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Ausgewählte Dichtungen

Christian Friedrich Scherenberg: Ausgewählte Dichtungen - Kapitel 18
Quellenangabe
typepoem
authorChristian Friedrich Scherenberg<
titleAusgewählte Dichtungen
publisherBibliographisches Institut
editorHeinrich Spiero
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130821
projectidec2f2503
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Blücher in der Gewerbeausstellung

Ins Zeughaus zu Berlin, ins Haus der Waffen,
Zog jüngst das Friedenskind, Gewerbfleiß, ein,
Vom Allerlei, das seine Hand geschaffen,
Die bunte Musterkarte hinterdrein.
Das stille, eherne Arsenal,
Es ward zum Bienenkorb mit einemmal.
Doch mitten steht im Schwärm, des Krieges Statua,
Der alte Blücher mit gezognem Sabel da.
Die Weihered' ist aus – laut hallt ihr Schluß,
Das »Vorwärts!« das in Preußen schließen muß.
»Vorwärts!« dies alte Feldgeschrei
Fällt Blüchern auf das Herz;
»Vorwärts!« – und Blücher ist dabei,
Lebendig wird der Mann von Erz:
»Vorwärts? – Ja!
Franzosen wieder da?
Donnerwetter!
Was krabbelt im Elysium
Um meine Beine hier herum?
Ist das die ewige Ruh'
Oder der Turm zu Babel?
Haltet den Schnabel,
Sonst hau' ich zu
Mit meinem Sabel!

»Bin ich vertauscht? In Schachteln beigesetzt,
Weil mich der Tod im Bett erwischt zuletzt?
Pomaden, Schokoladen – Sessel, Kessel –
Lichtschnuppen, Puppen – Hauben, Seidenraupen –
Bin ich versetzt zur Höllenqual
Nach Paris ins Palais Royal?

»Nicht doch! So wahr ich Gebhard Lebrecht Blücher bin,
Ich steh' im alten Zeughaus zu Berlin –
Und das sieht aus wie 'n Trödelmagazin?

»Die alten Pallasche vom großen Friedrich,
Die sich mit aller Welt geschlagen,
Und unsre Kolben aus den Rachetagen
Verkriechen hinter Schürzen sich!
Statt der Kanonen und Mortier' Französisch: »Mörser«, Artilleriewaffe.
Sitzt's voller Leineweber unter mir!

Da draußen stehn die Vierundzwanzigpfünder
Und glotzen grämlich zu den Fenstern ein –
Gott steh' mir bei! Ich alter Sünder!
Es muß 'ne Art von Fegefeuer sein!

»Zwar seh' ich Knaster und Champagner da
Und ungeheure Pfefferkuchen –
Das sieht doch nach dem Himmel aus beinah!
Herrgott! ich will in deinem Haus nicht fluchen,
Doch – alle Wetter! Meintest du etwa,
Dies wär' ein Paradies für mich,
Da irrtest du dich mörderlich!
Mir ist so flau hier zwischen Himmelsgütern
Wie dem Kerl unter seinen Lilipütern.
Selbst all' die Damaszener, noch so teuer,
Die machen mir den Himmel nicht geheuer,
Denn die macht mir des Feindes Blut erst teuer.

»Rief darum mich dein ›Vorwärts!‹ aus der Ruh',
So schließ die alten Augen wieder zu!
Ich dacht', ich sollte aus dem Paradies
Direkt marschieren wieder auf Paris!
Dies ›Vorwärts!‹ war für mich wohl nicht gemeint,
Heißt auch wohl jetzt was andres, wie es scheint.

»Daß du – denn 's alte Zeughaus ist es doch,
Das seh' ich an den alten Fahnen noch –
Mir diesen Ruheposten zugedacht,
Zur Schildwacht unsrer Waffen mich gemacht,
Das, lieber Gott, das ist sehr brav von dir.
Wohl möcht' ich, wie in meinen Erdenjahren,
Vor Roste unsre Waffen hier bewahren,
Und kämen frisch genommne Fahnen an,
Privatim mein Te Deum Lateinischer Anfang des Lobgesangs: »Herr Gott, dich loben wir!« stimmen an.
Das nenn' ich mir rechtschaffne Seligkeit!
Ein preußisch Herz dient fort in Ewigkeit.

»Allein, solang der Kram hier aufgebaut,
Lag' ich doch lieber auf der Bärenhaut.
Drum, lieber Gott, lös' mich so lange ab,
Bis ich vor diesem ›Vorwärts!‹ Ruhe hab'!«

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