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Ausgewählte Gedichte

Adam Gottlob Oehlenschläger: Ausgewählte Gedichte - Kapitel 7
Quellenangabe
typepoem
authorAdam Gottlob Oehlenschläger
booktitleAnthologie aus den Gedichten von Baggesen und Oehlenschläger
titleAusgewählte Gedichte
publisherVerlag des Bibliographischen Instituts
seriesFamilien-Bibliothek der Deutschen Classiker
volumeVier und neunzigster Band
year1844
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidb3acd1c0
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Auf den Simplon.

( Als ich von Italien zurückkam.)

Da stehn sie wieder, die gethürmten Riesen,
      In grauer Nebel Flor.
Allmählich schwinden die lombard'schen Wiesen.
      Es steigt der Fels empor.

Mit ernsten Mienen winkt der Held von dannen,
      Beflügelt meinen Schritt.
Sein Helm von Eis, das Helmgeweih von Tannen,
      Der Panzer von Granit.

Was schwillt mein Herz, was athm' ich leichter, freier
      Und trauern sollt' ich sehr!
Ich höre nur den Adler und den Geier,
      Die Nachtigall nicht mehr.

Wo ist der Lorbeer und wo sind die Myrthen?
      Kahl steht die Wand und flach.
Wo sind die Lauben, wo die Tauben girrten?
      Dumpf braust der Klippenbach.

Doch freu' ich mich; verschwunden aus dem Busen
      Ist jene Aengstlichkeit.
Es rufen zu Gesang mich alle Musen
       In dem schneeweißen Kleid.

Was ist doch das? Und drunten bei den Rosen
      War ich beklommen, bang;
Ich fürchtete des Sephyrs zartes Kosen,
      Der Nachtigall Gesang.

Vergeblich blinkten goldner mir die Sterne;
      Doch schien mir Alles hart.
Ich fühlte nur in meiner Brust die Ferne,
      Und nicht die Gegenwart.

»So bist du von Apoll auch nicht erkoren
       Für seine Priesterschaar;
So bist du ewig für die Kunst verloren,
      So bist du ein Barbar.«

Wie du es meinst! Es waltet auch in Norden
      Ein Gott von dieser Art;
Kein zarter Jüngling, er ist Mann geworden;
      Es blühet ihm der Bart.

Er lehrte mich die heil'ge Harfe schlagen
      Von meiner Väter That.
Er lehrte mich manch kühn Gedicht zu wagen
      Von Tugend und Verrath.

So wie auf Sinai, im Sturmgewitter,
      Jehova's Stimm' erklang,
So ruft er mich. Doch klingt wohl auch die Cither
      Mitunter zum Gesang.

Und, schöner Griechengott! du hast gesehen
      Des Pilgers reine Lust.
Du sahst entzückt ihn in dem Tempel stehen,
      Den Himmel in der Brust.

Und dein Geheimniß hast du ihm entfaltet
      Zum herrlichsten Gewinn.
Es haben deine Bildungen gestaltet,
      Gebildet seinen Sinn.

Und ihr, geliebten Farbenzaubereien,
      Mit Schatten und mit Licht,
Ihr saht es! Könnt' ihn mehr, als ihr, erfreuen
      Das trefflichste Gedicht?

Ich hab' euch ohne Thränen nicht verlassen,
       Ich nenn' euch ewig mein!
Doch könnt' ich nicht in allen alten Gassen
      Bewundern jeden Stein.

Und jene Schwärmerei könnt' ich nicht theilen
      Im trunknen Pilgerschwarm;
In Dante nicht anbeten alle Zeilen,
      Nicht schelten Norden arm.

Verachten nicht der spätern Zeiten Streben;
      Humanität nicht schmähn,
Und in dem trägen welschen Wollustleben
       Nur das Erhabne sehn.

Auch brannte mir zu stark die üpp'ge Sonne,
      Wohl war der Himmel blau;
Doch fand ich nicht das Grüne, meine Wonne
      Von Seelands Buchenau.

Jetzt athm' ich leicht! und scheide mit dem Liede
      Und freue mich so sehr.
Ich ruhe nicht bei Cestus Pyramide!
      Ich bin kein Ketzer mehr!

*

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