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Ausgewählte Dichtungen

Christian Friedrich Scherenberg: Ausgewählte Dichtungen - Kapitel 12
Quellenangabe
typepoem
authorChristian Friedrich Scherenberg<
titleAusgewählte Dichtungen
publisherBibliographisches Institut
editorHeinrich Spiero
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130821
projectidec2f2503
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Die schwarzen Künste

       Sulphur, carbo, nitrum,
      Tria faciunt unum
! Lateinisch: »Schwefel, Kohle, Laugensalz, drei machen eins.«
      Im Haus des heiligen Franz
      Der deutsche Mönch erfand's. Der Franziskanermönch Bertold Schwarz erfand um das Jahr 1313 das Schießpulver.

Und von allen Burgen rings im Lande
Zum Kloster wallt der Mann vom Stahlgewande,
Der Ritter und der reisige Genoß,
Des ganzen Waffenlebens harter Troß.
Der Mann vom Schwerte kommt zum Mann vom Worte,
Der Eisenhandschuh klopft an Friedens Pforte:
      »Aufgemacht! Fromme Brüder, zieht herum!
      In unsern Burgen geht es um.«

Im Rüstsaal weht's durch Banner, Helm und Schild,
Aus Fug' und Niet der schwarze Panzer schrillt,
Die Armbrust und jedwedes Wurfgeschoß,
Es rüttelt aus Gehenk sich und Verschloß. –
Nicht lockend zu Turnier und Fehdelust,
Nein, stöhnend, wie des müden Helden Brust,
Wenn ihm der Rost frißt an dem Eisenherz,
Zieht's waffenmüde klagend durch das Erz. –
Der Streithengst schnauft, als wär's ihm nicht geheuer,
Die Rüde heult, als röch' sie Tod und Feuer,
Mein Burgwart kommt: »Wer pocht so ungeschlacht
Ans Tor, daß Splitter, Schloß und Riegel kracht?
Wer schreitet über die Brücke so schwer zur Burg,
Tritt Ketten, Bögen und Pfeiler durch?« –
»Herr«, ruft von den Zinnen mein Türmer wach,
»Ein singend Wehe geht über das Dach,
Singt nieder Zinnen und Scharten und Turm;
Das ist kein Wetter, das ist kein Sturm!«
Ich trat auf den Söller und schau' in den Graus,
Da bebet im Grund mein festes Haus,
Die Mauern schwanken berstend und halten nicht stand,
Wie vor dem Nachtwind die schwarze Eppichwand.
Und über die Halde und auf die Au,
Da fällt aus singender Luft ein eiserner Tau,
Da fährt heraus ein Flammenschwert und mäht
Donnernd die wilde Saat, wie sie gesät.
Das sind keine Waffen, das ist keine Schlacht,
Das sind die schwarzen Künste höllischer Macht.
            »Heilige Brüder,
            Singet die Lieder!
      Bannt mit geweihtem Wort
      Die bösen Geister fort!« –
Ausziehn die heiligen Brüder,
Sprechen den Bann, singen die Lieder,
Teufelskünste zu beschwören,
Böse Geister auszukehren,
Und singen, des Betens müd,
Ihren Schwertbrüdern das Lied:
»Wenn Großes kommt und Großes geht,
Der Heerscharen Herr durch die Wetter weht,
Wer weiß es, wohin? und von wannen?
Wir können die Geister nicht bannen.«

*

      Ein Tröpflein Öl, ein Stücklein Rauch, ein Stäblein Blei,
      Aller guten Ding' sind drei!
      Zu Straßburg in seinem Haus ersann's
      Der deutsche Meister Hans. Johann Gutenberg, der um 1445 die Buchdruckerkunst erfand.

Vom fetten Schmause, Fasten und Kasteien
Die Männer von dem härenen Gewande,
Die stolze Demut, die reichen Bettler all',
Der Krummstab klopfet an des Schwertes Wall:

      »Aufgemacht! Tapfre Brüder, zieht herum!
      In unsern Klöstern geht es um.«

Koboldskraus in tausend Teufel, däumlingsklein,
Mit Kist' und Kasten fährt der Teufel ein,
Umschwärmt mit Mottenvolk jedwedes Licht
Und bohrt wie Würmer sich hinein und kriecht
Trotz heil'gem Staub, trotz Schimmel und trotz Stock,
In alle Schrift, uns untern heil'gen Rock;
Fährt wie ein Gnom in der Gewölbe Schacht,
Zu spähn, was hinter dieser heil'gen Nacht
Vor schnödem Witz so sorglich sich verbarg,
Deckt auf den letzten Schrein, den stillen Sarg,
Und trägt, wie Bienen ihren Blütenraub,
In seine Zellen unsern alten Staub,
Kocht flüssig ihn in Teufelsküchendunst
Zu schwarzem Honigseim durch schwarze Kunst –
Mischt und mengt, reiht und rückt und verzwickt sich,
Tupft mal und wälzt kopfüber und drückt sich
Heraus, was er verschluckt, so schwarz auf weiß,
Daß schier es uns überläuft – kalt und heiß;
Streut, koboldsverwegen, vor alle Leut',
Wie lust'ger Lenz die weißen Blüten streut,
In die plaudernden Winde das redende Blatt
Und wird des höllischen Spukes nicht satt,
Bis alles, was wir da drinnen so sein gesponnen,
Herausgekommen ans klare Licht der Sonnen.
Aufsteigen begrabene Sterne, verstummte Klage,
Aufsteigt die faulende Schuld, wie Völkersage,
Lebendig aus seinen Gräbern der Tote spricht,
Wie blasende Posaunen am Jüngsten Gericht.

            »Tapfere Brüder,
            Schlagt ihn nieder
      Mit Feuer und Schwert, den Teufelskram,
       In Summam Dei gloriam»Zu Gottes höchstem Ruhm« (lat.).

Ausziehen die Herren vom Berge
Wider die kleinen schwarzen Zwerge;

      Und die riesigen Ritter und Knappen
      Holen sich heim die riesigen Schlappen,
      Und singen, des Straußes müd,
      Ihren heiligen Brüdern das Lied:

»Wenn Großes kommt und Großes geht,
Der Heerscharen Herr durch die Wetter weht,
Wer weiß es, wohin? und von wannen?
Wir können die Geister nicht bannen.«

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