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Ausgewählte Dichtungen

Christian Friedrich Scherenberg: Ausgewählte Dichtungen - Kapitel 24
Quellenangabe
typepoem
authorChristian Friedrich Scherenberg<
titleAusgewählte Dichtungen
publisherBibliographisches Institut
editorHeinrich Spiero
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130821
projectidec2f2503
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Humoristisches

Zeit und Volk

Das Menschenvolk quälte Papa, die Zeit,
Mit Grillen allerhand, und da der alte Herr
Es endlich satt, hielt eine Thronred' er:

» Silentium! Ihr seid zufrieden nicht mit Mir!
Eh bien. Wir danken ab zugunsten unsrer Söhne vier,
Der Prinzen Frühling, Sommer, Herbst und Winter;
Wählt euch den König selber, Menschenkinder!« –

»Gewählt!« schrien sie, »die Wahl ist just nicht schwer:
Se. Hoheit den Prinzen Frühling her!«

»Wir geruhen, Prinz Frühling euch zu geben,
Und da ihr endlich mal zufrieden seid,
Könnt ihr auch Unsertwegen ewig leben«,
Sprach Se. alte Majestät die Zeit,
Und hielten huldreichst auch sofort – Ihr Wort.

Vivat! und ungeheure Heiterkeit!
Einzug, Huldigung, Gewerk und Stände,
Reden ohne Zahl und Ende,
Glaube, Liebe, Hoffnung – Transparente –
Illumination – Haus, Vater, Sohn,
Knecht, Magd und Vieh,
Krawall und Konfusion,
Dagewesen so was nie!

Doch kaum hat Allerhöchst ein Vierteljahr regiert,
Man allgemein den Katzenjammer spürt.

Der hat an Nesseln sich die Finger arg verbrannt,
Der einen Rosendorn ins Auge sich gerannt,
Und jener sich mit Blütentau begossen;
Dem war kein goldner Regen in den Mund geflossen,
Dem zogen zuviel Schwalben ein,
Den plagt der Kuckuck und den andre Melodein,
Den Nachtigall, den Mückenstich, den Fröschehupfen;
Der hat die Grippe vom April,
Und alle vom Pankratius den Schnupfen –
In summa: jeder Prinzen Sommer will.

»Still!«

Schreit Papa, »Wir geruhen schon
Und geben euch Prinz Sommer, Unsern lieben Sohn,
Item das ewige Leben – nein! das habt ihr schon!«

Wieder nun einmal
Lampenjubel und Skandal.

Doch war's dem Volke flau, nun wird's ihm schwül,
Die Wettergläser stiegen ihm zuviel,
X-Sonne und an Staub noch mehr,
Man kommt in Schweiß, weiß nicht woher –
Drauf gießt ein Donnerwetter – » Parapluie
Schrein sie,
»Prinz Herbst, Ew. Majestät, wenn's irgend geht.« –

»Es geht,

Geruhen soeben,
Prinz Herbst zu geben.«

Illumination et cetera,
Wie oben die Allotria.

Doch hat's Prinz Sommer arg gemacht,
Prinz Herbst hat's ganz verdorben:
An Pflaumen, Wein und morbus Krankheit (lateinisch). cholera
Wär's ganze Volk beinah
Trotz der Unsterblichkeit gestorben.

» Ex mit dem Herbst!« schrie alles auf einmal.
»Prinz Winter, Allerhöchste Zeit! O Karneval!
Silvester, Schlittenfahrt und Heil'ger Christ –
Wie Allergnädigst doch Prinz Winter ist!« –
» Bon! Verfluchte Kerls und liebe Getreue!
Wir geruhen aufs neue –«

Und Se. Majestät der Winter schneit sie huldreichst ein.

»Puh!« pusten sie, »der Winter? – Nein!
Der Patriotismus friert uns ein!« –

» Silentium! der Teufel hol' euch alle!«
Rief jetzt Papa in Allerhöchster Galle,
»Den Winter, Kerls, müßt ihr behalten,
Wir haben weiter nichts vom königlichen Blut,
Und damit gut.« –

»Ach lassen Ew. Majestät es nur beim alten!«
Schrein sie, » Vivat! Es leb' die Zeit und Tod!
Das sehen Allerhöchstdieselben ein:
Zufrieden können wir nun mal nicht sein.«

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