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Friedrich Gerstäcker: Australien - Kapitel 10
Quellenangabe
typereport
authorFriedrich Gerstäcker
titleAustralien
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
seriesReisen
volumeVierter Band
year1853
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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9. Sitten und Gebräuche der südlichen australischen Stämme.

Durch das Eingehen in die Sprache dieser Stämme hat man etwas von ihren Gebräuchen erfahren, was früher nicht geglaubt, oder doch stark bestritten wurde: daß diese Stämme nämlich Territorialrechte besitzen. Familien hatten als Grund- und Erbeigenthum gewisse Striche Land, die von den Vätern auf die Söhne (nie auf die Töchter) mit ebenso großer Regelmäßigkeit übergehen, als Eigenthum in Europa oder irgend einem anderen civilisirten Welttheil. Ja sie gehen sogar noch weiter – dann und wann vertauschen sie ihr Land mit dem einer andern Familie, das ihnen vielleicht günstiger liegt, oder durch Heirathen in andere Familien wünschenswerth erscheint, wie zum Beispiel in dem Fall von King John, der zu dem Distrikte von Adelaide Glinely-Sturtriver und Hurtlewale gehörte und es gegen ngalinga und maitpunga eintauschte. Ein Umstand mit diesem Landbesitz ist hierbei noch bemerkenswerth, einige haben große Strecken Grundeigenthum, während andere gar keins ihr eigen nennen; sie scheinen aber die Ursache dieser ungleichen Verteilung nicht zu kennen – sie stammt aus zu alter Zeit her und ihre mündlichen Uebertragungen wissen nichts davon.

Was die Nahrung dieser Blacks anbetrifft, so sind sie dabei natürlich einzig und allein auf die Jagd angewiesen – ihre niedere Jagd bleibt aber nicht bei Hase und Rebhuhn oder vielleicht Krammetsvogel stehen, wie bei uns in Deutschland, sondern geht auf Raupen, Larven, Würmer, Käfer, Schlangen, Eidechsen und Gott weiß was sonst Alles herunter. Ich bin fest überzeugt, sie essen was ihnen vorkommt – was es immer auch sey – die erwachsenen Männer wenigstens; für die Frauen und Minderjährigen bestehen aber gewisse Gesetze, die streng eingehalten werden müssen.

So werden Kindern keine Vegetabilien gegeben, weil man glaubt daß sie ihnen schädlich sind. So lange noch an der Brust, darf der Säugling (der übrigens diesen Ehrenposten zwei bis drei Jahre und manchmal noch länger behauptet) die mangalya turlukka – eine Larve aus dem Wattelbaume, – essen; sobald die Zähne herauskommen werden ihnen Leber und Muscheln erlaubt, und wenn entwöhnt, also in einem Alter von zwei bis drei Jahren, Vegetabilien und Lunge und Leber der Thiere.

Während der Schwangerschaft dürfen die Frauen keine Emus (australischer Kasuar) oder Opossums essen, sonst werden die Kinder krank. Am Murray dürfen sie auch in diesem Zustand keinerlei Art von Fisch zu sich nehmen.

Jungen Männern oder jungen Mädchen ist am Murray ebenfalls, in einem gewissen Alter der Fisch Relabko untersagt – wie Kinder, wenn sie schon Fleisch essen, eine besondere Art von Enten nicht anrühren dürfen.

Wenn die Frauen einmal über das Alter des Kindergebärens hinaus sind, dürfen sie essen was sie wollen, ebenso die Männer, wenn sie ihre letzten Ceremonien, die sie zu burkas oder vollen Männern machen, überstanden haben. Bis dahin ist ihnen aber ebenfalls Manches verboten. So dürfen die unverheiratheten Männer z. B. nicht essen: Känguruhs, die aus dem Beutel der Mutter genommen sind, die großen Eingeweide der Thiere, das rothe Känguruh oder in manchen Distrikten nur nicht die Vorderblätter desselben – das weibliche Känguruh all der verschiedenen Arten und den wilden Hund. Wenn verheirathet können sie sich an Lunge und Leber delektiren und das Emu essen, und wenn erst einmal Burkas, wie schon gesagt, Alles verzehren was vorkommt.

Känguruhs und Emus fangen sie manchmal in Netzen. Diese Netze (die sie übrigens beiläufig gesagt gerade so stricken wie die Europäer) werden auf den Wechsel gestellt, und die Thiere, deren Lager oder Aesungsplatz sie vorher ausgemittelt haben oder wissen, hineingetrieben. Wombats – eine Art Dachs – ersticken sie in ihren Löchern.

Die Zubereitung ihrer Speisen ist ebenfalls sehr einfach – sie dämpfen, nach Art der meisten wilden Stämme, ihr Fleisch und ihre Vegetabilien; nur die Larven der Insekten verzehren sie roh.

Berauschende Getränke haben sie nicht und das einzige künstliche das sie sich machen besteht aus den Blüthen der Banksia, die sie in Wasser legen damit dieses den Honig herauszieht und auflöst – dieses Wasser trinken sie dann.

Ihre Wohnungen bestehen theils aus Büschen theils aus Stücken Rinde – die australischen Bäume schälen sich nämlich großentheils sehr gut – vorzüglich alle Gumarten – die Rinde stellen sie in einen Halbkreis zusammen so daß sich oben die Spitzen in einem gemeinsamen Punkt begegnen, und ein einziger vorgestemmter Stock hält dann das ganze Zelt oder Dach. Dicht davor machen sie das Feuer und natürlich wird die Rinde so gestellt daß sie den Inliegenden wie das Feuer gegen den Wind schützt. Diese Wohnungen können und müssen sie leicht verändern, da sie vollkommen auf die Nahrung angewiesen sind, die sie draußen finden, und wird diese in irgend einer Gegend selten so ziehen sie eben weiter.

Waffen. Die Adelaide-Stämme haben einen Winda, das ist ein sehr großer Speer von acht bis zwölf Fuß Länge mit glatter oder Feuerstein-, Glas- oder eingeschnittener Spitze. Dieser Speer wird auf eine Entfernung von zehn oder zwölf Yards geworfen. Der kleinere oder Raya-Speer besteht aus zwei Theilen, ist von fünf zu sechs Fuß lang und manchmal ebenfalls mit Glas bewehrt. Der obere Theil ist aus dem Theebaum oder sonst schwerem Material gemacht, zu den anderen wird Schilf oder die Stengel des schilfartigen Grasbaums genommen und beide werden mit Harz und Thiersehnen aneinander befestigt. Diesen Speer werfen sie 60–80 Yards.

Der catta wirra ist ein zweischneidiges Holz vier Fuß lang rund und meißelartig zugespitzt und wird gewöhnlich in Gefechten gebraucht wenn sie handgemein werden. Die Wirra ist zwei bis drei Fuß lang, an einem Ende mit einem Knopf oder Kolben versehen und zum Werfen und Tödten des Wildes gebraucht. Das Schild das sie benützen sich gegen die Waffen ihrer Feinde zu schützen ist von Gumrinde gemacht, etwa zwei Fuß lang, breit in der Mitte und nach den Enden spitz zulaufend. In der Mitte sind zwei Löcher durch welche eine Schnur oder Sehne gezogen wird, und hieran hält es der Krieger.

Feuersteine benutzen sie entweder so, als Messer, oder auch mit Harz an einen Stiel befestigt (die Kandappe) als Beil oder Meißel – manchmal nehmen sie auch hiezu statt des Feuersteins Muscheln.

Die Murraystämme haben diese Kandappe nicht, wenigstens habe ich sie nie bei ihnen gesehen, überhaupt keine Angriffswaffe im Handgemenge, ausgenommen die Wirra oder Keule. Dann aber ebenfalls den Schild, dort größtentheils aus Holz verfertigt, manchmal mit einem Handgriff hineingeschnitten, da der Schild in der Mitte dick, aber nur ebenso breit ist, die Hand zu decken und, etwa zwei Fuß lang, spitz ausläuft.

Außer diesem haben die Stämme des obern Murray noch die schon früher erwähnte Bumerang, ein gebogenes etwa zwei Zoll breites und anderthalb Fuß langes flaches sichelartiges Stück Holz, das sie schleudern und das, wenn es sein Ziel verfehlt, in einem kurzen Bogen schwirrend wieder zu dem Werfenden zurückkehrt.

Ihre Nadeln fertigen sie aus den Knochen des Känguruhs oder Emus, und schleifen sie auf einem Steine. Die Netze stricken sie aus den Sehnen verschiedener Thiere oder aus Pflanzenfasern, die sie kauen und durch Reiben der Hand auf dem Schenkel zu Faden bilden.

Ihre Felle, die sie zu Kleidungsstücken d. h. Decken verarbeiten wollen, werden aufgespannt und mit kleinen Pflöcken befestigt, und mit Asche und Staub eingerieben um das Fett zu entfernen, während man die kleinen nur mit glatten Steinen reibt, sie weich und elastisch zu machen. Das Kleidungsstück, wenn beendet, ist fast viereckig, wird über die linke Schulter geworfen und an der rechten befestigt, so daß es den rechten Arm frei und unbehindert läßt. Die Frauen schlagen es über den Rücken und die linke Schulter und nehmen es unter dem rechten Arm durch, das Ganze wird dann durch eine Schnur, die über Decke und Rücken geworfen wird, zusammengehalten. Dadurch bleibt aber eine Art Tasche auf dem Rücken, und in dieser tragen sie stets die Kinder.

Den Wadna oder Kletterstock benutzen sie um die Gumbäume zu ersteigen, und dieß thun sie auf folgende Art: Zuerst werfen sie alle Kleidungsstücke von sich und stoßen dann mit dem Wadna ein Loch in die Rinde. Dieß erste machen sie etwa zwei Fuß vom Boden und setzen darin die kleinen Zehen des linken Fußes. Mit dem linken Arm umfassen sie dabei den Stamm, während sie mit der Rechten wieder ein anderes Loch, und die Wadna solcher Art in den Stamm stoßen, daß sie sich daran hinauf ziehen können. In dieß zweite Loch kommt nun der Ballen des rechten großen Zehen, der Wadna wird wieder herausgezogen zu einem dritten Loch für den zweiten Tritt des linken kleinen Zehen und so fort.

Insektenlarven finden sie durch den kudna (Dung) der auswärts in den Oeffnungen liegt, aber selbst wenn sie von der Wurzel inwendig heraufgekommen sind und sich festgebohrt haben, können sie es an dem kränklichen Aussehen der Bäume erkennen.

Der Larvenhaken ist wiederum ein eigenes Instrument, und sie gebrauchen es um die Larven unter der Rinde der Gumbäume vorzuziehen. Der Haken besteht aus einem gewöhnlichen, dazu besonders geschnittenen Zweig etwa einen Fuß lang. Die Larven oder Puppen die sich in der Erde aufhalten graben sie mit dem kurko oder kleinen Spaten aus.

Mit diesem verschaffen sie sich auch die Muscheln an den Ufern der Seen oder Flüsse.

Die australischen Indianer sind aber keineswegs so ungesellig, als man nach allen Beschreibungen von ihnen glauben sollte; so haben sie im Frühjahr und Sommer, und auch manchmal im Herbst, mit verschiedenen Stämmen vollständige Zusammenkünfte – ordentliche Caffeevisiten die sie untereinander geben.

Diese Zusammenkünfte sind aber zweierlei Art – entweder zu einem freundlichen Fest oder zu Krieg.

Wenn zu dem ersten Zweck so versammeln sich die verschiedenen Gruppen doch in kriegerischen Stellungen – ihre Körper und Schilde sind mit Kreide bemalt und jeder erwachsene junge Mann trägt einen Speer. Sobald sie sich einander genähert haben, setzen sie sich auf die Erde nieder; sind welche dabei die sich einander nicht kennen, so werden sie förmlich vorgestellt, wobei alte Leute ihren Stammbaum und die Lage ihres Landes den Uebrigen mittheilen. Abends werden förmliche Tänze und Pantomimen, abwechselnd von jedem Stamme aufgeführt. Die Adelaidestämme haben den kuri und palti.

Der Kuri wird nur von den Männern ausgeführt – die Frauen und Kinder sitzen dabei auf dem Boden in einem Halbkreis und inmitten dieses kauert ein burka oder alter Mann mit zwei Stöcken in seiner Hand, dem wirri und katta, schlägt mit diesen den Takt, und singt. Die jungen Männer stampfen und tanzen dabei vor ihm, an ihre Kniee und Gürtel befestigte Strauchbüschel dienen dazu noch besser den Takt zu halten, und sie selber haben sich mit Kakadufedern und Kreidemalereien herausgeschmückt.

Der Palti ist viel geräuschvoller als der Kuri. Die Frauen und Kinder sitzen dabei auf der Erde und schlagen mit ihren Händen zusammengeballte Känguruh- und Opossumfelle, die einen hohlen Laut geben, indeß die Männer tanzen und ihre wirris und kattas zusammenschlagen oder auch abwechselnd mit den Frauen singen.

Wenn diese Stämme in feindlichem Absichten zusammenkommen so haben sie – gewiß etwas sehr Ritterliches – zuerst am Abend vorher einen Kuri oder Palti, und mit Tagesanbruch am nächsten Morgen beginnt dann der Kampf. Ihre Gefechte werden kaltblütig und grausam geführt und es scheint fast als ob sie sich oft keineswegs deßhalb schlagen geschehene Kränkungen zu rächen, sondern nur die Tapferkeit und Behendigkeit ihrer jungen Leute zu erproben. Während dem drei oder vier Stunden dauernden Gefecht wird kaum ein Wort gesprochen, oder der geringste Lärm gehört, außer dann und wann der schrille Ruf, wenn Einer einem geworfenen Speer nur eben entgeht, und doch sind mit den Frauen und Kindern oft hunderte von Zuschauern dabei.

Freundliche Stämme haben ihre Lager ziemlich nahe beieinander, immer aber in etwas geschieden und so geordnet, daß jeder das seinige nach der Richtung zu aufschlägt, wo sich sein Wohnsitz befindet. Mehre Familien liegen häufig in ein und derselben Hütte, nichtsdestoweniger hat aber dann jede ihr besonderes Feuer.

Die Stämme des Murray nennen ihren Tanz Korro-beri und alle die ich dort gesehen, haben Aehnlichkeit mit dem Palti und Kuri.

Die Regierung der Stämme liegt einzig und allein in den Händen der burkas oder alten Männer; jeder höhere Grad des Alters verleiht dabei mehr Kenntniß und Macht, und jeder wird auch mit entsprechenden Ceremonien angetreten. Die jungen Leute werden bei einem erneuten Altersgrad, auch mit mehr und gewissen Graden von Waffen belehnt, so daß nur die alten Leute alle die Instrumente des Kriegs der Jagd und der Zauberei oder Medicin, tragen dürfen.

Die Frauen und Kinder dürfen nicht all die heiligen oder geheiligten Instrumente sehen, wie z. B. der Bergkrystall mit dem der Zauberer Regen und Blindheit hervorrufen, oder das Wasser faulen lassen kann – ebensowenig die kadnomarngutta ein kleines ovales Stück Holz, durch das ein Loch gebohrt und eine Schnur gezogen ist. Wenn dieses rasch gedreht wird macht es ein brummendes Geräusch, das man in der Entfernung einer halben Meile hören kann. Die jungen Männer und Frauen wissen was das Geräusch bedeutet.

Die Mädchen werden in ihrer frühesten Kindheit schon verlobt und ihrem Mann etwa mit dem zwölften Jahr übergeben. Nahe Verwandte, näher als Vettern und Basen dürfen sich nicht miteinander verheirathen, und selbst diesen wird es nicht immer gestattet. Die ältesten Männer haben gewöhnlich die jüngsten Frauen und bekommen sie, indem sie ihre Töchter dagegen auswechseln. Wenn eine Frau 35 oder 40 Jahr alt wird, verstoßen sie dieselbe, und geben sie an einen 26–30jährigen Mann. Junge Männer unter 25 Jahren dürfen selten heirathen.

Die Kinder bekommen ihre Namen in der Reihe wie sie geboren werden als:

  wenn ein Knabe wenn ein Mädchen
Das erste Rutameru Rutanya
das zweite Warritya Warriarto
dann Rudnutya Rudnarto
" Monartya Monarto
" Milartya Milarto
" Marrutya Marruarto
" Wongutya Wonguarto
" Ngarlartya Ngarlarto
" Pourna.  

Diese werden den Kindern bei der Geburt gegeben, bald nachher aber wird noch ein anderer Name hinzugefügt, und dieser zwar irgend einem Gegenstand aus der Natur, einer Pflanze oder einem Thier entnommen. Diesen Namen behält das Kind bis es heranwächst, sich verheirathet, und nach der Geburt des ersten Kindes. Der Vater nimmt dann den Namen seines Kindes und hängt das Wort binna oder tpinna an. Also Kadli, der Name eines Kindes, Kadlitpinna der Vater von Kadli. Die Mutter wird Kadlingangki genannt, von nganki eine Frau. Der Name von Vater und Mutter wird solcher Art bei der Geburt jedes Kindes verändert.

Bekommt aber ein Mann noch Kinder, der schon graue Haare hat, so fügt er statt tpinna den Ehrentitel burka hinzu, als – Karkalla das Kind Karkalla burka der (alte) Vater von Karkalla. Bekommt er keine Kinder mehr, dann nimmt er einen permanenten Namen an und diesen zwar, nach Art unserer Edelleute, von dem Land das sein eigen ist, als z. B. Muliaki burka der Eigenthümer von Muliaki.

Vielweiberei ist häufig, die Frau wird als das Eigenthum des Mannes angesehen, und ein Mann kann sich, wenn er den verlangten Formen und Forderungen genügt, bis zu vier Frauen nehmen, deren er sich dann, wenn sie alt werden, wieder entäußert.

Zu ihren Heirathsceremonien gehören übrigens bei einigen Stämmen höchst wunderliche Gebräuche.

Ceremonien. Die männlichen Kinder haben fünf verschiedene Altersgrade durchzumachen. Der erste ist der des Kindes, von der Geburt bis zum zehnten Jahr.

Aus diesem treten sie in den zweiten oder wilya kundarti, indem sie mit Blut bestrichen werden, das man vorher aus dem Arm eines erwachsenen Mannes gezogen. Jetzt dürfen sie einen Wirri, einen kleinen etwa zwei Fuß langen glatten Stock tragen, Vögel damit zu werfen, ebenso den kleinen hölzernen Spaten Karko, Würmer und Larven aus der Erde zu graben. Der dritte Grad ist der der Beschneidung, was etwa im 14. Jahr geschieht, und die Ceremonien hierbei sind folgender Art:

Wenn der Tag angebrochen ist, an welchem dieselbe vorgenommen werden soll, werden die dazu bestimmten Knaben plötzlich von hinten gefaßt, dann verbindet man ihnen die Augen, und schleppt sie etwa eine halbe Meile fort. Drei von den Eingeborenen fangen jetzt an zu hinken und zu stöhnen und kriechen herum, bis sie zu Jemand kommen den sie fassen wollen, der sucht zu entspringen, setzt über die Jungen weg und versucht alles mögliche ihnen zu entgehen. Endlich wird er gefaßt, nicht weit von den Knaben hingelegt, und mit Staub bedeckt. Hat man sechs auf diese Art gefangen und behandelt, dann fassen sie die andern und schütteln sie, ziehen sie an den Ohren und schreien hinein und glauben nun daß sie bezaubert wären. Die übrigen bilden hierauf eine lange Reihe und führen, mit Einem an der Spitze, mehre Evolutionen aus, setzen sich, und schnellen wieder in die Höhe. Zuletzt stößt der Führer seinen Speer in die Erde, Alle fassen ihn dann an und werfen sich auf einen Haufen. Nun aber erheben sich auch die Inspirirten, werfen die Knaben auf diesen lebendigen Altar und operiren sie. Das Ganze dauert sieben Stunden und die Knaben werden dann eine Strecke, vielleicht vier Meilen weit, fortgeführt und dort streng vor den Frauen verborgen gehalten, bis sie vollkommen geheilt sind. Während der Festlichkeit bleibt sogar ein Mann im Lager um die Frauen und Mädchen dort zusammenzuhalten. Die Knaben empfangen zu gleicher Zeit eine Decke, Yutna, und der Kopf wird ihnen mit Fett und Farbe eingerieben, ein Band darum gebunden und ein Büschel Federn hineingesteckt. Bis zu ihrer gänzlichen Heilung dürfen die jungen Leute keine animalische Nahrung zu sich nehmen.

Der vierte Altersgrad wird mit dem 20. Jahre angetreten, heißt Wilyana und seine Auszeichnung besteht darin, daß dem jungen Mann Rücken, Schultern, Brust und Arme tättowirt werden. Ngulta wird er dabei während der Operation genannt, Iellam bombatta wenn die Wunden zu eitern anfangen, Tarkanje wenn sie gerade geheilt sind, Mangkawitja wenn sich die Einschnitte zu heben anfangen und Bartanna wenn sie ihren höchsten Punkt, jetzt eine Zierde des vollen Mannes, erreicht haben. Jeder Stamm hat dabei einen Unterschied in der Formation dieses Tättowirens, manche machen Risse über die ganze Brust, manche Kreise, manche Halbkreise. So roh ihre ganze Lebensweise ist, so roh ist die Art ihres Tättowirens.

Der fünfte Grad ist Burka – ein grauhaariger Mann.

So ein grauhaariger Mann, wenn sich die Schufte nur ein klein wenig reinlicher halten wollten, sieht aber auch manchmal stattlich genug aus. Bart und Haar lassen sie wild wachsen, und sie haben meistens schöne krause volle Bärte die dem schwarzen Gesicht und lebendigen Augen gar nicht übel stehen. Ein Paar solche alte Burschen hab ich am Murray gesehen, die dabei über die ganzen Schultern ebenso dicht wie im Gesicht behaart waren, und es sah ordentlich aus als ob sie ein graues Pelzwerk, eine Art Kaputze, über Kopf und Schultern geworfen hätten. Aber dem Wuchs all dieser Stämme, bei Männern wie Frauen schaden die Arme und Beine. Die Männer besonders mögen manchmal einen noch so schönen Oberkörper haben, die Beine sind gewiß spindeldürr. Ja es kommt sogar sehr häufig vor daß sie auch nicht das mindeste Fleisch haben, sondern nur, wie bei einem Skelette, der blanke Knochen und die dicht anschließenden Sehnen von der schwarzen Haut überzogen sind. Auch die Frauen haben sehr häufig solcher Art fast wie abgestorbene Arme und Beine.

Eigenthümlicherweise haben diese Stämme, soviel bis jetzt wenigstens noch bekannt geworden, sämmtlich keine Religion, nicht die geringsten religiösen Ceremonien und glauben auch an kein höheres, wenigstens an kein gutes schaffendes und erhaltendes Wesen. Woher die Welt und Alles was sie umgibt, entstanden sei, scheint sie wenig zu kümmern. Einige Wesen haben sich selber und dann andere geschaffen – so wird's wohl gekommen sein. Aber sie fürchten dagegen böse Wesen die schädlichen Einfluß auf sie ausüben können, und haben Zauberer sich gegen dieselben zu schützen.

Diese Zauberer müssen sich übrigens, ehe sie wirklich magischen Einfluß ausüben können, vielen Ceremonien unterziehen, und zu einer Periode sogar von dem Fleisch junger Kinder, zu einer andern von dem alter Männer essen. Es scheint aber daß sie nur ein einzigesmal gezwungen sind, von jeder Art zu kosten – das genügt dann für zeitlebens.

Nachdem sie das Alles durchgemacht haben, besitzen sie höchst ausgebreitete Kenntnisse, als da sind: Krankheiten heilen, Regen und Hagel machen, Flüsse bezaubern und sich selbst in andere Gestalten verwandeln. Sie glauben an eine Seele oder Geist, der getrennt von dem Körper existirt (itpe tukutya); nach dem Tod geht der Geist gen Westen, zu einem tiefen Abgrund, wo die Seelen aller Menschen zusammenkommen. Wenn Alle todt sind kehren diese Seelen wieder nach ihrem früheren Aufenthaltsort zurück, gehen zu den Gräbern ihrer verlassenen Körper und fragen: »Sind dieß die Körper die früher einmal bewohnt waren?« Dann antworten die Körper: »Wir sind nicht todt, wir leben noch.« Die Seelen und Körper werden aber nicht wieder vereinigt, sondern die ersteren leben während des Tages in den Bäumen und kommen nur Nachts auf den Boden herab, wo sie Raupen, Eidechsen, Frösche und Känguruhratten verzehren. Vegetabilien essen sie nicht, sterben auch nie wieder, und bleiben stets von der Größe eines Knaben von etwa acht Jahren.

Dieser Glauben rechtfertigt auch die Scheu dieser Stämme, Nachts ihr Lager zu verlassen; sie bleiben ruhig bei ihrem Feuer liegen und unterhalten dieß fortwährend in Gluth und Flamme, böse Geister wissen zu lassen, daß sie auf ihrer Huth sind.

Am Murray nennen sie den Teufel toh – ebenso auch äußerst schmeichelhaft, den Weißen (meru ist ein schwarzer Mann) und lukto bedeutet gleich Schatten wie Seele.

Einzelne Stämme dort scheinen aber das Umgehen der Seelen Nachts und den Teufel nicht so besonders zu fürchten, wenigstens nicht an mondhellen Nächten. Mehrmals erinnere ich mich daß sie bei Mondschein auf den Anstand, auf Wombats – eine kleine Art Dachs – gegangen sind, und nur zu gut weiß ich, wie sie mir ein paarmal Nachts in die Nähe des Lagers gekommen. Weiter oben aber, und dann besonders nach Sidney zu, rühren sie sich nach Dunkelwerden unter keiner Bedingung aus ihren Hütten.

Am Murray haben die Boni Blacks den Ruf bei den übrigen Stämmen, daß sie, durch Aus- und Einscharren gewisser Sträucher und Gräser, das Wetter machen können.

Aberglauben oder Glauben – wer vermag über den rechten Unterschied der beiden Wörter zu urtheilen – haben sie mancherlei. Das Puingurru ist ein heiliger Knochen, den sie manchmal zum Aderlassen gebrauchen – eine Art Reliquie – legen sie diesen Knochen in das Feuer und brennen ihn zu Asche, so soll er tödtlichen Einfluß auf die Feinde ausüben. Wenn zwei Stämme mit einander auf feindlichem Fuße stehen und Einer davon wird krank, so glaubt man allgemein, daß ein Zauberer des Gegenstammes die Schuld trägt; ist aber gar das Puingurru verbrannt, dann bleibt keine Rettung möglich.

Sie glauben ferner an eine Art von Ungeheuer, von menschlichem aber riesigem Aussehen. Dieß übernatürliche Wesen soll die Macht haben durch die Luft zu fliegen oder [durch] die Erde zu gehen – von einer Seite zur anderen. Dieß Ungeheuer fürchten sie besonders Nachts, wo es herumschleicht und aufpaßt ob hie und da ein Feuer erlöscht; hauptsächlich zum Schutz gegen dasselbe unterhalten sie diese so viel sie können in lodernder Flamme.

Die Heilung der verschiedenen Krankheiten liegt einzig und allein den Zauberern ob. Innere Schmerzen, welcher Art sie auch immer seyn mögen, werden überhaupt dem Einfluß irgend einer Zauberei oder Paitya zugeschrieben. Ein Zauberer kann dieselbe also auch nur wieder heben, und dieser heilt das Gebrechen, indem er seinen Mund an die leidende Stelle legt und – eine Art lebendiger Schröpfkopf – das Blut oder die Paitya aussaugt. Nachher werden Gumblätter – die sehr reichhaltig an einem stark riechenden medicinischen Oel, Cajaput, sind – auf den Fleck gelegt, und die Heilung ist geschehn – oder soll wenigstens geschehen seyn.

Für Kopf- oder Bauchschmerzen haben sie ein anderes Mittel; sie drücken und kneten den kranken Theil eine Zeitlang bis der Leidende Linderung spürt. Manchmal lassen sie auch zur Ader, um Kopfschmerzen oder im ganzen Körper bestandenen Druck abzuleiten, und zwar ganz auf dieselbe Art im Arm, wie die Europäer. Der Einschnitt wird mit einem Stück Bergcrystall gemacht, dem man noch außerdem übernatürliche Kräfte anrechnet. Verkrüppelung des Körpers schreiben sie dem Einfluß der Sterne zu – oder auch der Mutter, die während ihrer Schwangerschaft vielleicht verbotene Speisen gegessen hat. Junge Mädchen glauben daß sie schwanger werden, wenn sie ihnen in dem Lebensalter untersagte Fleisch- oder Pflanzenspeisen essen.

Die Zauberer thun auch manchmal, als ob sie dem Kranken Knochen aus dem Munde nähmen, welche die Krankheit enthalten sollen; oft ist aber auch die Ursache derselben, die sie auf solche Art entfernen, vollkommen unsichtbar und wird dann verbrannt.

Wenn Einer von ihrem Stamm stirbt, so wird der Körper nach einigen Tagen auf die Bahre, das wirkatti gelegt. Dieses wirkatti ist rund und strahlenförmig und wird von fünf oder sechs Männern über die Stellen getragen, wo der Verstorbene gelebt hat. Unter der Zeit geht Einer unter dem Körper, angeblich im Gespräch mit dem Todten, und fragt ihn – »wer hat Dich umgebracht? – kennst Du ihn?«

Sobald der Körper sagt »Niemand« hört diese Art von Verhör auf, sobald aber irgend Jemand angegeben wird, geht der Zug fort und man glaubt daß der Todte selbst, durch Ruinyo (einem Geist – der Tod) dazu angeregt, sich herum bewegt. Der angegebene Mörder kann auch gegenwärtig seyn, und ist das der Fall, so wird es so veranstaltet, daß einer der Zweige ihn berührt. Dann entsteht entweder augenblicklich ein Kampf, oder doch wenigstens in ein oder zwei Tagen.

Hiernach wird der Körper von der Bahre genommen und in eine Grube von vier bis sechs Fuß Tiefe gelegt.

Bis vier Jahr alte Kinder werden erst mehrere Monate nach ihrem Tode begraben, sie werden nur sorgfältig eingepackt, und den Tag über von der Mutter auf dem Rücken herumgetragen, die sie dann in der Nacht als Kopfkissen gebraucht. Erst wenn sie ganz trocken und mumienartig geworden sind, werden sie begraben oder in einen Baum gelegt.

Sie begraben die Todten mit dem Kopf nach Westen, zwei Verwandte springen dann oben darauf, fassen sich, wie in einem Paroxismus von Trauer, in die Haare und reißen und balgen sich hin und her. – Bei uns setzen sie sich nur in einen Leichenwagen und binden sich Flor um die Hüte.

Noch viele Monate nach der Beerdigung sitzen die Frauen an den Gräbern und wehklagen und zerschneiden sich die Lenden und Brust mit Feuersteinen.

Todtgeborene oder sehr kleine Kinder werden meistens verbrannt; einige Stämme graben auch ihre anderen Todten nach einer gewissen Zeit wieder aus, und verbrennen die Gebeine. Ja an manchen Orten trocknen sie, als Zeichen sehr großer Achtung, die Leichen sogar und setzen sie in Bäume hinauf.

Ihre Zeichen der Trauer sind außerdem noch verschieden. Die Männer schneiden sich Haar und Bart und die Frauen das Haar ab. An manchen Orten legen sie sich auch heiße Asche auf den Kopf, daß sie das Haar bis auf die Wurzeln absengen. Am Rufus, und überhaupt an jenem Theil des Murray, oberhalb und unterhalb dem Rufus, machen sich die Frauen von weißem Thon und dazwischen gekneteten Gras eine Art Mütze, 1½ – 2 Zoll dick, die sie sich, wenn die Masse noch weich ist, aufsetzen, und auf dem Kopf trocken werden lassen. Weiß ist überhaupt ihre Trauerfarbe, und auch die Männer besprenkeln und bemalen sich, zum Zeichen der Trauer, mit weißem Thon. Diese Mützen oder Scalpdeckel, wie man sie besser nennen könnte, werden dann, wenn sie die Frauen wieder abnehmen, auf das Grab des Betrauerten gelegt, und dieses mit Sträuchern, wie mit einer Hütte überbaut, und es ist ein Beweis der Achtung gegen den Verstorbenen, daß Jeder der vorbei geht einen kleinen Strauch oder Zweig auf die Hütte wirft, die zuletzt dadurch ein dichtes Schatten- und Schutzdach bildet. Solche von den Engländern so genannte scullcaps waren es auch, die mich am Murray eben damals verleiteten in die Grabhütte hineinzukriechen.

Die Ursache all der tausend und tausend Kämpfe und Streitigkeiten, die besonders am Murray und Murrumbidgee unter den Blacks vorkommen ist der wahnsinnige Aberglauben, oder vielmehr Unglauben an einen natürlichen Tod. Jeder Sterbefall muß nicht allein die Ursache in der heimlichen Zauberei eines Feindes haben, sondern auch wieder durch Feindes Blut gesühnt werden. Um den Todten sitzen und wehklagen, heulen und schreien die Weiber, und treiben die Männer zuletzt so weit, daß sie in reiner Verzweiflung aufspringen, ihre Waffen ergreifen und hinaus rennen, Blut um Blut zu vergießen. Manch armer unschuldiger Teufel, der ihnen dann gerade von irgend einem andern Stamm in den Weg lief, oder die Nacht nicht gut Wacht hielt, ist als ein solches Sühnopfer erschlagen und sein Nierenfett zu den feindlichen oder vielleicht nicht einmal feindlichen, sondern nur Nachbarfeuern geschleppt worden.

Am Lake Victoria und Lake Boni, unter den Rufus-Stämmen scheint diese unselige Sitte nicht in solcher Kraft zu seyn, oder es wird ihr wenigstens durch einen anderen Gebrauch viel von ihrem feindlichen Wesen genommen.

Bei Leichenfeiern finden nämlich Tänze oder eine Art von Kampfspielen statt, in denen Blut, wenn auch nur aus einer leichten Wunde, fließen muß, und das scheint die Manen des Todten auf vernünftigere Weise zu versöhnen.

Eine andere Idee von einem Zustand nach dem Tode herrscht ebenfalls noch bei ihnen, die aber wahrscheinlich erst nach ihrer Bekanntschaft mit den Weißen entstanden ist, wenn wir es nicht als eine Art Offenbarung annehmen wollen. Daß die Seele der Schwarzen nämlich nach ihrem Tode in den Körper von weißen Männern, die sie jedenfalls für ihnen doch überlegenere Wesen halten, übergehen, und daß deßhalb alle weißen Männer auch früher einmal Schwarze gewesen sind.

Ueber die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen von Encounter-Bai und des Port Lincoln haben zwei Missionäre, beides Deutsche ein paar kleine Brochüren in Adelaide herausgegeben. Allerdings weichen jene von den Adelaide- und Murraystämmen etwas ab, aber doch nicht so sehr, dem Leser noch mehr von dem Leben und Treiben dieser wilden Stämme vorzuführen, es möchte ihn ermüden. Nur was auf ihren Glauben und ihre Sagen und Legenden Bezug hat will ich, da es jedenfalls von Interesse seyn muß den Ideen- und Phantasiegang solch wunderlichen Volkes zu verfolgen, mittheilen.

Ueber die Encounterbai-Indianer sagt Hr. Pastor Meier:

»Nur wenig Krankheiten gibt es, die sie als die Folgen natürlicher Ursachen betrachten; fast stets halten sie für den Grund derselben irgend eine Bezauberung die durch zwei Instrumente ausgeübt seyn kann. Die Plongge oder Mokani.

Die Plongge ist ein zwei Fuß langer Stock mit einem dicken Wurzelknopf an dem einen Ende. Sie glauben daß eine Person, deren Brust leise mit diesem Plongge berührt wird, krank werden und sterben muß, oder geschieht das nicht, so wird die nächste Wunde die er erhält, sey sie noch so leicht, tödtlich. Diese Bezauberung geschieht gewöhnlich Nachts, wenn der Gefährdete schläft; lagern deßhalb Stämme dicht neben einander, so hält stets Einer aus dem Stamm Wacht, solche Bezauberungen zu verhindern. Hat ein Mann einen Feind den er zu bezaubern wünscht, und ist er im Stand sich Nachts an ihn hinanzuschleichen ohne entdeckt zu werden, so glaubt er daß er ihn in tieferen Schlaf versenken kann, wenn er die Hand vor seinem Gesicht leise bewegt – sein Gedanke ist dabei als ob er ein Büschel Emufedern in der Hand hielt, die vorher in die Feuchtigkeit eines verwesten Körpers getaucht wurden. Auch die Nächstliegenden schläfert er auf diese Art fest ein, und berührt dann die Brust seines Opfers mit dem Plongge.

Der Mokani ist ein schwarzer Stein, etwa wie ein Axt geformt und zwischen zwei Hölzer gebunden, die ihm als Stiel dienen. Die scharfe Seite des Steins wird gebraucht Männer, die stumpfe Frauen zu bezaubern – sonst benutzt man es gerade wie den Plongge.

Das ngatunge ist ein anderes Instrument Krankheit und Tod zu verursachen. Feinde bewachen einander und suchen eifrig nach Plätzen wo der Gegner Enten, Papageyen, Kakadu's oder eine Art Fisch ponde genannt, etc., gegessen hat. Vergaß er dabei sorgfältig all die Knochen die er zurückließ, zu verbrennen, so hebt sie sein Feind sorgfältig auf. Hat er aber die nöthige Vorsicht gebraucht, und findet dieser keine Spur von Ueberbleibseln mehr, dann muß er selbst für Material sorgen. Er erlegt dann eines dieser Thiere, kocht oder brät es, und bietet es freundlich seinem Opfer an – vorher aber hat er ein Stück von den Knochen für sich zurückbehalten. Dieß hebt er sorgfältig auf und befestigt es mit dem Harz des Grasbaums an einem Stück scharf zugespitzten Känguruhknochen, etwa drei Zoll lang. Das ist dann das Ngadungage oder Ngadunge was er nun bloß neben das Feuer zu stecken braucht um Krankheit und Tod seines Opfers herbeizuführen.«

Es liegt etwas entsetzlich Boshaftes und Heimtückisches in diesen Gebräuchen, und ich glaube auch wahrlich daß nur der australische Wilde solch feiger Bosheit fähig sey. Ist es nicht ein schauderhaftes Bild sich zu denken, wie der schwarze Schuft erst unter einem freundlichen Aeußeren dem ausersehenen Opfer Speise bietet, von der er schon im voraus den Todeskeim – wie er meint – für denselben bei sich trägt, und, wenn der Verdachtlose dann gegessen, setzt er sich in stiller Nacht vor sein Feuer und weidet sich daran mit dem sengenden Knochen Saft und Lebenskraft aus dem Körper des Anderen herauszubrennen.

»Wenn Jemand überzeugt ist daß der Tod irgend eines Freundes oder Verwandten von einer Bezauberung herrührt und Verdacht auf Jemand hat, so sucht er sich ebenfalls ein solches Ngadunge zu verschaffen und stößt dieses in den Schenkel der Leiche. Es soll dieß ebenso den langsamen schleichenden Tod des Feindes herbeiführen.

Sollte Jemand sterben ohne daß seine Verwandte herausbekommen können wer die Ursache seines Todes gewesen ist, so schreiben sie denselben einer gewissen Art von Zauberei zu, die sie Melapar nennen. Diesen Namen geben sie auch den Adelaide- und mehr nördlichen Stämmen, und glauben daß sich dieselben in Vögel, Bäume etc., verwandeln können. Jung und Alt fürchten diese Melapar und verlassen deßhalb ihre Hütten nicht gern nach Sonnenuntergang.

Kinder werden, wenn sie sterben, in ziemlich der Art behandelt, wie ich es von den Adelaide-Blacks beschrieben habe, mit älteren Personen haben sie aber eine eigenthümliche Weise. So wie diese sterben werden ihnen die Knie bis an das Kinn hinaufgezogen, – was auch bei einigen der nördlichen Stämme geschieht – und die Hände zwischen die Schenkel zusammengedrückt. Die Leiche wird dann zwischen zwei entzündete Feuer hineingesetzt, so daß sie die Hitze dieser beiden und die der Sonne erhält. Nach einigen Tagen lockert sich die Haut und wird abgezogen, und eine solche Leiche heißt dann grinkari. Diese Gewohnheit mag auch erklären weßhalb der Name grinkari ebenfalls den Europäern gegeben ist, indem deren Hautfarbe in den Augen der Schwarzen einige Aehnlichkeit mit dem also geschundener Körper hat. – Schmeicheln thun die Schwarzen den Weißen mit ihren Benennungen wahrlich nicht – die einen vergleichen sie mit den Teufeln, die andern mit Geschundenen.

Hiernach werden alle Oeffnungen des Körpers zugenäht und das Ganze überreiben sie mit Fett und rother Erde. Der aber, der diese Näharbeit verrichtet, hat wohl darauf zu sehen daß sein Nähzeug auch vollkommen gut im Stand ist, denn er setzt sich dabei manchmal einer keineswegs geringen Gefahr aus. Sollte der Faden nämlich reißen, so vermuthet man daß der Todte das gemacht habe, um zu erkennen zu geben diese Person sey die, die ihn bezaubert habe. Ebenso würde ihn das als den Schuldigen verrathen, wenn seine Nadel nicht ganz scharf wäre, und beim Einstechen das Fleisch – wie es geschieht wenn man einen stumpfen Gegenstand dawiderpreßt – eindrückte.

Ihre Mythologie und ihre Traditionen bieten manches Interessante.

Die Sonne halten sie für eine Frau, die, wenn sie untergeht, die Wohnplätze der Todten passirt. Wenn sie sich nähert versammeln sich die Männer bei den Todten, und theilen sich in zwei Massen, zwischen denen sie durchgeht – Sie laden sie jetzt ein bei ihnen zu bleiben, was sie aber nur auf kurze Zeit gewähren kann, da sie sich wieder für ihren nächsten Tagesmarsch rüsten muß. Für irgend eine gewährte Gunst erhält sie ein rothes Känguruhfell, und deßhalb erscheint sie Morgens in einem rothen Kleid. Der Mond ist ebenfalls ein Frauenzimmer aber nicht wie Diana – sie hält sich lange bei den Männern auf und wird magerer und magerer bis sie zuletzt einem Skelett gleicht. In diesem Zustand läßt sie Nurrunduri dann forttreiben. Sie flieht und verbirgt sich auf einige Zeit; indessen aber ist sie emsig beschäftigt Wurzeln zu suchen, die so nahrhaft sind, daß sie sich bald darauf wieder sehen lassen kann und nun zusehends fetter und fetter wird.

Die Sterne waren früher Menschen und verlassen nur Abends ihre Hütten um sich mit denselben Sachen zu beschäftigen, die sie hier auf Erden getrieben haben. Einige sind bedeutend unter ihnen, wie Pungngane, Waijungngari und ihr Ningarope. Der erste ist in natürlicher Weise geboren, die anderen entstanden auf folgende etwas eigenthümliche Art. Ningarope die sich eines natürlichen Bedürfnisses wegen zurückgezogen hatte, fand solchen Gefallen an den außerordentlich rothen Excrementen, daß sie dieselben zu der Form eines Menschen bildete, und diese kitzelnd zeigten sie Leben und lachten. Es war auf diese Weise sogleich ein Rainjani, seiner Farbe nach, geworden und seine Mutter nahm ihn mit in den Busch und blieb bei ihm.

Pungngane, sein Bruder hatte zwei Frauen und wohnte dicht an der See. Einst, als er lange Zeit von Hause fortgeblieben war, verließen seine beiden Weiber die Hütte und fanden Waijungngari. Als sie sich ihm näherten, schlief er und die beiden Frauen gingen zur Hütte zurück und ahmten den Ruf eines Emus nach. Das weckte ihn, er griff seinen Speer auf und sprang in die Höh' das Emu zu erlegen, als er aber nach der Hütte kam, umarmten ihn die beiden Frauen und baten ihn als ihr Gatte bei ihnen zu bleiben. Pungngan's Mutter aber, hierüber auf's äußerste entrüstet, erzählte ihm das Geschehene. Pungngane eilte wüthend nach der Hütte seines Bruders, fand aber hier Niemanden, da Alles ausgegangen war, Lebensmittel zu holen und legte, ärgerlich darüber, Feuer auf die Hütte indem er dabei sagte: »Rundajan« was so viel heißen sollte als: bleib, aber brenn' noch nicht gleich. Waijungngari kam Abends mit seinen beiden Frauen zu Hause und als sie sich schlafen gelegt hatten fing das Feuer an zu brennen und fiel gleich darauf auf ihre Decken nieder. In Schreck und Furcht aufwachend, warfen sie ihre Decken von sich, und flüchteten nach der See. Hier erst, außer Gefahr, überlegte Waijungngari wie er dem Zorn seines Bruders entgehen könne. Er nahm also einen Speer und warf ihn an den Himmel hinauf; dieser stieß oben an, fiel aber wieder zurück. Dann nahm er einen mit Widerhaken versehenen Speer, warf ihn mit aller Kraft aufwärts, und dieser blieb oben stecken. Hieran kletterte er in die Höhe, und die beiden Frauen folgten ihm. Pungngane aber, der seinen Bruder mit den beiden Frauen im Himmel sah, stieg mit seiner Mutter augenblicklich nach, und seit der Zeit sind sie mit einander oben geblieben.

Pungngane und Waijungngari schreiben die Indianer auch den Ueberfluß an dem Ponde Fisch und Känguruh zu, der ihnen zu Theil wurde. Der erstere fing einen Ponde, riß ihn in kleine Stücken und warf ihn wieder in die See, und aus den kleinsten Theilen entstanden wieder Pondes. Der zweite machte es eben so mit dem Känguruh.

Von den Steinen haben sie außerdem noch manche Sagen und Erzählungen. Die Milchstraße sagen sie, ist eine Reihe von Hütten unter denen sie Aschenhaufen und aufsteigenden Rauch deutlich unterscheiden wollen.

Es scheint nicht daß sie irgend eine Sage über den Ursprung der Welt haben, wie das fast bei allen Nationen der Fall ist; von den Thieren glauben sie übrigens, daß sie fast sämmtlich früher Männer gewesen sind, die irgend eine bedeutende Handlung gethan und sich dann in eines derselben oder auch in irgend einen Stein, verwandelt haben. Solcher Art zeigen die Kamingerar an ihrer Küste mehrere große Steine oder Felsen, deren Name und Geschlecht sie bestimmen. Ein Fels, sagen sie, ist ein alter Mann Namens Lime, auf den Frauen und Kinder nicht treten dürfen; alte Leute nehmen sich das übrigens heraus – aus alter Bekanntschaft. Sie wollen an dem Stein seinen Kopf, seine Füße, Hände und seine Hütte und Feuer erkennen. Die Gelegenheit bei der er sich verwandelte, war also: Ein Freund von ihm Palpangye, besuchte ihn und brachte ihm tinwarrar, einen Flußfisch, mit. Diese schmeckten Lime ausgezeichnet, und er bedauerte selber keinen Fluß in der Nähe zu haben. Da ging Palpangye, den dieß wahrscheinlich rührte, in den Busch, holte sich einen großen Baum, stieß diesen an verschiedenen Stellen in den Boden und bildete damit die jetzigen Inman- und Hindmarsch-Flüsse oder Bäche. Lime gab ihm als Zeichen der Dankbarkeit Kanmaris kleine Seefische und verwandelte sich aus lauter Vergnügen in den großen Felsblock, in dessen Nähe es von der Zeit an immer Schaaren dieser Fische gegeben hat. Palpangye wurde ein Vogel und hält sich häufig bei diesen Flüssen auf.

Sie erzählen noch eine Menge Geschichten wie die See, die Hitze etc., entstanden ist, es mag aber hier genügen den Ursprung des Regens und der Sprachen anzugeben.

Nahe am Geolina lebte ein alter Mann Namens Kortume mit seinen beiden Freunden Munkari und Waingilbe. Die letzten beide waren viel jünger als Kortume und gingen fischen, und als sie Kuratje und Kanmari fingen, legten sie die schlechteren Kuratje für Kortume zurück und behielten die anderen für sich selber. Der alte Mann, der dieß bemerkte, begann ein Lied: Annaitjeranangk rotjer tampatjeranangk (im Encounterbai-Dialekt wäre es Ngnannangk Kuratje tampin; für mich legen sie den Kuratje zurück) worauf Regen anfing zu fallen. Kortume ging dann in seine Hütte und verschloß sie mit Büschen und Munkari und Waingilbe mußten zur Strafe draußen bleiben und naß werden. Die drei wurden in Vögel verwandelt, und sobald Kortume sich hören läßt, so ist es ein Zeichen daß Regen folgt.

Die Sprachen entstanden von einem zänkischen alten Weib. Vor langen Zeiten lebte gen Osten eine alte Frau Namens Wurruri und ging gewöhnlich mit einem großen Stock aus, um die Feuer umher zu streuen, wenn die Anderen schliefen. Wurrun starb endlich. Die Stämme, ungemein froh darüber, sandten Boten nach allen Richtungen aus, die gute Kunde zu verbreiten. Männer, Frauen und Kinder eilten herbei, und zwar nicht um zu wehklagen, sondern zu jubiliren. Die Raminjerner waren die ersten die über die Leiche herfielen und anfingen das Fleisch zu verzehren, wonach sie augenblicklich ganz deutlich an zu reden fingen. Die anderen mehr östlichen Stämme kamen später und konnten nur noch das Innere, wie Lunge, Leber etc., bekommen und sprachen etwas verschieden von Dem. Die nördlichen Stämme kamen zuletzt und mußten sich mit den Eingeweiden und Ueberbleibseln begnügen, weßhalb sie eine noch viel verschiedenere Sprache vor der der Raminjerner bekamen.

Alles dieses geschah vor Nurunduns Zeit mit dessen Scheiden von der Erde ihnen auch die Macht genommen wurde sich zu verwandeln, und Flüsse, Hügel etc., zu machen. Da mit Nurunduri eine ganz neue Epoche beginnt will ich hier noch einiges, so viel sich nämlich davon gut wiedergeben läßt, anführen.

Er war ein großer riesiger Mann, lebte im Osten und hatte zwei Frauen und mehrere Kinder. Einmal liefen ihm seine beiden Frauen davon und er verfolgte sie. Wohin er kam entsetzten sich die Stämme, denn sie waren Zwerge gegen ihn. In seiner Verfolgung kam er nach dem jetzigen Freeman's knob wo er sich kurze Zeit aufhielt; der Platz erhielt den Namen Kainjenuar. Aergerlich seine Frauen nicht zu finden, warf er zwei kleine Netze Witti genannt, in die See; augenblicklich stiegen hier zwei kleine felsige Inseln empor, die noch jetzt Wittungenggul heißen. Durch Stampfen mit den Füßen und Speere nach verschiedenen Richtungen auswerfen, erschuf er noch mehrere Inseln und Felsvorsprünge, bis er seine beiden Frauen zu Taggong fand. Nachdem er sie tüchtig geprügelt, machten sie es doch möglich ihm noch einmal zu entwischen, und müde einer solchen zweiten Verfolgung befahl er der See auszutreten und sie zu ertränken. Die beiden Frauen wurden in Felsen verwandelt und sind in Ebbzeit noch immer zu sehen.

Mißmuthig und unglücklich zog er sich mit seinen Söhnen nach dem Westen zurück, wo er noch immer als ein sehr alter Mann lebt. Als er fortging schlief eines seiner Kinder und wurde zurückgelassen. Als Nurundi am Ort seiner Bestimmung ankam, vermißte er es, und eine Schnur am Ende seiner Maralengk festmachend, warf er dieses nach der Richtung zurück, wo er seinen Sohn vermuthete. Dieser ergriff auch den Maralengk und half sich daran zu seinem Vater hinüber.

Diese Schnur ist noch immer der Führer, durch welchen die Todten ihren Weg zu Nurunduri finden. Wenn ein Mann stirbt so wirft ihm Nurunduri's Sohn, der selber damit hinübergebracht wurde, die Schnur zu, der Todte hält sich daran fest und wird ebenfalls hingeleitet. Wenn er sich nähert so fühlt Nurunduri an dem Zittern der Schnur daß Jemand daran ist, und fragt seinen Sohn wer da kommt. Ist es ein Mann, so ruft der Sohn alle andern Männer zusammen, die durch großes und lautes Geschrei den halb Bewußtlosen wieder zu sich bringen. Sowie er wieder zu sich kommt, nähert er sich traurig und schweigend Nurunduri, der ihm seinen künftigen Wohnplatz anweist.

Gehört er zu Encounterbai oder einem der Gortwinstamme, so darf er in Nurunduri's Hütte wohnen; ist er aber von einem andern Stamme, so wird ihm sein Platz etwas weiter ab angewiesen. Ehe er sich zu diesem Platz verfügt beobachtet Nurunduri genau seine Augen. Wenn ihm die Thränen nur aus einem Auge laufen so ist es ein Zeichen daß er auch nur eine Frau zurückgelassen; wenn von beiden, daß er zwei hatte. Wenn sie aus einem Auge zu fließen aufhören, während sie noch aus dem andern rinnen hat er drei zurückgelassen, und ebenso viel bekommt er von Nurunduri wieder. Alte Leute werden außerdem in seiner Gesellschaft jung und Kranke gesund.

Noch manche andere Sagen haben die Stämme von Port Lincoln, aber sie ähneln einander doch, wenn sie auch verschiedene Namen und Handlungen brauchen. Deutlich geht übrigens aus sämmtlichen Traditionen hervor, daß all' diese Stämme jedenfalls an eine Existenz nach dem Tode, wenn auch nicht an Belohnung oder Bestrafung für gute oder schlechte Thaten glauben. Vermuthen sie ein höheres Wesen dort oben, so ist das nur Eins der Gnade, aber hier auf Erden behaupten sie dagegen allerdings, daß ihnen die Strafe auf dem Fuß folgen kann; sterben sie aber, dann wird nicht gefragt wie sie sich hier betragen haben, sondern sie bekommen wieder ihre gehörige Anzahl von Frauen und fangen das alte Leben, nur an einem andern Ort wieder an.

Aus allem geht aber auch ihr heimtückischer boshafter Charakter hervor. Mord und Verrath sind meistens der Inhalt all dieser Sagen, und sie folgen wohl auch getreulich ihren Vorbildern. Schon die Art wie sie ihre Ehen schließen läßt ein wirkliches Familienverhältniß fast gar nicht unter ihnen aufkommen – Liebe ist ein Wort das sie gar nicht zu kennen scheinen wenn sie auch Anhänglichkeit unter einander haben; das Mädchen wird nicht gefragt ob es den Alten liebt, dem man es schon vor zwölf Jahren zur Frau bestimmt hat, der Mann wird nicht gefragt ob er die Alte mag, die ihm Einer der Burkas, nachdem er vielleicht zwanzig Jahr in glücklicher Ehe mit ihr gelebt, abtritt. Das Gesetz spricht durch den Mund der alten Leute, und die jungen – müssen gehorchen.

Nur ein einziges Beispiel von wirklicher Liebe zwischen zwei jungen Leuten kam mir auf meiner ganzen Landreise zu Ohren, und das schien etwas Außerordentliches, und brachte auch die Schwarzen in ziemliche Aufregung, da es gegen zwei ihrer Gesetze auf einmal verstieß. Ein junger Mann vom Stamme der Bameres am Bonisee hatte sich in ein Mädchen der Rengmutkos d. h. der »oberen Stämme« verliebt, und da sie seine Gefühle theilte, so holte er sie heimlich einmal Nachts ab, und nahm sie mit auf sein Jagdgebiet, den Fluß hinab. Dieß kam aber bald seinem Stamm zu Ohren und er wurde einfach bedeutet, das Mädchen des feindlichen Stammes augenblicklich wieder zurückzuschicken. Den Befehlen der Burkas durfte er nicht entgegenhandeln, und er that was ihm auferlegt worden. Lange konnte er aber die Trennung von dem, jetzt noch lieber gewonnenen Wesen nicht aushalten, und vierzehn Tage später holte er sie sich zum zweitenmal.

Jetzt aber wurde die Sache ernsthaft; die Alten hielten eine große Berathung, überlegten sich die Sache gründlich und kamen zuletzt überein, daß ein solches Beispiel von Ungehorsam unter keiner Bedingung gestattet werden könnte, daß man den jungen Mann aber auch noch dießmal von Strafe freilassen wollte, wenn er die Befehle seiner Aelteren ausführte; auf dem nächsten gleichen Vergehen aber stand der Tod.

Die beiden Verbrecher wurden jetzt hervorgerufen und ihnen der Beschluß der Burkas mitgetheilt; der junge Mann aber, dem man zuerst das Ungeheuere seines Vergehens mit grellen Farben vorhielt, und ihn auf den nächsten Grad seiner Strafe aufmerksam machte, aufgefordert, das fremde Mädchen zu schlagen bis sie blute, und wieder zurück zu den Ihrigen zu jagen.

Das war ein harter Spruch, und Rangan, wie der junge Bursche seiner Schnelligkeit wegen nach dem Emu genannt war, sah seine Mattiatko traurig an. Diese aber wußte daß er dem Befehl Folge leisten mußte, zog ihr Opossumfell fester um sich her, und fiel vor ihm nieder. Da nahm er seinen Wirri und fing an auf das arme, keine Klage ausstoßende Weib loszuschlagen, auf Kopf und Schultern fielen seine Streiche hageldicht nieder und Blut floß schon aus mehren Stellen, bis ihm die Alten selber geboten einzuhalten.

Das Mädchen wurde jetzt aus dem Lager getrieben und Rangan blieb allein in seiner Hütte zurück. Sein Stamm hielt an dem Abend einen Corrobery, aber er nahm keinen Theil daran, und als die jungen Leute am nächsten Tag auf die Emujagd auszogen, lag er an seinem Feuer, und schüttelte mit dem Kopf, als sie ihn aufforderten ihnen zu folgen.

Drei Tage blieb er so liegen, und hatte weiter keine Lebensmittel als die, die ihm sein Bruder brachte. Am dritten Tag ging er Morgens in die Malleyhügel, wo er das Thal des Murray oder Runneke wie ihn die Eingeborenen nennen, überschauen konnte und in weiter Ferne, den Strom hinauf, sah er zwei kleine Rauchsäulen emporsteigen – die Rauchsäulen waren für ihn schon drei Tage lang unterhalten worden.

Rangan warf sein Opossumfell über die Schulter, nahm den Speer in die Hand und wanderte in gerader Richtung dem Rauche zu. Mit jedem Schritt besiegelte er sein Schicksal unvermeidbarer – der Tod drohte ihm nicht mehr, er war ihm gewiß, sowie die alten Männer seines Stammes zum drittenmal Gericht über ihn hielten. An den Feuern fand er aber sein schwarzes Mädchen; die Wunden waren noch nicht geheilt, die sein Wirri ihr geschlagen, und doch hatte sie drei Tage und drei Nächte an dem einsamen Feuer seiner geharrt. Als sie seinen Schritt hörte eilte sie ihm entgegen und legte ihren Kopf an seine Brust.

Dem Leser mag die Sache, nach all dem früher gehörten, vielleicht ein wenig zu romantisch vorkommen, und doch ist sie wahr. Die beiden jungen Leute verließen ihre Stämme und man hat nie wieder gehört, wohin sie sich gewandt haben.


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