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Ausgewählte Dichtungen

Christian Friedrich Scherenberg: Ausgewählte Dichtungen - Kapitel 15
Quellenangabe
typepoem
authorChristian Friedrich Scherenberg<
titleAusgewählte Dichtungen
publisherBibliographisches Institut
editorHeinrich Spiero
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130821
projectidec2f2503
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Aus Preußens Vorzeit

Die Exekution

»Wer da wiederbringt den Deserteur,
Dreißig preuß'sche Taler sein Douceur!«
Vorgetrommelt ward's der Kompanei –
Pfeifend in die Trommelmelodei
Aber macht ein jeder Kamrad sich
Seinen Text noch zu absonderlich,
Als da lautet: »Dreißig Schweden mir,
Aber sechsmal Gassenlaufen dir –
I so lauf, so weit der Himmel blau!
In der Nacht sind alle Katzen grau!«
Und alle melden, die da kommandiert:
»Der Deserteur, Herr Hauptmann, ist chappiert.« Entlaufen, vom franz. échapper.
Nur einer spricht: »Ich bring' den Deserteur!«
Und bringet seinen eignen Bruder her.
»Schwer Geld!« spricht der Kap'tän beim Dreißigzählen,
Und jener spricht: »Herr Hauptmann, zu befehlen.«
Der Bruder durch die heiße Gasse läuft,
Daß ihm der blut'ge Schweiß vom Leibe träuft,
Und als er durchgelaufen dreimal schon,
Da tritt sein Bruder in die Exkution.
»Herr Hauptmann«, spricht er, »halten's mir zu Gnad',
Spricht ungefragt ein Wort mal ein Soldat.
Ihr wolltet mich die andern dreimal Gassen
In Gnaden für den Bruder laufen lassen.« –
»Packt's, Kerl, dich an deiner armen Seelen?«
Und jener spricht: »Herr Hauptmann, zu befehlen!
Herzvater schrieb ein Schreiben an uns beid',
Klein war der Brief, doch groß das Herzeleid:
›Verschuldet ist durch Krankheit, Not und Gram
Um ganzer dreißig Taler mir mein Kram;
Mein Gläubiger dränget mich aus Hof und Haus,
Zahl' ich nicht stracks ihm seinen Glauben aus.
Ich kann's doch nun und nimmermehr erwerben
Und muß an dreißig Talern ganz verderben.‹
Da dachten wir in unsers Herzens Drang:
›Es ist doch unser Vater lebelang‹
Und dachten auch: ›Ein graues Leid ist hart,
Und Herz nicht haben, kein' Soldatenart.‹
Davon noch laufen soll der alte Mann!
Viel lieber laufe, wer noch laufen kann.
Soll einer laufen – nun, so laufen wir;
Wir losen, Bruder, drum – dir oder mir –
Und machten Lose nach Soldatenbrauch,
Zwei Stück, ein weißes und ein schwarzes auch:
Weiß, der für seinen Vater läßt sein Blut,
Schwarz, der Verräter ist um schnödes Gut.
Und nun, Herr Hauptmann, halten's mir zu Gnaden!
Wie es nun weiter kam, das zu erraten
Ist keine Hexerei – doch, wie's mir flog
Hier unterm Knopf, als ich den Judas zog,
Das soll, mit Permission vor Euer Gnaden,
Kein Hundsfott weiter wohl erraten.
Wie Gott will, dacht' ich, faßt' mein Herze fest,
Daß es mich nicht in schwerer Not verläßt;
Nun bricht's mir doch in tausend Stücke hin,
Dieweilen ich sein lieber Bruder bin.«
Der Hauptmann sprach: »Mein Sohn, der Deserteur
Kriegt sechsmal – und du das Douceur.
Wie die Artikel lauten, so geschicht's,
Und daran ändert auch kein Teufel nichts;
Doch hat's damit nicht allzu große Eile.
Gemeldet werd' der Casus Vorfall, Fall (lat.). mittlerweile
Ins Hauptquartier an Seine Majestät,
Dieweil da Gnade gern vor Recht ergeht.«
Und Seine Majestäten resolvieren:
» Excutiones weiter nicht zu exkutieren;
Wer für den Vater also macht die Gassen,
Wird's auch fürs Vaterland nicht unterlassen.
Und da ein gut Exempel förderlich,
Seind Korporals sie beide – Friederich.«

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