrte hat sich schon das Leben damit erhalten.

Die Vegetation blieb sich sonst ziemlich gleich: Gumbäume in der Nähe des Flusses, und Thee- und Besenbüsche mit dem Salzbusch in den sogenannten Flats. Das traurigste von allen Pflanzenarten ist aber das Lignum, das in den der Ueberschwemmung ausgesetzten Ebenen gedeiht. Es sieht genau so aus, als ob die dürren Stangen von dem Vieh abgefressen und ihrer Blätter total beraubt wären; es wächst aber gleich abgefressen, und das Vieh ist ganz unschuldig an dem trübseligen Aussehen desselben – es rührt die holzigen bittern Zweige nicht an.

Das Land zu beiden Seiten des Eduard war flach, und von zahlreichen Lagunen durchschnitten, der Boden ein grauer in feuchtem Wetter klebriger Lehmboden, der aber halb trocken schon wieder aufspringt, und der ganzen dort wuchernden Vegetation nach, kaum einer besonderen Cultur fähig seyn möchte.

Durch diese Wälder nun begann ich meinen einsamen Weg, jetzt aber noch inmitten einer verhältnißmäßig ganz ansehnlichen Zahl von Stationen, die, wenn man auch nicht immer darauf rechnen konnte, jede Nacht eine zu erreichen, doch gewissermaßen schon in dem Bewußtseyn ihrer Existenz, eine Art Schutz gegen etwaige freche Raubanfälle der Indianer oder Schwarzen bildeten.

Schon die erste Nacht lagerte ich im Freien am Eduard River in einem kleinen Gehölz von sogenanntem Borwood – Gumbäumen ebenfalls, nur mit etwas anderer Rinde – und mein Abendbrod war ein Kakadu. Das Fleisch derselben ist übrigens hart, dunkelroth und trocken, und nur der äußerste Hunger vermochte mich dazu den mir überdieß widrigen Papageiengeruch zu überwinden. Ich zog dem Burschen, den ich Abends schon in tiefer Dämmerung aus einem Gumbaum herausgeholt hatte, das Fell ab und briet ihn auf den Kohlen. Ich hatte mir nämlich ein tüchtiges Feuer angemacht, denn obgleich ich den Tag Indianer getroffen, sollten sie in dieser Gegend doch noch nicht gefährlich seyn; wenigstens war kein Beispiel bekannt geworden, wo sie einen Weißen ermordet hätten. Am nächsten Morgen wollte ich nicht wieder einen Kakadu frühstücken, mußte aber zwölf starke Meilen marschiren, ehe ich an eine Station kam, und erlabte mich hier nicht wenig an kaltem Rindfleisch, Thee und Dämpfer, oder damper, wie es die Engländer nennen.

Zur Verständigung, da das Wort Damper wahrscheinlich noch öfter vorkommen wird, möge hier dienen, daß der Damper ein gewöhnlicher, einfach mit Wasser, ohne Hefen, angerührter Weizenteig ist, der nur flachgedrückt, und in der Asche gebacken wird, und auch wohl, nach civilisirten Begriffen, etwas schwer zu verdauen seyn möchte, den »Buschmägen« aber vollkommen gut zusagt.

Bis zum 23. Mai passirte mir nun nichts besonderes. Die Gegend war monoton genug, meistens Salzbuschebenen und Boxwoodwaldungen, niederes apfelbaumartiges Holz mit mattgrauer Rinde und mattgrünen Blättern; die ganze Natur sah aus wie ein abgetragener steyermärkischer Jagdrock, und der Himmel spannte sich mit einem correspondirenden neblichten Stahlgrau darüber hin. Das Wetter drohte dabei immer Regen, und erhielt mich in fortwährender Angst, denn hätte es hier in dieser Gegend geregnet, so befand ich mich in einer höchst schauerlichen Lage. Der Boden bestand hier nämlich durchgängig aus dem grauen staubigen Lehm, der sich bei der mindesten Anfeuchtung mit einer ganz unbeschreiblichen Bosheit an die Sohlen hing. Ein langer Stock brachte die bleischweren Massen dann auch gar nicht wieder ab, und ich mußte später, hatte ich solche Strecken im Regen zu passiren, mein Messer offen in der Hand tragen, um die Hacken frei zu halten oder doch wenigstens dann und wann zu reinigen von den entsetzlichen Anhängseln.

Am 23. Abends erreichte ich einen kleinen Creek, den Mouleman, der sich ebenfalls in den Eduard ergießt (d. h. wenn er Wasser hat, denn jetzt war es auch nur das trockene Bett, das den ehrenvollen Namen eines Creek führte.) Hier war ein Wirthshaus und eine Polizeistation, und ich hörte hier allerdings nicht tröstliche Nachrichten über die Blacks, die eben in neuester Zeit wieder mehrere Mordthaten an einzelnen Reisenden, welche von einer Station zur andern gehen wollten, verübt haben sollten. Einer dieser Schufte, »Billy the Bull,« saß hier in der Polizeistation gefangen; er hatte zwei Mordthaten an Weißen bekannt und die Körper aufgezeigt. Einen derselben hatte er auf wahrhaft teuflische Weise versteckt, damit er von der Polizei nicht aufgefunden werden sollte. Nachdem er den Unglücklichen nämlich erschlagen und sich sein Nierenfett herausgenommen, stieg er mit der Leiche tief in das Bett des Murray hinab, und trieb hier, nachdem er den aufgeschnittenen Leib des Ermordeten zuerst mit Steinen gefüllt, einen Pfahl durch die Brust desselben in den Boden, wohl 14 Fuß unter Wasser, so daß der später leichter werdende Körper von der Fluth nicht mehr an die Oberfläche gehoben werden konnte. Andere Mordthaten waren noch viele von ihm bekannt, die Beweise aber nicht so leicht zu liefern, da er sich schlauerweise sämmtlicher Zeugen dabei – unter ihnen selbst eine von seinen Frauen – auf sehr summarische Weise mit der Kriegskeule entledigt hatte.

Außer diesem war die Polizei noch hinter zwei andern von den Teufeln, Namens Bill und Peter, her, die ebenfalls Weiße ermordet und die Körper einfach in den Busch geworfen hatten. Es war ihr noch nicht gelungen sie einzufangen, und einer der Policemen meinte treuherzig: ich würde ihnen wohl auf meinem Weg begegnen.

Gerne hätte ich mir nun, nach diesen allerdings nicht gerade beruhigenden Nachrichten, einen Schwarzen von hier zum Begleiter mitgenommen, aber dasselbe wurde mir darüber hier wie auch schon in Albury und Sidney gesagt: daß ich erstens keinen bekommen würde, der die Tour mit mir machte, und zweitens, geschähe das wirklich, nur noch größerer Gefahr ausgesetzt bliebe, als wenn ich allein und nur gut bewaffnet ginge, denn nicht sowohl Raublust sey es oft, was diese Stämme dazu treibe, den einzelnen Wanderer, besonders aber Einzelne eines anderen Stammes anzufallen, als eine Art religiösen Wahnsinns und Aberglaubens, der aber dann, sobald man ihm einmal in den Weg geworfen wird, natürlich noch weit gefährlicher ist, als bloßes Raubgelüste und Blutdurst irgend eines wilden Stammes.

Diese Wilden hier glauben nämlich an keinen natürlichen Tod, und jeder, der von dem Stamm stirbt, ist – ihrer Meinung nach – das Opfer der Zauberei irgend eines andern Stammes geworden. Diese Zauberei kann auf verschiedene Art ausgeübt werden, doch die Art und Weise bleibt ihnen gleich, sie halten sich an das Resultat. Die Weiber bekleben sich nun mit weißem Thon und heulen und schreien, jammern und wehklagen, bis die Männer – selber zur Verzweiflung getrieben – hinausziehen, und das Fett irgend eines erschlagenen Feindes als Sühnopfer dem Todten in das Lager bringen. Nun verwandelt sich der bisherige Jammer plötzlich in Freude, und die Manen des durch Zauberei Hingerafften sind jetzt, ihrer Meinung nach, vollkommen beruhigt.

Die natürliche Folge hievon muß seyn, daß die einander benachbarten Stämme fortwährend in grimmigster Feindschaft leben, und sich gegenseitig nicht über die selbstbestimmten Gränzen wagen, außer um Einfälle in die Besitzungen ihrer Nachbarn zu machen und Todesfälle jener Art zu rächen. Daher wagt sich auch selten ein Schwarzer, selbst in starker Begleitung von Europäern, auf feindliches Gebiet. Hat er aber einmal wirklich die Gränze überschritten, und liegt ein feindlicher Stamm zwischen ihm und dem seinen, so wird es ihm nie einfallen, allein zurückzugehen, und er sieht dann die Weißen als seine einzigen Beschützer an.

Daher kommt es denn auch daß Weiße, die mit einem Schwarzen gehen, fast unvermeidlich der Gefahr ausgesetzt sind, von einem andern Stamm angefallen zu werden, während ein Weißer allein weit eher Aussicht hat, unbeschädigt durchzukommen.

Hier sah ich auch zum ersten Mal eine kleine Abtheilung der sogenannten »schwarzen Police,« die »im Busch« besonders von unendlicher Wichtigkeit für die Sicherheit der Ansiedler ist, nicht allein begangene Frevelthaten an den anderen Stämmen zu strafen, als auch schon beabsichtigte Raubzüge zu verhindern. Sie bekamen von der Regierung einen guten Gehalt und Kleidung und Beköstigung, und stehen unter einem weißen Dirigenten. Ihre Uniform ist blaue Jacke und Hose, die letztern mit rothen Streifen an den Seiten herunter und eine runde Mütze. Ihre Waffen sind hauptsächlich ein Seitengewehr, aber auch Flinten tragen sie, und es ist merkwürdig, wie rasch sie sich in den Gebrauch derselben finden, und wie vortrefflich sie selbst mit Leichtigkeit zu schießen lernen.

Meistentheils wird diese »wilde Polizey« aus den Nachbarstämmen gewählt und unterhalten. Die Weißen haben dadurch auch noch den Vortheil, daß solche mit allen Schlichen und Schlupfwinkeln der Nachbarschaft genau bekannt sind, ja auch schon die Charaktere, von denen gewaltthätige Handlungen etwa zu erwarten wären, persönlich kennen und im Auge behalten. Aber selbst aus feindlichen Stämmen hat man schon Einzelne dafür angeworben, die sich dann, mit den neuen Waffen und von den Weißen beschützt und unterstützt, sicher genug fühlten ein Territorium zu betreten, dem sie sonst gewiß nicht auf manche lange Meile zu nahe gekommen wären, ausgenommen auf einem Kriegszug.

Ein Stamm des Mouleman Blacks lagerte am linken Ufer des kleinen fast trockenen Baches, und eine Anzahl solcher schwarzer Polizeidiener, die hier gerade ihre Station hatten, trieb sich zwischen ihnen herum. Wie der Blitz aber waren sie da, als sie mich mit Büchse und Messer bewaffnet aus dem Dickicht kommen sahen, und während sie mich in zehn Schritt etwa an sich vorbei defiliren ließen, wechselten sie rasch einige Worte miteinander. Dann aber, wie Hunde, die einen Fremden kommen sehen, und von ihm zurückkleffend einen kleinen Bogen beschreiben, auf seine Fährte zu treffen, so ließen sie mich erst vielleicht fünfzig Schritt weiter, den Gebäuden zugehen, und folgten dann meiner Spur eine kurze Strecke, bis sie zu einem Platz kamen, auf dem der Fuß vollkommen genug abgedrückt war, ihnen die getreue Fährte zu zeigen.

Die Station selber bestand aus einer kleinen Anzahl von Gebäuden, die zum Polizeigebrauch dienten, und theils zu einem Gefängniß, theils zu Wohnung für die Angestellten bestimmt waren, dann aus zwei Privatwohnungen und dem Gasthaus.

Das Gespräch drehte sich hier übrigens fast einzig und allein um einige erst neulich wieder verübte Mordthaten an Reisenden, und um das wahrscheinliche Urtheil das über den eingefangenen und überwiesenen Verbrecher gefällt werden würde, von dem man wieder vermuthete, die Gerichte würden ihm, nach einer harten Verwarnung, eine wollene Decke geben, und ihn laufen lassen, wie das bis jetzt mit den meisten der Anderen geschehen war.

Ich bin wahrlich nicht gesonnen, Grausamkeiten gegen die indianischen Stämme das Wort zu reden. Es ist nicht mehr wie recht und billig mit den Indianern, die allerdings über ein Menschenleben ganz andere Begriffe haben, als wir, und von denen man nun einmal nicht erwarten kann, daß sie sich so gleich den ihnen, doch eigentlich auch aufgedrungenen Gesetzen und Einrichtungen der Weißen fügen sollen, milde zu verfahren, und nicht gleich bei einem ersten Fall z. B. die ganze Strenge der Gesetze gegen sie in Anwendung zu bringen, dieser Schuft aber, Billy the Bull wußte so gut was er that, und wie er sich dadurch der vollen Rache der Weißen preis gab, als irgend ein Weißer es wissen konnte, und ließen ihn die Gerichte wieder frei, so hieß das gar nichts anderes, als »gehe hin und morde nach Gefallen.«

Es war ganz das nämliche Verhältnis mit dem Mörder Merryman in Albury, und die Weißen zeigten sich dort ziemlich Alle einerlei Meinung, ihm – wo sie ihm nur einmal allein im Walde begegneten, einfach eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Ich selber würde mir nicht das mindeste Gewissen daraus gemacht haben, ihn wie einen Wolf niederzuschießen. Ueberdieß waren in der Gegend besonders schon zu viel solche Morde vorgefallen, und wo Reisende nicht allein, sondern auch die einzeln zerstreuten Schäfer fortwährend der heimtückischen Mordlust einzelner Schufte preisgegeben sind, da könnte es auch wohl eben Nichts schaden, wenn einmal ein Exempel statuirt und den Burschen gezeigt würde, wie man mit ihnen umgehen kann, so man nur will, besonders wenn es sich um einen so anerkannten Mörder handelte, wie eben dieser Billy der Bull seyn sollte.

Eines merkwürdigen Umstandes, der auch eben diesen Billy the Bull in die Hände der Weißen lieferte, muß ich aber doch noch erwähnen, der übrigens vielleicht in den eigenen Gesetzen oder angenommenen Gebräuchen der Wilden selber seine Lösung findet. – Sie scheinen nämlich zu glauben, daß nach Ablauf einer gewissen, gar nicht so sehr langen Zeit, die vielleicht sechs Monat betragen mag, eine Art von Verjährung eingetreten sey, nach der sie straflos wären, und nun ruhig wieder ihre Jagdgründe, die sie nach dem verübten Morde eines Weißen nicht selten verlassen, wieder besuchen könnten. Auch »Billy« hatte sich auf sechs Monat nach dem einen Mord, von dem er nicht so ganz sicher war daß er herauskommen möchte, entfernt, und gestand, eingefangen, mit der größten Freundlichkeit noch einige andere, die aber schon »lange, lange« (über sechs Monat) verübt wären, wie er meinte, und ihm seiner Rechnung nach doch jetzt nicht mehr konnten zur Last gelegt werden.

In dem Gasthaus kehrten diese Nacht auch ein Settler von der nächsten Station den Fluß hinunter, ein Mr. Smith und ein Prediger ein, den der erste mit herauf von Melbourne gebracht hatte. Die Ansiedler schienen nämlich eine Subscription gemacht zu haben um einen Geistlichen – und es war dieß der erste, der in diesen Distrikt kam – bleibend hier heraufzubekommen. Die Meinung sprach sich sehr günstig dafür aus, und man glaubte einem längst gefühlten Bedürfniß abzuhelfen, da auch der gemeine Mann, so roh und ungebildet er »im Busch« (wie die Wildniß Australiens überhaupt genannt wird) auch seyn möchte, doch dann und wann einmal Gottes Wort zu hören wünsche, und daher gern einen kleinen Beitrag zur Beibehaltung eines Geistlichen geben würde. Ueberdieß lebten ja auch da und dort Familien, und zu Trauungen, Taufen und Begräbnissen schien es wünschenswerth geistlichen Beistand zu haben.

Mein Marsch und die Art meiner Reise brachte mich, sehr zu meinem Vortheil, mit beiden Schichten der Gesellschaft am Murray in Verbindung, und zwar als Fußreisender oder sogenannter »bundleman«, am meisten mit den untern Schichten; denn größtentheils, wo ich eine Station erreichte um dort zu übernachten, schlief ich in der Hütte des Schäfers oder der Küche, wurde aber stets reichlich mit Speise und Trank und warmen Schaffellen versehen.

Am Abend erreichte ich die etwa 25 Meilen entfernte Station des Hrn. Smith, der an dem Nachmittag zurückkehrte, und übernachtete in der sogenannten »Hütte« mit dem Schäfer und Stockkeeper. Das Gespräch drehte sich natürlich um die »natural curiosity,« wie sie's nannten, den »Prediger im Busch,« aber keineswegs mit der Ehrfurcht die Mr. Smith oder der Prediger erwartet haben mochten.

»Der ist wohl hergekommen uns unsere six pence abzuholen,« meinte der eine; »verdammt der Penny, den er aus dieser Tasche kriegt,« erwiederte der andere. Alles sprach sich gegen jede Predigt, wie überhaupt gegen jede geistliche Tröstung aus. Ich glaube auch, nach allem, was ich gehört habe, daß dieß ziemlich die allgemeine Stimmung im Busch ist, und es giebt sicherlich auf der weiten Welt keinen undankbareren Ort für einen Geistlichen, als eben den Murray Scrub. Wohl nirgends in der weiten Welt lebt ein roheres, rauheres Volk, als gerade die Bewohner dieses Busches – die Ansiedler selber, oder vielmehr die Pächter der verschiedenen Stationen und »runs« natürlich ausgenommen, die sich aber auch von den »Leuten« in streng aristokratischer Art vollkommen isolirt halten.

Eine Tugend haben diese Leute aber, die Tugend der Gastfreundschaft, die bei dem Araber nicht gewissenhafter ausgeübt werden kann. Kommt ein Wandersmann in eine von ihren Hütten, ja sieht man nur einen von weitem kommen, so setzt der »Hutkeeper« (Hüttenbewohner) schon den Quarttopf mit Thee ans Feuer und den Damper und das Fleisch auf den Tisch. Kommt er gegen Abend an, so ist es eine Sache die sich von selbst versteht daß er dort übernachtet, und in gar vielen Hütten bin ich auf das herzlichste aufgefordert worden auch den nächsten Tag noch zu bleiben und auszuruhen. Die wenigen Settler die davon eine Ausnahme machen sind am ganzen Murray gekannt, und es wird nur mit Verachtung von ihnen gesprochen.

Sonst besteht diese Bevölkerung wenigstens zu drei Viertheilen aus früheren Deportirten, Leuten die in ihrer Jugend schon hieher geschafft wurden, und selbst der Möglichkeit jeder Erziehung entnommen, wild und roh in einem eben so wilden Lande aufwuchsen. Jedes Wort fast das sie aussprechen bezeichnet das, und »a bloody fine day – a bloody bad road« sind die steten, selbst im freundlichsten Sinn gebrauchten Ausdrücke. Dennoch halten sich diese Leute in einer Art gesetzlichem Zwang, von dem der eben so wilde, aber nicht so rohe Backwoodsmann (Hinterwäldler) Amerika's nichts weiß. Es herrscht eine Art angeborner Scheu vor einem Gesetz, das in vielen Fällen nicht im Stande ist ihn zu schützen, das der Buschmann aber doch selten oder nie – wenn er es nicht als Verbrechen heimlich thut – übertritt. Ich meine hiemit das Lynchgesetz, das vielleicht in keinem Ort der Welt nöthiger wäre manchmal anzuwenden als gerade hier – nirgends aber auch, wenn nicht jene wohlthätige Scheu vor dem Gesetze stattfände, in schlimmeren Händen seyn könnte.

Es fallen nämlich, selbst hier im Busch, sehr häufig Diebstähle vor. Diese aber sind um so gefährlicher, da die Schäfer und Stockkeeper ihre Hütten gar nicht einmal verschlossen halten können, und selbst die Hutkeeper, besonders da wo Hürden stehen, dieselben manchmal verlassen müssen. Nur zu häufig kommt es vor daß herumstreichende Vagabunden, die überall die Gelegenheit wissen, Decken oder Provisionen – denn sonst ist in den Hütten selten etwas zu holen – mitnehmen, ja wohl auch die einzige Kiste aufbrechen, worin ein paar mühsam ersparte Schillinge zu finden sind; oder daß sie Pferde auffangen damit ihren Weg fortzusetzen, die sie dann, wenn sich Gelegenheit bietet, verkaufen oder vertauschen, oder auch wieder laufen lassen.

Werden solche Schufte von den rechtmäßigen Eigenthümern auf frischer That ertappt, so müßte immer erst ein Polizeibeamter vielleicht sechzig oder siebzig Meilen weit herbeigeholt werden sie zu verhaften. Ebenso geht es mit der Verfolgung; wollte man sich der Polizei dabei bedienen, so gewännen die Diebe gewöhnlich, ehe die Polizei herbeigeschafft werden könnte, einen solchen Vorsprung daß an ein Nachsetzen gar nicht mehr gedacht werden könnte. Uebernehmen aber die Leute selber die Verfolgung, so dürfen sie ihnen gesetzlich nichts weiter thun als ihnen das geraubte Gut wieder abnehmen – und ich glaube selbst, das ist nicht einmal streng gesetzlich. Das diebische Gesindel das sich hier herum aufhält, weiß das auch recht gut, und treibt sein schändliches Gewerbe ohne Scheu. Nur ein paar Mal aber den alten Lynch zwischen sie gebracht, was keine strengen Folgen von Seiten der Behörden haben könnte, und sie würden sich lange nicht mehr so sicher in der Ausübung ihrer Verbrechen fühlen. Man mag gegen das Lynchgesetz sagen was man will, ich bin doch in einzelnen Fällen dafür, und alles was ich darüber in Amerika gesehen und erfahren habe, ist mir hier im australischen Busch bestätigt worden.

Diesen Tag hatte ich mehrere leere Schäferhütten getroffen. Es sollte vor kurzem hier mehrfach Regen gefallen seyn, und weiter nach Norden hinauf, im sogenannten Scrub oder den Malleybüschen fing das Gras an aufzukeimen, weßhalb die meisten Schafstationen jetzt weiter ins Land hinein verlegt wurden. Die Schafe sollen zu dieser Jahreszeit und mit dem so wasserhaltigen Futter des pigs face vielleicht nicht so viel Wasser gebrauchen, und den Schäfern wird es dann durch Karren für den eigenen Bedarf zugeführt.

Heute traf ich auch zuerst den Malleybusch von dem ich früher schon so viel gehört hatte, und der ein für viele australische Stämme so ungemein wichtiger Strauch ist.

Der Malleybusch hat, wie fast jeder australische Baum, die langen, lanzettförmigen, oben und unten gleichen, und mit einer Art Terpentin gesättigten Gummiblätter; er wächst aber nur als Busch, und zwar sechs bis zwölf und zwanzig kleinere Stämme von einer Mittelwurzel schlank und blattlos in die Höhe zweigend, während die dichte Laubkrone ein breites, symmetrisch gleichförmiges Dach bildet. Das Grün dieser Blätter ist lebhaft und der Stiel derselben von einer röthlichen Farbe, so daß sie mit dem schlanken, eigenthümlichen Wuchs gar nicht üble Gruppen bilden. Zwischen ihnen kommt meistens die australische Fichte vor, ein wahrhaft schöner, wenn auch nicht hochwachsender Baum, der mit seinem vortrefflich schattirten saftigen Grün und den feinen Nadeln auf das freundlichste gegen die ihn umgebenden und oft überragenden Malleybüsche absticht. Das Holz dieser Fichten ist schlank, weiß und fest, und eignet sich vortrefflich zu Tischlerarbeiten, wie denn von den kleinen schlanken Stämmen fast sämmtliche Hütten im Busch aufgebaut werden. Die Rinde ist von einem sehr hübschen Grau und lang und tief eingespalten, was bei dem tannenartigen Wuchs des Baumes selber und unter dem tiefschattigen Laub vortrefflich absticht.

Der Boden wo diese Malleybüsche stehen ist durchgängig rother Sand, und hier gedeiht besonders bei nur einigermaßen günstiger Witterung der wilde Hafer; an mancher Stelle sogar, wie mir versichert wurde, zu ganz vorzüglicher Güte. Jetzt freilich waren nur erst die allerersten Spuren davon in dünnen grünen Hälmchen sichtbar, und es bedurfte noch manchen guten Schauers sie auch in dieser so regenarmen Gegend voll und üppig herauszutreiben.

Der Malley bildet an beiden Seiten des Murray, oft bis zum Fluß hinanreichend, ein, weiter zurück besonders, fast undurchdringliches Gebüsch, das dann auch mit dem dicken, in förmlichen Rabatten, Kränzen, Halbmonden und Schlangen wachsenden kaktusähnlichen Porkupine oder Stachelschweingras feste Dickichte flicht, in denen nur das Känguruh und der Kasuar (Emu) mit dem wilden Hund ihren Aufenthalt finden.

Hier aber hausen auch viele Stämme der Schwarzen, die Malleyblacks oder Worrigels, wie sie von den Stämmen am Murray genannt werden, und leben von Känguruhs und Wallobys (einer kleinern Art Känguruhs), Känguruhratten, Wombats (einer Art Dachs) und Emus. Kein Tropfen Wasser fließt in ihrem Gebiet, und sie gewinnen dasselbe auf eine so sinnreiche als eigentümliche Art. Die Wurzel einer dieser Malleyarten ist nämlich überaus saftreich, und sie graben sie aus, brechen sie in Stücke und stecken sie in ein zu diesem Zweck gehaltenes Gefäß aus Baumrinde, wobei aus manchen der Wurzelstücke ein vollkommen klares, aus andern ein etwas röthliches, aber stets rein und süß schmeckendes Wasser fließt. Waschen kommt bei ihnen natürlich nicht vor, und zu diesem Gebrauch vermissen sie also das Wasser nicht; zum Trinken aber sind ihnen diese Wurzeln vollkommen genügend.

In diesem so überaus trockenen Sommer haben sich aber auch einige von ihnen genöthigt gesehen die sonst ihnen alles bietenden Malleybüsche zu verlassen und zum Murray hinabzuziehen. Hier kamen sie in das Flußgebiet feindlicher Stämme, und wo sie nicht stark genug waren sich auf kurze Zeit den Aufenthalt am Murray zu erzwingen, mußten sie Nachts – trotzdem daß dieß ihrer Natur bedeutend widerstrebt – heimlich zum Fluß kommen, und sich in Baumrindenschalen das nothwendigste Wasser das sie brauchten fortholen.

Doch auf die Sitten und Gebräuche dieser Stämme komme ich später ausführlicher zurück, da ich, außer meinen eigenen Erfahrungen, in Adelaide auch noch vortreffliche ja selbst officielle Quellen fand, die ich benutzen durfte, und aus denen ich mir einen ziemlich guten Ueberblick feststellen konnte.

Ich näherte mich jetzt mehr und mehr dem Territorium in dem die Blacks besonders »jolly« wie sie eigenthümlicherweise genannt wurden, seyn sollten. Das Wort jolly bedeutet eigentlich bloß vergnügt, munter; meinen besondern Nachfragen aber nach war hiermit keineswegs eine harmlose Fröhlichkeit gemeint, sondern jolly sollte hier mehr keck und übermüthig bezeichnen, und die schrecklichsten Geschichten erzählte mir nun gar ein sogenannter »bundleman« oder Fußreisender, welcher auf einer kurzen Strecke der unterhalb liegenden Stationen gearbeitet hatte, und mit noch einem Begleiter hier heraufgekommen war. Unterwegs passirten sie einen Stamm der Wilden, und zwei von diesen hatten sich von den ihrigen abgesondert, kamen mit ihren Speeren und Keulen auf sie los und verlangten »smoke« (Rauch, für Tabak). Sie versicherten ihnen daß sie nichts hätten was sie ihnen geben konnten, aber einer der schwarzen Schufte machte sich jetzt, während der andere ruhig dabei stehen blieb und das Gesicht nur zu einem freundlichen Grinsen verzog, eifrig darüber her ihnen die Decken von den Schultern zu nehmen und dann auch noch beiden die Taschen zu visitiren, in denen sie einige Schillinge Silbergeld und jeder ein kleines Taschenmesser hatten. Sie wurden rein ausgeplündert, und mußten nur noch froh seyn unbeschädigt und mit ihrem Nierenfett an der richtigen Stelle ihren Weg fortsetzen zu können. Kurz vorher hatte derselbe Stamm einem andern Fußreisenden bloß Tabak und Messer fortgenommen, und diese beiden erkundigten sich jetzt gerade sehr angelegentlich nach einem frühem Kameraden von ihnen, der den Weg auch gekommen seyn sollte, hier oben jedoch von Niemanden mehr gesehen war.

Es ist aber jetzt auch wohl nöthig daß ich hier ein paar Worte über die Waffen der Schwarzen sage, die von manchen vielleicht zu leicht angesehen werden möchten, wenn man hört daß sie sämmtlich nur von Holz sind. Die Stämme wissen aber vortrefflich damit umzugehen, und die Genauigkeit mit der sie besonders die leichten Speere werfen, ist außerordentlich.

Diese bestehen aus zwei verschiedenen Theilen: der etwa zwei Fuß lange Stiel ist von einer Art festem Rohr, oder meistens von dem sogenannten Grasbaum, einem Gewächs das am meisten mit unserer schilfigen Plumpkeule (ich weiß wirklich in diesem Augenblick weiter keinen als unsern Kindernamen dafür) Aehnlichkeit hat, und die ebenfalls 3 bis 4 Fuß lange Spitze besteht gewöhnlich aus dem harten Holz des hiesigen Eisenbaumes. Die Spitzen derselben sind glatt und haarscharf, und sie schleudern die Pfeile nicht bloß durch den Schwung des Armes, sondern geben ihrem Wurf noch weit mehr Stärke durch ihr sogenanntes Wurfholz. Es ist dieß ein etwa zwei Fuß langes schmales Stück Holz, an dem oberen Ende mit einer Art Widerhaken versehen; in diesen Widerhaken wird das untere Ende des Speeres gelegt, und der Speer so gewissermaßen durch Hebelkraft fortgeschleudert. Sie führen gewöhnlich vier oder fünf solcher Speere bei sich. Außer diesen haben sie noch die Keule – ein kurzes schweres Stück Holz mit dickem Knopf in den verschiedensten Formen, und den schmalen langen Schild, die Speere und Keulenschläge zu pariren; dann die Wurfkeule, ein schmales gebogenes, sehr dünnes und scharfes Instrument von hartem Holz, mit breitem radiermesserartigen Kopf, und das eigentümlichste von allen, die Womera, wie sie dieselben, glaube ich, in Vandiemensland nennen, oder die Bumerang, wie sie am Murray heißt. Diese Bumerang ist schon oft von Engländern beschrieben worden, ich habe mir aber beim Lesen nie einen recht deutlichen Begriff davon machen können, und will hier versuchen ob ich im Stande bin sie etwas begreiflicher zu erklären.

Der Bau der Bumerang, so einfach wie nur etwas seyn kann, gründet sich auf ein streng mathematisches Prinzip, das von diesen Blacks gewiß nicht durch Berechnung oder Ueberlegung, sondern nur durch Zufall gefunden ist. Die Bumerang ist ein etwa zwei bis drittehalb Zoll breites und vielleicht 18 bis 20 Zoll langes, aber nicht mehr als etwa einen halben Zoll dickes Stück hartes Holz, an beiden Enden nicht spitz, sondern mehr scharf abgerundet, aber fast zu einem Halbmond, wie eine Sichel, und nicht ganz so rund gebogen, mit der innern Seite ebenfalls ziemlich scharf. Von diesen Bumerangs gibt es zwei Arten: die eine ist ein gewöhnliches Wurfgeschoß das durch die Biegung nur schärfern Nachdruck erhält, an dieser sind die beiden Schenkel der Sichel vollkommen gleich. Die andere aber, bei welcher der eine Schenkel ein klein wenig kürzer und das Instrument selber auch etwas mehr gebogen ist, wird nicht allein ebenso vorwärts geschleudert, sondern kehrt auch, wenn sie nirgend Widerstand getroffen, also den Gegenstand nach welchem sie geschleudert wurde verfehlt hat, durch eine eigene Schwingung zu ihrem Werfer, und zwar mit fast noch vermehrter Gewalt zurück. Diese Bumerang wird aber nicht direct nach dem Gegenstand, den sie zu treffen bestimmt ist, geworfen, sondern sie berührt erst, in etwa zwanzig Schritt Entfernung, die Erde, und prallt nun von dieser wie mit neugewonnener Kraft ab, dem bestimmten Ziele zu. Trifft sie hier Mann oder Thier – und der Werfende weiß ziemlich genau die Höhe zu bestimmen in welcher das von der Erde seyn muß – so schlägt das scharfe harte Holz in der gewaltigen Schwingung eine bösartige Wunde. Diese hölzerne Sichel schneidet selbst durch das dickste Tuch, und ist auch in ihrem unregelmäßigen Flug fast gar nicht zu pariren. Trifft sie aber ihr Ziel nicht, so fliegt sie etwa bis 100 und 120 Schritte Entfernung weiter und steigt dabei bis zu 20 Fuß Höhe vom Boden empor, beschreibt hier einen kurzen Bogen zur Linken, wobei es ein paar Secunden lang fast aussieht als ob sie total feststände, und schwirrt nun plötzlich zischend und sausend wieder durch die Luft heran, fast in gerader Linie über die Stelle hin, und wohl noch zehn, zwölf Schritte weiter zurück, von der sie ausgeworfen wurde.

Diese Bumerang ist weiter unten am Murray und in Südaustralien nur sehr wenig gekannt und gar nicht im Gebrauch während sie jedoch, Dr. Leichhardts Bericht nach, bis im hohen Norden von Australien vorkommt. Bei den Stämmen in der Torresstrait habe ich sie nicht gesehen, es kann aber deßhalb doch seyn, daß sie sie eben so gut zu führen wissen, denn auf den Inseln gibt es kein Wild für diese Waffe und es läßt sich denken daß sie Alles, was sie nicht eben nothwendig für ihren dortigen Aufenthalt brauchten, am festen Lande zurücklassen würden.

Am 25. Mai näherte ich mich dem Murray wieder, den ich, dem Eduard folgend, verlassen hatte, und wanderte jetzt am Logan, der nur eine kurze Strecke diesen Namen führt, und durch den Eduard und den Wakool, beides Ueberschwemmungsarme des Murray, gebildet wird. Hier schoß ich den ersten schwarzen Schwan, obgleich ich schon mehrere vorher gesehen, aber keinen hatte zum Schuß bekommen können. Ich balgte ihn ab und nahm die Haut mit mir.

Diese schwarzen Schwäne haben ein vortreffliches Gefieder, der Rücken ist ziemlich schwarz, und der Bauch mehr in ein dunkles Silbergrau überspielend. Das Werthvolle an ihnen ist aber der schneeweiße, fast anderthalb Zoll starke Daun, der zum Vorschein kommt wenn die schwarzen Federn ausgezogen werden, und der das zarteste, wunderschönste Pelzwerk für Damen liefert. Die großen Schwungfedern sind weiß, und ein rother Ring liegt ihm um die Augen.

Jagdbares Wild gibt es hier freilich äußerst wenig, und die Känguruhs sind vielleicht das einzige was auf den Namen von Jagd Anspruch machen könnte, da man sie nicht allein hetzt, sondern auch auf der Pirsche schießen kann, und darin hat diese Jagd viel Aehnlichkeit mit der des Hirsches. Känguruhs bekam ich aber nur sehr wenige zu sehen; sie hielten sich bei der entsetzlichen Dürre des Landes, da sie selber lange ohne Wasser leben können, tief in den Malleybüschen auf, wo ziemlich gutes Futter wachsen soll, und wo sie sich besonders an dem eben jetzt herauskommenden jungen Gras letzten. Känguruh-Jagden sind schon viel zu oft beschrieben und zu einförmig um darüber noch ein Wort zu verlieren; interessanter sollen aber die Emu- oder Casuar-Jagden der Eingebornen seyn, die diesen australischen Strauß gewöhnlich, wenn sie ihn auf den Ebenen entdecken, mit einem ganzen Stamm umzingeln und ein förmliches Kesseltreiben darauf anstellen.

Dieser Emu hat viel Aehnlichkeit mit dem südamerikanischen Avestruz oder Casuar, scheint aber doch eine andere Gattung zu bilden, und ist auch etwas größer als der amerikanische. Der eine wenigstens, mit dem ich an diesem Tage fast zusammen rannte, stand gewiß über sieben Fuß hoch und war ein kolossaler Kerl. Ich ging nämlich durch ein kleines Borwood-Dickicht, wo mein Schritt auf dem weichen staubigen Boden kaum hörbar war, und kam eben an einen der tausend kleinen trockenen Creeks oder Schluchten, die das flache Land nach allen Richtungen hin durchziehen, als ich in der Schlucht ein Geräusch hörte. Schon der Indianer wegen trug ich die Büchse immer schußfertig; im Nu hatte ich sie im Anschlag und blieb lauschend stehen, um durch ein zweites Geräusch die Richtung und Natur desselben mehr bestätigt zu bekommen, ich sollte aber nicht lange darüber im Zweifel bleiben. Im nächsten Moment schon fuhr irgend etwas, das ich im ersten Augenblick natürlich für nichts geringeres als einen mordsüchtigen Indianer hielt, wie ein Ungewitter aus dem Theebusch auf mich los. Ich riß, in einem mir selber kaum bewußten Gefühl der Selbstvertheidigung, die Büchse an den Backen, ehe ich aber irgend ein Ziel visiren, ja selbst das was sich aus dem plötzlich Leben gewinnenden Theebusch zu entwickeln schien, erkennen konnte, fuhr eine dunkle Gestalt an mir vorbei, so dicht daß es mir die Büchse bald berührt hätte, und ich erkannte jetzt einen gewaltigen Casuar, der die langen Beine nicht schlecht gebrauchte, und mit wirklich fabelhafter Schnelle über den weichen Boden hinflog, daß er den Staub hoch hinter sich aufwarf. Das Alles kam so schnell daß ich wahrhaftig zu schießen vergaß, und zwei Secunden später wäre es auch zu spät gewesen, denn die ganze Erscheinung ging wie ein Blitz an mir vorüber.

Dieß hatte übrigens insofern sein gutes, als es mich für die Zukunft vorsichtiger machte, denn wo ich den langen Emu vorher in der Schlucht nicht gesehen hatte, der gar nicht daran gedacht sich zu verstecken, da hätte auch ein halbes Dutzend von den Blacks in bequemster Art und Weise im Hinterhalt liegen und mir ihre fatalen Speere in den Leib jagen können. Ich fing jetzt an weit sorgfältiger aufzupassen, und die Folge davon war daß ich schon am nächsten Tage ein Känguruh belauerte das zum Wasser an den Logan hinuntergekommen war.

Die Emus werden von den Schwarzen gegessen; die Jungen sollen auch ganz gut schmecken. Die Haut mit dem Gefieder ist aber zu weiter nichts als Fußdecken zu gebrauchen. Die Schwarzen benützen sie höchstens manchmal zum drauf liegen.

Außer dem Emu und dem Känguruh gibt es fast gar kein Wild, nur noch einige Känguruh-Arten: das Walloby, etwas kleiner als das Känguruh, und die Känguruh-Ratzen, kleine possierliche Dinger, halb Ratze, halb Känguruh, die blitzschnell, wenn aufgescheucht, halb springend, halb laufend, durch die Büsche schießen, und beim ersten Anblick, eben wenn sie so rasch verschwinden, fast Aehnlichkeit mit dem Kaninchen haben. Das Komische bei ihnen ist daß sie alle stets eine ihrer Vorderpfoten, bald die rechte, bald die linke, bei der Flucht in die Höhe halten, so daß man im ersten Augenblick glaubt sie hinken; das ist aber keineswegs der Fall, sie schonen nur die Füße so lange sie mit dreien rasch genug vom Platze kommen. Die Blacks fangen sie in Schlingen, was um so leichter ist, da sie in Erdlöchern wohnen und also ihre regelmäßigen Aus- und Eingänge haben.

Das einzige in Australien existirende vierfüßige Raubthier (wenigstens in diesen Theilen von Australien, denn der Norden ist noch gar wenig bekannt und es sind ja daselbst auch, der Zoologie dieser Strecken ganz zuwider, Krokodile gefunden), ist der wilde Hund, eine Schakal-Art, die zwischen Wolf, Fuchs und Hund liegt. Die Farbe desselben ist nicht feststehend, wie bei dem stets grauen Kayota Californiens und dem fahlen Prairie-Wolf der westlichen Steppen Nordamerika's, die meisten dieser »Dingos« sind allerdings gelb und hellgelb, es gibt aber auch braune, lohfarbene und ganz schwarze, die letztern haben aber dann meistens nach dem Bauch hinunter und an den Beinen eine lohfarbene Schattirung. Der wilde Hund ist noch rein Naturhund, und will mit der Civilisation nichts zu thun haben, obgleich er von den Schwarzen und in seltenen Fällen auch von den Weißen gezähmt wird. Diese den Weißen angewöhnten Dingos sind dann freilich Renegaten und werden von ihren freien Brüdern gründlich gehaßt und verfolgt. Mit der Civilisation selber geht es ihnen aber wie dem Mephistopheles: »Du kannst im großen nichts beginnen, und fängst es nun im kleinen an.« Gegen die ganze Civilisation mit ihren Stationen und Schafheerden können sie nichts ausrichten, wären auch sehr thöricht wenn sie es thäten, denn gerade diese Civilisation erhält sie fett, und so halten sie sich nun an die einzelnen Schafe, denen sie auf eine wahrhaft nichtswürdige Weise nachstellen. Die Sache ist übrigens, besonders dort wo Känguruhhunde gehalten werden, äußerst gefährlich für sie, denn kommen diese einmal einem der diebischen Gesellen frisch auf die Fährte, so ist er geliefert; denn einem Känguruhhund – die im Stand sind selbst den, wie im Blitz dahinschießenden Emu einzuholen – kann er keine halbe Meile weit entgehen. Aber selbst langsameren Hunden fällt er leichtsinnigerweise sehr oft zur Beute, denn die klugen Thiere, besonders wenn sie sich hinsichtlich der Schnelle dem flüchtigen Dingo nicht gewachsen fühlen, legen sich Nachts an irgend einer Fenzecke unweit der Hürden auf die Lauer, und wehe dann dem schleichenden Dieb, wenn er sich zu keck in ihre Nähe wagt. Nichtsdestoweniger versucht er es doch immer wieder den doppelt bewachten Heerden beizukommen, und diese sind weder am Tag in dem scrub, noch Nachts in den Hürden, vor ihnen sicher, während das blutgierige Thier oft die furchtbarsten Verheerungen unter den armen Wollträgern anrichtet, und nicht allein zerreißt was es eben verzehren will, das ließe sich noch entschuldigen, sondern mordet, so lange es noch Leben um sich sieht.

Einige der englischen Ansiedler halten sich übrigens sogar Braken, die englischen Foxhounds, und jagen den Dingo ganz nach Art der englischen Fuchshetzen, wobei sie manchmal sehr hübsche Jagden haben sollen. Am Murray fand ich einen solchen »Kennel« bei Mr. Jeffries, und in den übrigen Theilen des Landes sollen sie ebenfalls hie und da vorkommen. Die Ruthe wird eben so gut als Siegeszeichen dabei mit nach Hause gebracht als vom Fuchs in England, und sie haben auch nie zu fürchten daß sie einen Tag ausreiten ohne auf eine frische Fährte zu kommen und den Dingo zu fassen. Sie kehren selten oder nie ohne Jagdbeute heim.

Schlangen soll es in sehr großer Menge hier in Australien geben, jetzt, im Winter, lagen sie aber fast sämmtlich in ihren Erdhöhlen oder in hohlen Bäumen versteckt, und wenn ich auch hie und da die frische Spur derselben, an einem schönen warmen Tag, im Staub oder Sand fand, bekam ich doch nicht eine einzige selber zu Gesicht. Zu diesen Reptilien kann man übrigens auch eine sehr große Art Eidechse, die mehrere Fuß lang wird, zählen. Die Schwarzen halten diese für einen Leckerbissen, und sie wird auch von vielen Weißen gern gegessen.

An Geflügel findet man den schwarzen Schwan, den Pelikan, die wilde Gans, eine sehr große Menge verschiedener Arten von Enten – eine besonders mit sehr scharfem Moschusgeruch, und eine wunderschöne Art Kranich, unter einer großen Anzahl kleinerer, den sogenannten native companion, der bis vier und fünf Fuß hoch wird und in seinem ganzen Gang und Aeußern – nur nicht in der Farbe, denn er hat ein sehr hübsches Stahlgrau – ungemeine Aehnlichkeit mit unserm deutschen Storch hat, zu dessen Geschlecht er auch unstreitig gehört, nur daß der Schnabel kürzer ist.

Die Gravität mit der diese native companions einherschreiten ist wirklich possierlich anzusehen, und sie gleichen nicht selten in Gang und Bewegungen – so wunderbar das auch klingen mag – Menschen, die sich theils in Gedanken, theils auf müßigem Spaziergang, theils ihren Geschäften nachgehend, hin und her bewegen. So sah ich einst zwei von diesen native companions von einer Lagune zur andern hinüberwechseln. Sie hatten vorher am Wasserrande gestanden und sich den Schlamm und die trübe Fluth ungemein aufmerksam besehen; ihre Bemerkungen darüber konnt' ich nicht hören, ich war zu weit entfernt; nachdem sie sich aber ein paarmal gegen einander gewandt und das Terrain abwechselnd mit den Blicken genau untersucht hatten, gingen sie beide in einem Moment, wie nach vorhergegangener Verabredung, den flachen Uferrand hinauf, und schritten nun langsam neben einander hin durch den offenen Wald einer andern Lagune, oder eigentlich derselben, die nur dort eine große Biegung machte, zu, und sahen ums Leben so aus wie ein paar sauber in Stahlgrau gekleidete alte Herren, die mit den Händen auf dem Rücken plaudernd, und behaglich auf einer kleinen Promenade nach Tisch im Walde spazieren gingen. Langsam schlenderten sie so neben einander hin, und verschwanden bald darauf hinter den den andern Arm der Lagunen begränzenden Gummibüschen.

Das Schnabelthier, berühmt weil es bis jetzt das einzige entdeckte Thier mit einem Vogelschnabel ist, habe ich mehreremal am Murray gesehen, wo es oft in die Höhe springt, daß man im ersten Augenblick glaubt es sey ein Fisch der an die Oberfläche schlage; zweimal traf ich es auch auf dem festen Land, aber immer dicht am Ufer, und ehe ich es aufs Korn nehmen konnte, war es stets untergetaucht.

So arm die Thierwelt in Australien an Vierfüßlern seyn mag, so unendlich reich ist sie dagegen an Vögeln, und ich habe bis jetzt in keinem Theil der Welt eine solche Mannichfaltigkeit in Gefieder und Farbenpracht gesehen wie bei den hiesigen Arten der Papageien und Kakadus, Wasservögel und Tauben.

Den weißen Kakadu gibt es in ungeheuren Schwärmen, und Züge streichen oft über die Waldungen, breiten sich über die Ufer der Lagunen oder flattern kreischend und schreiend in die breiten Aeste der Gumbäume an den Ufern der Flüsse, in Schaaren von drei und vierhundert Stück. Der schwarze Kakadu ist schon seltener, kommt aber auch in ganzen Völkern, manchmal mit dem weißen zusammen, am liebsten aber doch allein vor, und von diesem habe ich besonders zwei leicht zu unterscheidende Arten gesehen, die eine mit hochrothem, die andere mit orangegelbem Kamm und Querstreifen über den Schwanz.

Zu dem jagdbaren Geflügel gehört noch eine Art gelb und braunes Waldhuhn, ziemlich so groß wie ein gewöhnliches Haushuhn.

Doch genug von der Thierwelt, ich will lieber wieder zu meinem einsamen Marsch zurückkehren.

Die Nacht vom 20sten blieb ich auf einer Station die ich gerade vor Sonnenuntergang erreichte, und ging am nächsten Morgen ziemlich früh aus. Sonderbarer Weise fühlte ich aber eine Art Schwindel im Kopf, als ob ich betrunken wäre, und auf ebener Erde taumelte ich ein paarmal hin und her. Das stärkste was ich getrunken hatte war an dem Morgen Thee gewesen, und den Tag über Murraywasser, davon konnte es also nicht kommen; sonst fühlte ich mich ebenfalls vollkommen wohl, nur im Kopf ging mirs herum, und manchmal tanzte der ganze Busch einen ordentlichen Reigen um mich her. Wenn ich jetzt hier, gerade in der Nähe der schlimmsten Indianerstämme, krank geworden wäre – der Gedanke jagte mir einen kalten Schauer über den Leib, und ich wanderte, gerade nicht in besonders freudiger Stimmung, weiter. Der Schwindel wurde übrigens gegen Abend immer stärker, und ich konnte endlich nicht weiter. Am Fluß selbst mochte ich übrigens, der dort auf- und abstreichenden Blacks wegen, nicht lagern, ich schwankte also, denn gehen konnte ich das gar nicht mehr nennen, etwa eine Viertelmeile in die Malleybüsche hinein, zündete mir dort mit unendlicher Mühe ein Feuer an, rollte mich, die Büchse an der rechten, offenen Seite, in meine Decke und verfiel bald in eine Art von Halbschlaf, in dem ich auch die ganze, ziemlich traurige Nacht verbrachte. Am nächsten Morgen hatte der Schwindel etwas nachgelassen, der Kopf brannte mir aber wie Feuer, und mein Magen erklärte mir ebenfalls ziemlich deutlich daß er etwas mehr verlange als pigsface und Murraywasser. Glücklicherweise schoß ich, als ich meine Decke aufgepackt hatte und zum Murray zurückging, ein Walloby, aus dem ich mir ein Stück am Feuer briet, dennoch war ich den Tag zum Marschiren unfähig. Gott weiß was mir in den Gliedern lag, die Knochen waren mir aber wie zerschlagen, und ich fürchtete ernstlich krank zu werden.

Um den Tag übrigens nicht gänzlich zu verlieren, beschloß ich das einzige Hemd, das ich noch aus dem Schiffbruch gerettet – weil ich es eben anhatte – wieder einmal zu waschen, das Wetter war denn auch günstig, und auf einer Sandbank im Fluß, die gespannte Büchse über ein paar Stück zu dem Zweck hineingeschlepptes Holz gelegt, so daß sie mir im Nothfall dicht zur Hand blieb, beendete ich meine ganze Wäsche in etwa einer halben Stunde, Sand statt Seife benutzend, und verzehrte dann den Rest meines Walloby – mein Magen befand sich noch in ganz vorzüglicher, und keineswegs durch den Schwindel angegriffener Ordnung. Am andern Morgen war ich denn auch, Dank meiner guten Natur, vollkommen wieder hergestellt – der Schwindel hatte mich freilich noch immer nicht ganz verlassen, aber ich fühlte ihn nur dann noch wenn ich stehen blieb und die Augen fest auf einen Punkt gerichtet hielt. Den Tag über verließ mich auch dieß letzte Gefühl, und ich wanderte jetzt wieder froh und frisch meine Bahn durch die ewigen Gummiwälder.

Von meinem Lagerplatz abgehend, hatte ich aber die einzelnen Wagenspuren verloren die nach einer Station, wahrscheinlich etwas zurückliegend, führten, und ziemlich gerade Richtung verfolgend die mich wieder zum Fluß bringen mußte, behielt ich diese bei, und erreichte den Murray gerade an einer Stelle, etwa Nachmittags zwei Uhr, wo an der gegenüberliegenden Seite, auf einem Sandhügel, von Fichten und sogenannten honeysuckle (Banksia) umgeben, eine kleine Hütte stand. Am andern Ufer sah ich einige Schwarze mit einem ihrer Rindencanoes, winkte ihnen und hatte sie bald bei mir. Von den Blacks, die sich an den Stationen aufhalten, hat man übrigens auch nichts zu fürchten, wenigstens so lange sie in der Nähe der Wohnungen der Weißen bleiben, und für ein Stückchen Tabak waren diese gern erbötig mich über den Strom zu schaffen.

Diese Rindencanoes der australischen Wilden sind übrigens merkwürdige Dinger, und gar sehr verschiedene von denen aller übrigen Stämme die mir bis dahin vorgekommen. Der nordamerikanische Wilde z. B. an den großen Süßwasser-Seen des Binnenlandes fertigte sich aus der elastischen und zähen Birkenrinde ein Canoe, mit dem er selbst über die erregten Wogen jener gewaltigen Wasser kühn und blitzesschnell hinüberschießt. Dem faulen australischen Wilden fällt es aber gar nicht ein sich mit irgend etwas Mühe zu geben, was er ohne Mühe weit bequemer haben kann; er schält sich deßhalb nur ein einfaches Stück Rinde von einem Gummibaum herunter und legt das aufs Wasser – er wählt stets gebogene Bäume, von denen er das äußere Knie nimmt, so daß er auch nicht die mindeste Mühe weiter damit hat, als eben das Abschälen, läuft das Wasser aber doch hie und da auf der Seite ein, so baut er sich einen kleinen Damm vorn und hinten hin, mit ein paar Händen voll Thon oder Lehm und rudert nun, bloß mit seinem Speer, über den Fluß hinüber und herüber und manchmal auch ein Stück hinunter oder hinauf. Er muß aber fortwährend dabei genau balanciren, denn nicht selten, und auch z. B. an dem Canoe in welchem ich übersetzte, bleibt kaum ein Zoll hoch Rand, so daß die geringste falsche Bewegung das Canoe unrettbar füllen und senken muß. Ich saß denn auch, vollkommen eines solchen Zufalls gewärtig, mit meiner Büchse umgehängt, und das Pulverhorn, das ich mir in dem letzten »public house« wo sie einige Sachen zum Verkauf hielten, wieder hatte frisch füllen lassen, auf den Kopf gebunden.

Wir kamen aber glücklich hinüber, und ich blieb die Nacht bei den Leuten in der Hütte, von denen ich auf das gastlichste aufgenommen wurde. Die Nacht regnete es was vom Himmel herunter wollte, und ich war froh genug daß ich nicht im Freien lag.

Hier hörte ich auch daß die beiden Schwarzen die zweier Mordthaten wegen verfolgt wurden, ganz in der Nähe seyen. Die nach ihnen ausgesandten Constabler waren aber unverrichteter Sache zurückgekehrt, weil sie dieselben nicht persönlich kannten und auch durch keinen der Anderen herausbekommen konnten, doch erwartete man sie jeden Tag zurück, und der Schäfer wünschte sehr daß diese beiden gefährlichen Schufte, von denen der Eine noch dazu mit Feuergewehr bewaffnet war, unschädlich gemacht würden.

Am 29. Mai, bei ziemlich schönem Wetter, wanderte ich meinen Weg auf einer ziemlich gebahnten Straße hin; ich hatte einige zwanzig englische Meilen kein Haus zu erwarten, und war deßhalb in der etwas öden Gegend ziemlich aufmerksam. Ich befand mich hier unter der Mündung des Murrumbidgee, und gerade hier sollten einige der bösartigsten Stämme hausen. Es war übrigens schon Nachmittag, und noch hatte ich keinen einzigen der Blacks gesehen, ja nicht einmal eine frische Spur von ihnen gefunden, als ich plötzlich vor mir in der Straße sich etwas regen sah und ein dunkler Körper über den Weg in die dichten Thee- und Lignumbüsche hineinglitt. Ich ging noch etwa dreißig bis vierzig Schritte vorwärts, blieb dann stehen und sah, da ich nicht ohne Grund vermuthete daß ich von irgend einer Seite beobachtet würde, nach meinem Gewehr, knackte ein paarmal mit dem Hahn, setzte zur Vorsorge neue Zündhütchen auf, und verließ dann die hier gerade durch ziemlich dichtes Gebüsch hinführende Straße, um rechts ab nach einem kleinen mehr offenen Sandhügel einzubiegen, wo ich, im Fall einer der Schurken wirklich böse Absichten haben sollte, das Terrain besser übersehen konnte, und nicht überall Büsche um mich her hatte, in denen die Schwarzen leicht anzuschleichen vermochten.

Hier schien ich aber aus dem Regen in die Traufe zu kommen, denn kaum auf dem Gipfel des Hügels angelangt sah ich mich plötzlich vor einem ganzen Stamm der Blacks, die auf dem Marsch begriffen waren, und gerade in diesem Augenblick, zu welchem Zweck konnte ich nicht errathen, einen Halt gemacht haben mußten. Es brannte nicht ein einziges Feuer, und selbst die wenigen Frauen die sie mit sich führten trugen ihre Päcke noch auf dem Rücken.

Ich war jedenfalls schon früher von ihnen bemerkt worden, denn nur ein Theil von ihnen sah sich nach mir um als ich so dicht vor ihnen – ich mochte kaum noch hundert Schritt von ihnen entfernt seyn – erschien, und vier oder fünf alte Männer waren in einer heftigen Disputation begriffen. Ich selber wußte im ersten Augenblick nicht was ich thun sollte – leichtsinnigerweise hatte ich auch von Sidney nur meine Büchse und mein Messer mitgenommen, und meinen königl. sächsischen Paß im Koffer liegen lassen, wie sollte ich mich jetzt legitimiren. – So war ich denn freilich wieder einmal auf mich selber angewiesen, und glaubte dießmal wirklich einem Anfall nicht mehr aus dem Wege gehen zu können. Uebrigens war ich vollkommen darauf vorbereitet, denn ich hatte mir bei meinem letzten Unwohlseyn – eine Sache die jetzt viel zu meiner Beruhigung beitrug, für den Schrotlauf meines Gewehrs Patronen gemacht, und für den Büchsenlauf die sich sehr rasch ladenden Spitzkugeln in der breiten Gürteltasche stets zum Gebrauch bereit.

Das Aussehen der dunklen Schaar war übrigens keineswegs einladend, und es ließ sich nicht leicht verkennen was sie eigentlich beabsichtigten. Sie waren jedenfalls zu einem Kriegszug aufgebrochen, hatten sich reichlich mit weißer und rother Erde auf die wunderlichste Art bemalt, und gingen, ich möchte sagen, bis an die Zähne bewaffnet. Fast jeder von ihnen trug zwei Bumerangs, drei oder vier Speere und am Handgelenk die kleine Kriegskeule mit dem langen schmalen Schild, und es läßt sich denken daß diese, schon in friedlicher Zeit mord- und beutelustigen Gesellen eben nicht milder gestimmt seyn würden, wo sie einmal die Waffen mit dem festen Entschluß aufgegriffen hatten, nicht ohne das Nierenfett irgend eines erlegten Feindes wieder heimzukehren.

Allerdings galt dieser Zug nicht den Weißen, sonst hätten sie mich selber schon lange überfallen, sondern wahrscheinlich irgend einem anderen benachbarten Stamm (und das war auch der Fall, denn später hörte ich, daß sie gegen die Swanhill blacks zu Felde gezogen wären) jedenfalls kam ich ihnen aber da so ganz allein, noch dazu mit meinen Waffen, die sie recht gut zu würdigen verstehen, auf eine gar verführerische Weise in den Wurf, und ich glaube nicht daß ich mich irrte wenn ich das scharfe Debattiren der Alten auf mich selber bezog.

Leid thut es mir jetzt damals meine Advokaten, das heißt die welche gegen irgend eine feindliche Maßregel vielleicht stimmten, nicht näher beobachtet zu haben; mir blieb aber in dem Augenblick wahrlich keine Zeit dafür, denn nach einem rasch umhergeworfenen Blick sah ich wieder eine Gestalt hinter mir, und zwar ebenfalls wie die frühere, nicht offen vortretend, sondern, als ich mich umdrehte, das Gebüsch suchend. Die Sache war, wie die Engländer sagen, too exciting to be pleasant, zu aufregend um angenehm zu seyn.

Ihnen gerade in die Zähne laufen wollte ich aber auch nicht, und sie wenigstens die Angreifer seyn zu lassen, wogegen sie doch gewöhnlich einige Scheu tragen, wandte ich mich wieder dem Wege zu und beschloß mich auf diesem zu halten, und abzuwarten, was die schwarzen Schufte beginnen würden.

Lange sollte ich darüber nicht in Zweifel bleiben; ich war kaum zweihundert Schritt gegangen, als ich rechts, durch die niedern Theebüsche weg, zwei junge kräftige Kerle mit ihren Waffen nach dem Weg hinüberschneiden sah, als ob sie dort kreuzen wollten; ich war ungefähr noch 60 Schritt von ihnen entfernt als sie stehen blieben und mich dort, doch nicht in feindlicher Stellung, erwarteten. Durch das Abbiegen vom Hügel war ich der übrigen Schaar aus den Augen gekommen, sah aber jetzt wie sich diese ebenfalls auf dem Hügel sammelte, augenscheinlich um die Verhandlungen zu beobachten. Mir war übrigens schon vorher von allen die ich darüber gesprochen und die längere Erfahrung für sich hatten, gesagt worden, nie und unter keinen Umstanden, wenn ich jemals mit Eingeborenen in eine derartige Berührung kommen sollte, Furcht zu zeigen – ich selber hatte das ebenfalls schon, unter den verschiedensten Verhältnissen erprobt gefunden, und wenn mir auch jetzt das Herz ein wenig klopfte, beschloß ich doch die schwarzen Bursche davon nicht das mindeste merken zu lassen. Ich nahm deßhalb die Büchse langsam und ohne sie zu spannen von der Schulter und unter den Arm, und ging meinen ruhigen Schritt fort auf die beiden mich Erwartenden zu.

»You smoke?« sagte der eine als ich dicht vor ihnen war, jetzt wohl denkend daß ich bei ihnen stehen bleiben würde, – und das sollte nicht etwa heißen ob ich selber rauche, das würde sie wenig gekümmert haben, sondern ob ich Tabak bei mir führe.

»No,« lautete meine kurze Antwort, und damit bog ich, ihnen nur eben nach der rechten Seite ausweichend, mir aber auch den rechten Arm mit dem Gewehr (und mein Jagdmesser trug ich, der Tasche wegen, ebenfalls an der rechten Seite) freihaltend ihnen rasch aus dem Pfad, und schritt meinen gewöhnlichen Gang auf dem Wege fort. Ein Paar Sekunden blieben sie, wie unschlüssig gemacht, stehen, dann aber kamen sie, nach ein paar schnell gewechselten Worten, rasch hinter mir her, und ich war jetzt genöthigt mich umzudrehen sie zu erwarten, denn ich mochte sie nicht in Speerwurfsnähe wissen und ihnen dabei den Rücken zugekehrt halten.

»You smoke? –« wiederholte jetzt der eine der vorher gesprochen, ungeduldig, nicht mehr in bloßer Frage, sondern schon fordernd, und ich sagte ihnen eben so kurz und bestimmt daß ich keinen Tabak bei mir hätte. Das war nun freilich nicht der Fall, und ich hätte ihnen gern eine Stange gegeben, that ich das aber, so glaubten sie am Ende sie hätten mich eingeschüchtert, und ihre Habgier wurde dann gereizt und trieb sie zu weiterem.

»That dam gammon,« fuhr aber der Sprecher jetzt wüthend auf – »you smoke,« – gammon ist ihr englischer Ausdruck für Lüge, Betrug, zum Besten haben etc. – und ich glaubte jetzt daß ich sie habe weit genug gehen lassen, mich eben für einen friedlichen bundleman zu halten, mit dem sie thun und vornehmen konnten was ihnen gerade beliebte. Um ihnen daher vor allen Dingen zu beweisen, daß ich mich nicht im mindesten vor ihnen fürchte oder überhaupt glaube daß sie hier das Uebergewicht über mich hätten, griff ich in die Tasche, zog eine Stange Kautabak heraus, zeigte sie dem Einen, und sagte ihm, er solle den Tabak haben, wenn er mir eine von den Bumerangs gäbe, die er in der Hand trüge.

Die Wirkung die dieser Vorschlag auf ihn machte, war in der That komisch. Er sah mich erst ein paar Sekunden lang erstaunt an, dann seinen Kameraden, und sprang plötzlich, wie in einem Ausbruch von Fröhlichkeit, hoch in die Höhe. Jetzt aber griff er die eine Bumerang in die rechte Hand, lief ein paar Schritt zurück und rief: »I give you Bumerang,« und schwang die Waffe als ob er sie nach mir schleudern wollte.

Vielleicht sollte das Ganze nur Scherz seyn; jedenfalls zeigte es mir aber deutlich, wie ganz verschieden sich jetzt diese zum Kampf ausrückenden Burschen betrugen, wenn sie einen einzelnen Mann zwischen sich hatten, mit dem sie vielleicht glauben mochten, sie könnten thun was sie wollten. Wie er aber nun zurück trat, und die Bumerang in der Luft schwang, hatte ich meinen Tabak auch schon wieder eingesteckt, und ließ, ohne weiter eine Miene zu verziehen, beide Hähne aufknacken. Beide Schwarze faßten bei dem ihnen wohl gut genug bekannten Laut nach ihren Speeren; vor Feuergewehren, besonders doppelten, die sie recht gut von einfachen zu unterscheiden wissen, haben sie aber eine sehr heilsame Scheu, und unschlüssig sahen sie sich, wohl überzeugt daß der Angriff nur von ihrer Seite abhänge, einander an. Da stieß einer der Indianer die auf dem Hügel standen, und deren Bewegungen ich bis dahin ganz aus den Augen verloren, einen eigentümlichen Schrei aus, wie ein Blitz wandten sich meine beiden Freunde darnach um, und als ich mich ebenfalls dorthin drehte, sah ich eben noch wie drei von den Schwarzen in toller Eile und ihre Speere zum Wurf in der Hand den Hügel hinab und dorthin in die Büsche sprangen wo ich hergekommen war.

Im ersten Augenblick konnte ich nichts anderes glauben als Schrei und Angriff gelte mir, und brach die ganze Bande über mich herein, so blieb mir allerdings nichts weiter übrig als ein paar vor den Kopf zu schießen und meine Haut dann von ihren Speeren in ein Sieb verwandeln zu lassen. – Die nächste Sekunde überzeugte und beruhigte mich aber, daß kein Mensch mehr an mich dachte, was auch die Ursache war, aber selbst die beiden an mich Abgeschickten rannten, so rasch sie ihre Beine trugen, die Straße zurück. Natürlich blieb ich auch nicht stehen, ihre Rückkunft zu erwarten, beeilte meinen Marsch aber auch nicht, keine Furcht zu zeigen, – und ich muß gestehen daß mir das schwer wurde – und verfolgte ruhig meine Straße, den Fahrgleisen nach. Als ich mich aber nach einer Weile umdrehte, sah ich nur zu gut, daß kein Mensch mehr Notiz von mir nahm, denn die Frauen die jetzt nur noch auf dem Hügel standen, hatten mir alle den Rücken zugedreht. und schauten nach der entgegengesetzten Richtung hin.

In der nächsten Station die ich den Abend noch, gerade vor Dunkelwerden, erreichte, bekam ich eine theilweise Auflösung dieses räthselhaften Betragens.

Diese Indianer gehörten zu den Murrumbidgee-Blacks. Kurze Zeit vorher war einer der Swanhill-Blacks herüber an den Murrumbidgee zu einem kleinen Stamm gekommen. Er war allein, und trifft zwei Murrumbidgee-Blacks, von denen der eine eine Flinte trägt. Diese beide fragen ihn wo er herkommt und wie er heißt, und als er die Fragen beantwortet, sagt ihm der eine: es sey gut; er solle mit ihnen gehen, gibt ihm sogar das geladene Gewehr zu tragen, und läßt ihn vorangehen. Als sie aber eine kurze Strecke auf diese Art marschirt und an einen dazu passenden Ort gekommen sind, nimmt der eine der vorher die Flinte gehabt, seinem Cameraden den Waddie oder die kleine Kriegskeule aus der Hand, schlägt den fremden Schwarzen damit zu Boden und ihm dann das Gehirn ein, schneidet ihn auf, nimmt ihm das Nierenfett heraus und deckt ihn mit Zweigen und Büschen zu.

Der Stamm des Ermordeten erfährt das aber, und erklärt, für die That Rache nehmen zu wollen; die übrigen Murrumbidgee-Blacks wollten dagegen den Schwarzen ihres Stammes schützen, und zogen nun deßhalb jetzt von allen Seiten heran, so daß die Settler in der ganzen Gegend vermutheten es würde jedenfalls zum Kampf zwischen den Stämmen kommen. Was übrigens das sonderbare Betragen der Blacks gegen mich betraf, wodurch ich ihnen ungehindert entkam, wußte ich mir nicht anders zu erklären als daß jener Schwarze den ich zweimal hatte über meinen Weg gleiten sehen, vielleicht dem feindlichen Stamm angehörte, hier zum Spioniren herübergekommen und von den Feinden entdeckt worden war. In dem Fall lag ihnen natürlich alles daran dieses Spions habhaft zu werden, und sie ließen mich gern ungeschoren. Möglich ist's aber auch daß es nur ein Vorwand war auf eine anständige Art von mir los zu kommen; denn die Schwarzen sind so feig als heimtückisch, und hüten sich, so lange sie es irgend vermeiden können, einen öffentlichen Angriff auf Weiße zu machen, der vielleicht später von einem ihres eigenen Stammes verrathen werden könnte. Kann das heimlich geschehen, wenn ihrer nur höchstens zwei beisammen sind, geniren sie sich weniger; die meisten Mordthaten an Weißen sind auch fast sämmtlich von einem einzelnen Schwarzen oder von zweien ausgeübt worden.

War ich nun vor einiger Zeit nach dem linken Ufer des Murray übergesetzt, so riethen mir jetzt die Leute auf zwei Stationen die ich passirte, den Weg nach der nächsten Polizeistation zu verfolgen, und dort wieder, wenigstens für eine Strecke lang, an das rechte zurückzugehen, da ich dadurch einen bedeutenden Bogen, den der Strom hier machte, abschneiden konnte.

Dem Rath folgend, erreichte ich am 30. die sogenannte Polizeistation, die hier allerdings etwas einsam in der Wüste liegt, und mehr des Namens als sonst eines besondern Nutzens wegen unterhalten wird. Das einzige was der dort wohnende Commissioner, ein Mr. Macdonald, sonst ein sehr geachteter und allgemein beliebter Mann, zu thun hat, ist Gränz- und andere Streitigkeiten zwischen Nachbarn zu entscheiden. Der Commissioner ist zugleich auch Protector der Blacks, und hat ihnen schon sehr viel Gutes erwiesen; in diesem Augenblick war er übrigens nicht anwesend. Er hatte, wenn ich nicht irre, seiner Gesundheit wegen eine Reise nach Melbourne gemacht, war aber schon wieder auf dem Rückweg, und wurde täglich erwartet.

Neben der Polizeistation war ein Gasthaus, in dem ich übernachtete, und hier frug mich gleich bei meinem Eintritt der Wirth: ob ich der Deutsche sey der in einem Canoe von Albury ausgefahren wäre. Ich war wohl nicht mit Unrecht erstaunt daß der Mann hier, mitten in der Wildniß, davon jetzt schon etwas wissen konnte, denn den Fluß herunter war kein Reisender gekommen, ich hatte wenigstens keine Spur gesehen, und wer konnte es ihm sonst gesagt haben? Als ich es übrigens bejahte und ihn nur frug woher er das wisse, zeigte er mir mit einem schlauen Blick ein Sidney-Zeitungsblatt, das einer von der berittenen Polizei mit von Melbourne gebracht hatte, und worin mein Plan, Sidney zum Zweck einer Canoe-Fahrt auf dem Murray zu verlassen, erwähnt war. Der Mann that sich nicht wenig auf seine Schlauheit zu gut mich gleich erkannt zu haben, und war ungemein freundlich.

Hier lagerten auch einige zwanzig Blacks, und ich gab einem von ihnen, als ich ankam, das Schwanfell, das ich noch immer in der Decke trug, um das Fett aus der Haut mit einer Muschel heraus zu kratzen, worin sie große Fertigkeit haben sollen. Als ich nach einer halben Stunde wieder hinaus ging, um zu sehen wie weit sie damit wären, sahen sämmtliche Blacks so fettig und glänzend von oben bis unten aus – denn trotz der ziemlich kalten Witterung trugen nur zwei oder drei von ihnen Decken – als ob sie sämmtlich in Oel abgekocht gewesen wären. Haar, Gesicht, Arme, Beine, kurz alles glänzte gleich stark, und ich sah wie sie sich gegenseitig mit ungemeinem Wohlgefallen betrachteten. Mein Schwanfell hatten sie aber, in dem Eifer so viel als möglich von dem sehr beliebten Fett daraus zu erhalten, so rein ausgekratzt daß an ein paar Stellen die ganze Haut mitgegangen war, und es schien mir eben die höchste Zeit es an mich zu nehmen wenn ich nicht bloß die Federn übrig behalten wollte.

Diese Sitte der australischen Stämme, sich den Körper mit Fett einzureiben, scheint aber fast so viel in der Eigenschaft des ganzen dortigen Klimas, als in Mode oder Aberglauben begründet zu seyn. Die Luft trocknet die Haut auf eine solche Weise aus, daß selbst Europäer schon, besonders bei längerem Aufenthalt im Innern, zu demselben Mittel ihre Zuflucht genommen haben – auch Leichhardt erwähnt es in seiner Reise. Die Wilden benutzen das Fett dann also etwa in derselben Art und theilweise auch zu demselben Zweck, wie wir uns, selbst wenn die Haut im Sommer noch so rein ist, häufig waschen, und Schwarze sollen oft in der Nähe von Ansiedlungen die Weißen auf das Dringendste um nur ein kleines Stückchen Fett angehen, wenn sie es sich nicht selber gleich verschaffen können, nur um ihrer Haut diese Linderung zu gönnen.

In dem Gasthaus übernachteten zwei Engländer die von dem Darling gekommen, und etwa 16 Meilen von da ebenfalls von Blacks angehalten, durch das Hinzukommen eines Reiters aber noch von ihnen befreit waren. Der Stamm sollte dicht am Wege lagern, und der eine von ihnen suchte mir abzureden allein dort hinunter zu gehen, und lieber hier zu warten bis sich ein Begleiter für mich fände. Daran konnte ich natürlich nicht denken, beschloß jedoch, wenn ich in die Nähe des Platzes, den sie mir ziemlich genau bezeichneten, käme, rechts in den Wald abzubiegen, und dadurch jeder Berührung mit ihnen auszuweichen.

Mein Marsch ging diesen Tag größtentheils durch die sandigen Malleybüsche, wo ich allerdings gut marschiren hatte (denn der Boden war fest und hart), aber auch nicht weit um mich sehen konnte. Um 3 Uhr Nachmittags erreichte ich etwa die Gegend welche mir die Engländer beschrieben hatten, und wo die Blacks an einem Creek lagern sollten; bald darauf sah ich auch den Creek und, vorsichtig weiter gehend, den Rauch ihrer Feuer, und schlug mich nun rechts in die Büsche, in ungefähr eine Meile den Lagerplatz umgehend. Gegen Abend erreichte ich die Straße wieder, und nun konnte ich ungehindert meinen Weg verfolgen.

Als ich durch den Malleybusch von der Straße ab marschirte, sah ich mehrere Känguruhs und eine Emu, ich mochte aber in diesem Fall nicht schießen, leid that es mir aber doch einen guten Braten so gerade unter der Hand weglassen zu müssen. In der Nacht erreichte ich eine Station, und setzte dort am andern Tage wieder über den Fluß nach dem linken Ufer, da mir in dem letzten Hause gesagt war, ich würde auf der Seite noch vor Abend ein Haus erreichen können. Die hier ausführenden Karrenspuren waren aber sehr unbestimmt, da sie bald rechts, bald links in den Busch hineinführten. Bis gegen Abend hielt ich aber ziemlich gute Richtung, und behielt immer den befahrensten Weg bei; mit Dunkelwerden, wo ich das Haus noch nicht erreicht hatte, verlor ich diesen jedoch, und glaubte nun, wenn ich meine Richtung einfach der untergehenden Sonne, also fast Nordwest, zuhielte, die Station, oder doch jedenfalls den Fluß, und an diesem wieder einen Weg erreichen zu müssen. Es wurde aber dunkler und dunkler, die Sterne funkelten schon hoch am Himmel, und das südliche Kreuz stieg mehr und mehr, aber immer ließ sich noch kein Zeichen von der Nähe des Stromes oder einer Station blicken. Tiefer und tiefer kam ich in die Malley-Wildniß hinein, Känguruhs und Emus fuhren vor mir auf aus den Büschen, hie und da hörte ich den wilden Hund leise durch den Scrub schleichen, und ich konnte zuletzt nicht anders glauben als daß ich, trotzdem daß ich treulich die bisher gehabte Richtung beibehalten hatte, meinen Weg total verfehlt haben mußte. Wie das gekommen, war mir für den Augenblick unerklärlich, ich wußte aber daß ich mich auf der Südseite des Stromes befand; strich ich jetzt ganz gerade nach Norden hinüber, so mußte ich endlich wieder auf einen Pfad, oder doch wenigstens an den Fluß kommen, und, dem südlichen Kreuz den Rücken zukehrend, marschierte, d. h. drängte und arbeitete ich mich jetzt in gerader Richtung gen Norden.

Wäre ich meiner Richtung aber nicht so gewiß gewesen, ich hätte sicherlich müssen irre werden, denn ich kam jetzt durch ein Terrain – steile, mit dichtem Busch bewachsene Sandhügel, und dann eine weite mit Salzbusch bewachsene Ebene – das ich gar nicht kannte, und das keinenfalls auf dem von mir zurückgelegten Pfad gelegen. Die Sterne logen aber in diesem Falle sicher nicht, denn wenn ich mir auch nicht gerade aus ihrem Stand mein Schicksal bezeichnen lassen möchte, unterwerf' ich mich doch sehr gern ihrem Ausspruch was die Richtung in dunkler Nacht betrifft. Zwei volle Stunden mußte ich aber gehen, und legte in diesen gewiß sechs Meilen durch das wildeste, unwegsamste Terrain zurück, wobei mich das »Stachelschweingras« bald zur Verzweiflung brachte. – Stachelschweingras? wozu eigentlich noch eine Schmeichelei, Stachelschweinborsten hätte man eben so gut sagen können, denn wie scharf geschliffene Borsten gingen mir die Spitzen in die Haut, und ich begreife jetzt recht gut weßhalb die Indianer nicht Nachts marschiren mögen – man braucht gar nicht abergläubisch zu seyn einem solchen zweckwidrigen Gewächs vorsichtig aus dem Weg zu bleiben, wenn es erst einmal dunkel ist. Dürre und überall niedergebrochene Malleystangen vermehrten dabei noch das Beschwerliche, und nur der Durst der mich peinigte, denn ich hatte den ganzen Tag noch nicht einen Tropfen Wasser über die Lippen gebracht, vermochte mich, nicht gleich da liegen zu bleiben wo ich einmal stand, und den Versuch nicht aufzugeben, den Fluß noch an diesem Abend zu erreichen.

Prachtvoll war übrigens die Scenerie, wenn ich mir dann und wann Zeit nahm stehen zu bleiben und einen Blick über das wilde Chaos zu werfen, das mich umgab. Die rauhen Malley bewachsenen Sandhügel mit den wunderlichen Büschen und schön gezeichneten daraus hervorragenden kleinen Fichten lagen um mich her wie die schwellenden Wogen einer See und die Sterne, die klar und funkelnd am Himmel standen, gaben gerade Licht genug die eigenthümlichen oft wild phantastischen Formen einzelner naher Büsche und Stämme erkennen zu lassen. Dabei raschelte und flüsterte es durch den Busch in toller unheimlicher Art, denn die von allen Büschen niederhängenden Rindenstreifen schlugen an einander. Die Malleyblätter selber hatten ein eigenes trockenes wisperndes Rauschen und der Luftzug, der durch die schwingende Rinde strich, klang manchmal wie wirkliches Singen und Pfeifen menschlicher Wesen.

Ich bin übrigens nicht furchtsam, und da ich mich auch ziemlich sicher von Indianern wußte die hier, so weit vom Wasser entfernt und in dem stachlichen Gras gewiß nicht Nachts umherzogen, konnte ich mich den fremdartigen Eindrücken mit voller Ruhe hingeben. – Es schwelgt sich aber schlecht in Naturschönheiten, mit zerstochenen Schienbeinen und ich fing an mich mehr um meine Bahn, als die mich umgebenden Baum- und Strauchgruppen zu kümmern, die mich in ihren nicht wegzuleugnenden Hindernissen so schon genug beschäftigten.

Diese australischen Hügelstriche haben aber eine Eigenthümlichkeit in ihrer Bildung, wie ich sie noch in keinem andern Lande gesehen, und wie sie auch wohl kaum in einem andern Welttheil existirt. Die ganze Oberfläche zeigt hier nicht eine Spur von Wasser, kein trockenes Flußbett selbst, nicht das Zeichen eines ausgetrockneten Baches. Die wellenförmigen Hügel oder Erhöhungen vielmehr, denn keine derselben ist mehr als sechzig bis siebzig Fuß hoch, ziehen sich, wenigstens in jenem Strich, meist von Ost nach West, und wie das Meer, wenn seine Wogen plötzlich erstarrten, einen durch Nichts unterbrochenen Gang zeigen würden, so liegen diese Malleyhügel in ungekannte unbetretene Salzwüsten hereindehnend, starr und entsetzlich da. Diese Gleichförmigkeit ist denn auch nur zu häufig die Ursache, daß sich Schäfer oder Jäger verirren, und der Unglückliche der dort erst einmal seine Bahn, und mit ihr auch gewöhnlich Kopf und Geistesgegenwart verloren, hat Nichts was ihn leiten könne als den Himmel, und ist der bedeckt, oder versteht er die Sprache der Gestirne nicht, so mag er sich ruhig niederlegen und sterben.

Viele solche Beispiele wurden mir von dortigen Stationhaltern erzählt, und wie ich einmal die ordentliche Wildniß erst wirklich betreten hatte, fand ich das auch leicht erklärlich, noch dazu da Nichts auf der Welt einen so furchtbaren lähmenden Einfluß auf die Nerven des Menschen ausüben soll, als eben der Gedanke sich verirrt zu haben. Der stärkste Mann, wenn er sich nicht mit gewaltsamer Anstrengung seine geistigen Kräfte wahrt und den Kopf oben behält, wird zum Kind und rennt, als ob sein Leben von der Strecke Weges abhinge die er möglicherweise durchlaufen kann, in blinder wahnsinniger Eile fort und fort und im Kreis herum, bis er zum Tode erschöpft niederfällt und nur neuen Athem schöpft seinen irren Lauf aufs Neue zu beginnen. In jedem anderen Lande hat man dabei wenigstens die Formation der Gebirge oder Hügel, die alle irgend eine Schlucht zeigen, in der sich in der Regenzeit das Wasser sammelt in das Thal hinab zu fließen – selbst in den Prairieen und Steppen giebt es, wo die Flüsse fehlen, schmale Ravinen die sich das Regenwasser gerissen, und die endlich einmal einem Flusse zuneigen. – Diesen folgend muß der Verirrte endlich an ein größeres Wasser und damit auch wohl zu dem Aufenthalt von Menschen kommen, wenn ihn nicht vorher seine Kräfte verlassen oder er, wie das meistens geschieht, Tage lang einer solchen Bahn folgt und dann, ziemlich am Ziel, daran verzweifelt es je zu erreichen, um nach anderer Richtung hin den trostlosen Lauf aufs Neue zu beginnen. Hier fehlen alle diese Zeichen; der fallende Regen wird von dem sandigen Boden mit Begierde aufgezogen, und wo sich wirklich einmal eine Schlucht gebildet hat, der Wasser die erste Form gegeben zu haben scheint, braucht man ihr nur zu folgen um zu sehen, wie Zufall oder andere Umstände das flache schmale Thal ausgehöhlt haben müssen; nach wenigen hundert Schritten verschwindet es wieder und Sand, ewiger entsetzlicher Sand ist was dem Verschmachtenden entgegenstarrt.

Ich kümmerte mich aber wenig um Schluchten oder Hügel, sondern meiner Richtung gewiß, ruhig meinen einmal angenommenen Cours beibehaltend, und nur da links oder rechts abbiegend, wo ich hoffen durfte eine steile oder zu dicht bewachsene Hügelkuppe zu umgehen, erreichte ich zuletzt eine weite Salzbuschebene, über die hin ich endlich den dunklen Waldstreifen, der mir die Nähe des Flusses bezeichnete, vor mir sah, und nun auch zugleich einen schmalen ziemlich betretenen Pfad traf, neben dem ich ein Wagengleis fühlen konnte – denn zu sehen war nicht viel. Dieser Pfad führte jedenfalls zu der Station, die ich umgangen haben mußte, denn an den vor mir liegenden Waldstreifen sah ich daß der Strom gerade an dieser Stelle unvermuthet einen gewaltigen Bogen nach Norden hinaufmachte, weßhalb ich so lange marschiren mußte ehe ich wieder zu ihm kam. Da ich aber wußte daß nach Westen hin wenigstens in 25 bis 30 Meilen keine andere Wohnung lag und keine Provisionen mehr bei mir führte, beschloß ich die nur kurze Strecke, wie ich vermuthete, nach dem Haus zurückzugehen.

Dem Pfad also folgend, der mich zuletzt wieder unter hohe Gumbäume, also jedenfalls in die Nähe des Flusses führte, wanderte ich wieder Meile auf Meile, ohne auch nur die Spur einer menschlichen Wohnung anzutreffen, bis ich endlich in weiter Ferne ein Licht schimmern sah, und nun wenigstens für diesen Abend meinen Marsch glücklich beendet glaubte.


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